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Wo kommt der Weihnachtsmann her?
Fotos: Liane Gruda

Gedanken zum Fest

Im 19. Jahrhundert wurde das rein christliche Fest der Geburt Jesu abgelöst durch die säkulare Familienweihnacht. Der Weihnachtsbaum hielt Einzug in die Bürgerstuben, und das Schenken wurde mehr und mehr zum sinngebenden Inhalt. Der gütige christliche Heilige Nicolaus verschmolz mit dem archaisch-heidnischen Knecht Ruprecht zum Weihnachtsmann, der für die „guten Kinder“ Gaben in seinem Sack brachte und für die „bösen Kinder“ die Rute mit sich führte. Das Bild des „real existierenden Weihnachtsmanns“ ist heutzutage streng verknüpft mit seiner Fahrt auf einem von Rentieren gezogenen Schlitten. Woher kommt diese Vorstellung?

Nur die Samen, die Ursprungsbevölkerung im Norden Europas, benutzen seit Jahrhunderten gezähmte Rentiere als Lasttiere, wenn kein Schnee liegt, und als Zugtiere vor Schlitten im Winter. Dort also muss gesucht werden und genau dort, bei den Samen, ist der norwegische Autor Roy Andersen fündig geworden! Allerdings nicht in der Region Sápmi im Norden Europas, sondern in Nordamerika.

Im Verlag Aschehoug erschien im Herbst 2011 sein Buch „Redningsmenn og lykkejegere“, das an sich die Geschichte der 113 Ren züchtenden Samen aus Finnmarken erzählt, die Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag der Regierung der USA nach Alaska zogen, um die dortige Ursprungsbevölkerung, die Yupik und Inupiat, dabei zu unterstützen, eine sie künftig vor Hungersnöten bewahrende Renzucht zu etablieren. Dafür hat Anderson amerikanische und norwegische Quellen über die Auswanderung von Samen durchgearbeitet.

Doch er erzählt in diesem Zusammenhang auch von dem Norwegisch-Amerikaner Gudbrand J. Lomen und seinem Bruder Alfred Lomen, die 1914 aus dem Valdres nach Alaska kamen und dort eine Rentierfleisch-Produktion aufbauten. Sie begannen, Rentiere von den Ren züchtenden Samen sowie Yupik und Inupiat aufzukaufen. Sie stellten Samen ein, bauten Kühlhäuser und kauften Dampfschiffe mit Kühlräumen, um das Fleisch von Nome in Alaska nach Seattle zu verschiffen. Als sie mit ihrer Gesellschaft Lomen & Co. auf dem amerikanischen Markt expandieren wollten, organisierte ihnen eine Werbeagentur eine Kampagne mit Weihnachtsmann-Shows, mit der die Gebrüder Lomen zusammen mit den Samen durch die Städte zogen. „Juletomten“, die nordische Variante des Weihnachtsmanns, war fester Bestandteil dieser vorweihnachtlichen Auftritte, und Roy Andersen schreibt in seinem Buch von Filmen, in denen er gesehen hat, wie hunderttausende in den Straßen standen um den Weihnachtsmann zu sehen, wie er mit seinem Rentierschlitten daherkam.

Diese samischen Veranstaltungen haben das moderne Bild des Santa Claus entstehen lassen – oder doch zumindest stark beeinflusst. So auch den Zeichner Haddon Sundblom, der seit 1931 für einen Limonadenhersteller in den USA deren Weihnachtswerbung mit seinen Zeichnungen vom Santa schmückte. Es dürfte dem Graphiker nicht schwer gefallen sein, sich aus dieser Richtung beeinflussen zu lassen: Er war Sohn schwedischer Einwanderer.

Frohe Weihnachten - oder auf (Nord-)Samisch: Buorit Juovllat!

Text: Hans-Joachim Gruda

 

Historische Dokumentarfilmausschnitte zu Weihnachtskampagnen, in denen mit Rentieren geworben wurde, hat die norwegische Zeitung Aftenposten auf ihrer Website veröffentlicht, sie sind hier zu finden.

Quellen:

Roy Andersen
„Redningsmenn og lykkejegere: norske pionerer i Alaska"
Oslo : Aschehoug, [2011]

Vorren, Ørnulv
„Samer, rein og gull i Alaska. Emigrasjon av samer fra Finnmark til Alaska"
Karasjok, Davvi media [1990]

Lomen, Carl J.
„Fifty years in Alaska"
New York, D. McKay Co.
[1994]

Doris Foitzik in François, Etienne / Schulze, Hagen (Hsg.)
„Deutsche Erinnerungsorte Bd. III"

München, C. H. Beck [2008]

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