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Guido Herda

„... dass man weiß, es klappt nicht“

Von Guido Herda stammt die deutsche Ausgabe des Comicbandes „Die Olsenbande und ihr großer Coup“, der vor kurzem im Dresdner Holzhof-Verlag erschienen ist.

Foto: Kulturhus Berlin. Ulrike Schulz

KULTURHUS BERLIN: Vor gut vierzig Jahren, kam der erste Olsenbandefilm in die dänischen Kinos. Zum Jubiläum gibt es jetzt – etwas verspätet –ein ganz besonderes Geschenk ...

Guido Herda: ... und das sollte es auch sein. Ich bin ziemlich froh, dass das Buch nun doch noch erschienen ist. Nachdem es am Ende ein paar technische Schwierigkeiten zu lösen gab, hat es nun leider doch nicht mehr ganz zum genauen Jubiläumstermin geklappt. Meine Arbeit an diesem Comicalbum hat alles in allem gut vier Jahre gedauert: Aus der ursprünglichen Idee, nur den Comic auf Deutsch herauszubringen, hat sich im Laufe der Zeit dann einfach mehr entwickelt. Ich habe den Comic übersetzt, weiter recherchiert, Geschichten drum herum zusammengetragen, Kontakte gesucht und gefunden, Texte und Interviews von damals, 1977, besorgt, alles ins Deutsche übertragen. Ich habe sogar Probezeichnungen und Skizzen der Originalzeichnungen von Otto Frello, dem dänischen Zeichner des Comics, bekommen – und das alles ist nun in einem Band versammelt. Der Comic umfasst 48 Seiten, insgesamt hat das Buch jetzt aber 116 Seiten. Es ist also um sehr vieles ergänzt worden, ein sehr umfangreich ausgestattetes Album, und ist jetzt noch mehr als ein Comic. Und ein paar Geheimnisse werden auch noch gelüftet ... So ist es im eigentlichen Sinne dann auch kein kommerzielles Produkt geworden, sondern ein Buch von Fans für Fans, das auch nur in einer kleinen Auflage erscheint. Denn es ist mehr oder weniger nur aus Spaß an der Freude entstanden.

KULTURHUS BERLIN: Mögen Sie Comics so gerne oder mögen Sie die Olsenbande so gern?

Beides. Ich mag Comics, und die Olsenbande. Als ich vor Jahren von dem dänischen Comic erfuhr, dachte ich sofort, warum gibt es den denn noch nicht auf Deutsch? Dann habe ich mich auf die Suche gemacht und auch jemanden gefunden, der mir ein dänisches Original des Comics verkaufte. Und dann musste ich einen Verlag finden, der das machen wollte – na ja und ein bisschen Dänisch lernen. Als ich den Olsenbandecomic das erste Mal sah, dachte ich allerdings – nee, das geht nicht.

Ich empfand die Figuren als sehr karikiert dargestellt. Aber man muss sich nur darauf einlassen und anfangen zu lesen. Dann erkennt man, wie gut die gezeichneten Figuren eigentlich zur Olsenbande passen. Der Comic erzählt keine neue Geschichte, sondern er erzählt einen der Filme nach. Man kennt die Handlung also schon. Doch obwohl diese sich ziemlich dicht am Film orientiert, zeigt er auch Neues, was im Film so nicht dargestellt wurde, und dafür ist anderes auch weggefallen oder anders gemacht worden. In Dänemark ist es seinerzeit auch nur bei dem einen Comic geblieben, obwohl er sich gut verkauft hat und die Leute sehr neugierig darauf waren. Aber beides, Film und Comic, lässt sich eben doch nicht immer so ganz einfach zusammenbringen. In Norwegen zum Beispiel wurden fünf Comics mit der norwegischen Olsenbande produziert, die völlig neue Geschichten erzählten, und die dort sehr großen Anklang fanden.

KULTURHUS BERLIN: In Norwegen – wie kam das?

In Norwegen gibt es ja eine andere, eine norwegische Olsenbande, weil die Dänen mit ihren Filmen dort überhaupt nicht Fuß fassen konnten. Der erste dänische Film kam in Norwegen gar nicht an. Man fand aber den Stoff gut und hat die Filme nachgedreht. Und wenn man die beiden Olsenbanden vergleicht, dann spielt das dänische Original eher im kleinbürgerlichen Milieu; von den Figuren her, vom ganzen Umfeld. In Norwegen sind die Charaktere viel proletarischer, da geht’s richtig zur Sache. In Dänemark ist Egon ein kleiner drahtiger Mann. In Norwegen ist er ein kräftiger Kerl, der richtig auf den Tisch haut. Und die norwegischen Olsens waren dort eben auch genau deshalb so populär. Es gibt in Norwegen sogar Leute, die Stein und Bein darauf schwören, dass es die Norweger waren, die die Olsenbande erfunden haben.
In beiden Ländern sind es großartige Film- und Theaterschauspieler. Die Figur des Dynamit-Harry, die in Dänemark nur in zwei Filmen dabei war, hat man in Norwegen zum Beispiel viel öfter in die Filme eingebaut, weil der Schauspieler dort sehr beliebt war, und man ihn sehen wollte. Doch in den dänischen Filmen hat der zweimalige Auftritt vollkommen ausgereicht, um Harry zur unvergessenen Legende werden zu lassen. Gespielt wurde er von Preben Kaas, dem Vater von Nicolai Lee Kaas, den man heute ja auch in Deutschland kennt.

KULTURHUS BERLIN: Und das „dumme Schwein“?

Das ist in Dänemark und in Norwegen immer derselbe Schauspieler - Ove Verner Hansen. Mit demselben Äußeren, demselben Kostüm und derselben Art. Er ist der Schauspieler, der auf diese Art in den meisten Olsenbandefilmen mitgespielt hat, und er ist noch heute sehr stolz darauf.

KULTURHUS BERLIN: Die norwegischen Olsenbande-Filme sind aber in Deutschland noch nicht zu sehen gewesen, oder?

Nein, die kennt man hier leider nicht. Sie dürften auf den deutschen Olsenbandefan auch erstmal ziemlich verstörend wirken, weil eben die Olsenbande eine ganz andere ist. In Norwegen dreht man übrigens bereits am fünften Olsenbande-Junior-Film. In Dänemark hat man bisher nur einen gemacht. Die Junior-Filme sind in Norwegen wieder unglaublich beliebt. Andererseits sind viele neue Sachen in Dänemark passiert, da waren das Olsenbande-Musical im Tivoli im letzten Jahr, welches auch in diesem Jahr wieder aufgeführt wird, nun in der „Provinz“, das große Fan-Treffen von 2006 in Jütland und zur Zeit arbeitet man an einem ganz neuen Film mit der „Original“-Bande - aus dem Computer in 3D.

KULTURHUS BERLIN: Olsenbande – da rümpft ja mancher die Nase und macht den Mund spitz.

Ja, das kann ja auch jeder halten, wie er will. Die Faszination, die für mich von der Olsenbande ausgeht, sind die präzisen Coups und dass man aber doch eigentlich immer weiß, der ganze schöne Plan haut trotzdem nicht hin, dass man weiß, es klappt nicht. Und obwohl ich alle Filme kenne, finde ich es jedes Mal spannend, darauf zu warten, ob er denn nicht vielleicht doch noch gelingt? Denn eigentlich muss es klappen, der Plan ist doch genial ausgedacht. Aber irgendwas kommt eben immer dazwischen. Man weiß, die mächtigen Geldsäcke wollen Egon durch ihren Handlanger, das „dumme Schwein“, endgültig aus dem Weg schaffen, doch auch da ist man sicher, das wird nie klappen. Die Filme zeigen kaum wirkliche Gewalt. Und die Olsenbande streitet sich eigentlich auch nie um das Geld. Es geht immer um ganz andere Dinge. In allen Gaunerfilmen gibt es irgendwann untereinander Streit um die Beute, und einer versucht dann den anderen auszutricksen. Aber die Olsenbande tut das gerade nicht. Es geht im Grunde alles sehr freundschaftlich zu, selbst wenn sie sich mal nicht verstehen und in die Haare kriegen. Und dass Egon seinen cholerischen Anfall kriegt, gehört ja in jedem Fall dazu.

KULTURHUS BERLIN: Egon Olsen ist nicht nur ein genialer Gauner, sondern auch einer, der gern und oft schimpft. Haben Sie ein Lieblingsschimpfwort von Egon?

Eigentlich nicht, es gibt einfach zu viele, die sich gut auch im Alltag unterbringen lassen. Lausige Amateure ist ein gutes Beispiel ... Die Schimpfwörter gehören unbedingt zu den Filmen. Die deutschen Versionen sind da ja zum Teil etwas entschärft worden. Das ist aber vollkommen in Ordnung. Denn, dass die Olsenbande hier und immer noch so populär ist, liegt auch an der hervorragenden deutschen Synchronarbeit. Da wurde vieles übernommen, aber es wurden auch neue Worte und Wendungen gefunden, es wurde die Sprache sehr sensibel und genau angepasst. Es wurden Worte benutzt, die im Dänischen gar nicht vorkommen, weil es textlich oder von der Sprache her nicht sinnvoll war. Man hat auch Filmtitel anders übersetzt und damit den Sinn besser übertragen. Man hat sich dicht an das Original gehalten, aber nicht sklavisch. Und es hat den Filmen immer gutgetan. Diese Filme sind sehr, sehr gut produzierte Synchronisationen, die die Leute ins Kino und vor den Fernseher gezogen haben, klar. In Westdeutschland ist der einzige dort synchronisierte Kinofilm damals nicht so erfolgreich gewesen. Man hat aus den ersten beiden Filmen einen Film gemacht und ihn „Die Panzerknackerbande“ genannt. Viele Jahre später hat sich das ZDF dann nochmal an fünf Filmen versucht, aber die sind bald im Giftschrank verschwunden. Denn mit den Filmen wurde dort auf sehr brachiale Art umgegangen, und das hat die Fans damals sehr aufgebracht. Die Synchronisation ist so schlecht, daß man fast sagen kann, die Filme wurden dadurch verfälscht.

KULTURHUS BERLIN: Und was sagt Otto Frello, der dänische Zeichner des Comics dazu, dass seine Sachen jetzt in Deutschland herauskommen?

Für ihn liegt diese Arbeit nun natürlich sehr lange Zeit zurück. Otto Frello, der als Illustrator und inzwischen auch sehr bekannter Maler in Dänemark lebt und mit 84 Jahren immer noch arbeitet, war total überrascht, als ich ihm schrieb. Er freut sich natürlich riesig. Und er war ganz erstaunt, dass sich nach dieser Zeit noch jemand dafür interessiert und sein Comic jetzt auch noch in Deutschland herauskommt, weil dieses Abenteuer selbst in der Olsenbandewelt fast schon vergessen ist.


Das Interview führte Inken Dose im November 2008.

Die Olsenbande und ihr großer Coup von Otto Frello
bearbeitet von Guido Herda
Holzhof-Verlag, Dresden, 2009
Hardcover 116 Seiten, vierfarbig
30,- Euro
ISBN 978-3-939509-95-0

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