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Åsa Larsson
Quelle : KULTURHUS BERLIN, Ulrike Schulz

"Ich komme ohne Kiruna nicht zurecht"

Åsa Larsson ist derzeit eine der erfolgreichsten schwedischen Krimiautorinnen. Sie debütierte 2003 mit dem Bestseller "Sonnensturm”, der als bestes Krimidebut 2003 ausgezeichnet wurde. "Sonnensturm" war das erste von sechs Büchern in einer Serie, von der bis jetzt vier Bände vorliegen – alle waren sehr erfolgreich und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Gerade ist in Deutschland ihr viertes Buch "Bis Dein Zorn sich legt” erschienen.

Als Åsa Larsson vier Jahre alt war, zog ihre Familie nach Kiruna in Nordschweden, wo Larsson aufwuchs. Sie studierte Jura an der Universität von Uppsala und arbeitete als Steuerfachanwältin. Heute aber ist sie Vollzeitschriftstellerin. Ihre Fähigkeit, Landschaften und Umwelt zu beschreiben, hat viele Leser gefesselt. Und dass ihre Kindheit und Jugend in Kiruna einen großen Einfluss auf ihre Bücher hatten, ist nicht zu übersehen.

Wir treffen eine strahlend fröhliche Åsa Larsson an einem sonnigen Nachmittag in einem Hotel. Sie erzählt uns, dass dies ihr erster Berlinbesuch sei und sie die Stadt jetzt schon liebe.

 

KULTURHUS BERLIN: Auf welche Weise haben die Landschaft, das Klima und die Mentalität in Kiruna Sie beeinflusst?

Åsa Larsson: Die Natur ist unglaublich wichtig! Sie soll in meinen Büchern die ganze Zeit etwas widerspiegeln, entweder, wie sich ein Mensch fühlt, oder was in der Geschichte passiert. Ich will die Natur für mich verwenden, ihr eine Seele geben, so dass sie wie eine Person in der Geschichte wird. Kiruna ist einzigartig und für mich mehr eine Voraussetzung als eine Inspiration. Ich habe ein unglaublich starkes Gefühlsband zu dieser Stadt. Viele sagen, ich bedeute viel für Kiruna, aber es ist genau anders herum. Ich komme ohne Kiruna nicht zurecht. Ich habe versucht, Geschichten zu schreiben, die in Mariefred spielen, wo ich jetzt lebe, aber es geht nicht!

KULTURHUS BERLIN: Wollten Sie immer schon schreiben? War das ein Kindheitstraum für Sie?

Åsa Larsson: Ja, das wollte ich. Ich bin als Einzelkind aufgewachsen, mein Vater war Bibliothekar mit einem riesigen Literaturinteresse. Er fand, ich sollte nur gehobene Literatur lesen, ich durfte zum Beispiel nie ein "Kitty"-Buch lesen. Er hat sich immer für meine kreativen Projekte interessiert und hatte großen Einfluss auf mich. Ich habe Jura studiert und eine Weile als Juristin gearbeitet, und da bin ich vom Schreiben abgekommen. Erst als ich mein erstes Kind bekommen hatte, fing ich wieder damit an. Ich fühlte mich ein wenig leer und unglücklich und hatte das Bedürfnis, sehnte mich danach, etwas Kreatives zu machen. Es war ein fantastisches und unbeschreibliches Gefühl, als es begann, sich in meinem Kopf zu bewegen. Ich hatte wirklich viel Spaß.

KULTURHUS BERLIN: Wie sieht Ihre Schreibroutine aus?

Åsa Larsson: Nein, was für eine schreckliche Frage! Früher habe ich gelogen und gesagt, dass ich sehr diszipliniert sei, aber das hat nie gestimmt. Es variiert, aber jetzt, als ich das letzte Buch schrieb, bin ich mit meinen Kindern um neun schlafen gegangen und dann zwischen drei und vier am Morgen aufgestanden, um zu schreiben. Das hat sehr gut funktioniert, auch wenn es vielleicht verrückt klingt. Das ist eine sehr gute Schreibzeit. Keiner ruft an, man darf nicht staubsaugen, man kann einfach ganz fokussiert sein.

KULTURHUS BERLIN: Was glauben Sie ist das Schwierigste daran, einen Krimi zu schreiben?

Åsa Larsson: Es besteht eine große Herausforderung darin, sich zu erneuern. Es gibt so viele gute Krimiautoren und die Leute haben schon das Meiste gesehen und gelesen. Es ist wichtig, als Schriftsteller nicht den leichtesten Weg zu nehmen, sondern noch ein- oder zweimal darüber nachzudenken. Als Autor muss man etwas finden, was einen herausstechen lässt, etwas, durch das man sich von den anderen abhebt.

KULTURHUS BERLIN: Auf welche Weise glauben Sie, sich von anderen schwedischen Krimiautoren zu unterscheiden?

Åsa Larsson: Ich wünschte, ich könnte auf diese Weise von außen auf mich selbst schauen. Ich glaube jedoch, dass die Landschaft eine große Rolle spielt, aber es ist schwer zu sagen.

KULTURHUS BERLIN: Was lesen Sie selbst am liebsten? Wer sind Ihre Lieblingsautoren?

Åsa Larsson: Ich werde stark von schwedischen Autoren inspiriert. Als meine Vorbilder sehe ich zum Beispiel Kerstin Ekman, Majgull Axelsson und Elsie Johansson an. Ich kann mich jedoch nicht vollkommen von einem Schriftsteller begeistern lassen, so dass ich komplett besessen bin und alles lese, was diese Person geschrieben hat. Das ist lange her, es ist vielleicht ein Alterssymptom, dass man etwas abgestumpft ist.

KULTURHUS BERLIN: Sie hatten ja einen großen Erfolg mit Ihren Büchern. Werden es noch mehr als sechs in dieser Serie werden?

Åsa Larsson: Nein, das wird nicht passieren. Das ist sicher.

KULTURHUS BERLIN: Auf welche Weise glauben Sie, hat Ihr Erfolg Ihr Schreiben beeinflusst?

Åsa Larsson: Ja, also, manchmal fällt es mir ein wenig schwer, mich selbst als Schriftstellerin zu bezeichnen, was ganz sicher an meinem Selbstwertgefühl liegt. Das ist absolut gewachsen je mehr Anerkennung ich bekommen habe. Der Erfolg hat mir auch mehr Freiheit verschafft, so dass ich selbst meine Arbeitszeiten bestimmen kann und natürlich auch, dass ich durch meinen Traum finanziell unabhängig bin.

KULTURHUS BERLIN: Warum glauben Sie, läuft es für schwedische Krimiautoren so gut in Deutschland?

Åsa Larsson: Keine Ahnung! Sehr schwer zu sagen, ich kenne die deutsche Kultur nicht wirklich und habe hier nie gelebt. Vor dem Zweiten Weltkrieg standen sich unsere Kulturen jedoch sehr nahe. Wir haben Deutsch in der Schule gelernt, und ich glaube, dass fünfzig Prozent der schwedischen Wörter deutsche Lehnwörter sind. Sicher gibt es da also eine tiefere kulturelle Verbindung.

KULTURHUS BERLIN: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Åsa Larsson: Als Schriftsteller muss man sich entwickeln, also wäre es toll, ein paar neue Sachen auszuprobieren. Ich würde sehr gerne versuchen, ein Drehbuch oder eine Fernsehserie zu schreiben. Es wäre schön, die Arbeit in einem Team auszuprobieren. Manchmal kann es etwas einsam werden, auch wenn es schön ist, dass ich alles selbst bestimmen kann. Keiner versetzt auch nur ein Komma ohne meine Erlaubnis! Ich merke außerdem, dass ich ein neues Hobby brauche. Vorher war das Schreiben mein Hobby und jetzt ist es mein Job, also suche ich nach einem Neuen.

Das Interview führte Maria Boestam, Übersetzung Verena Morys.

 

Weitere Informationen: www.asa-larsson.de.

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