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Marit Kuhmunen Blom

#sámásmuinna2 – Sprich Samisch mit mir

Marit Kuhmunen Blom (Mitte) präsentiert zusammen mit jungen Sprachbotschaftern das Projekt ”Sámás muinna2” auf dem samischen Markt in Jukkasjärvi.

Jugendliche Sprachbotschafter in Schweden werben für Samisch in sozialen Medien – Interview mit Marit Kuhmunen Blom

Samisch gehört zu den vom Aussterben bedrohten Sprachen der Welt. Um die samische Sprachkompetenz unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu fördern, setzt das Schwedische Sameting auch auf die sozialen Medien. Marit Kuhmunen Blom ist seit Mai 2016 Projektleiterin der Kampagne ”Sámás muinna2”, die zu diesem Zweck vom Sprachzentrum des Schwedischen Sametings initiiert wurde. KULTURHUS BERLIN sprach mit ihr auf dem samischen Herbstmarkt in Jukkasjärvi in Schwedisch Lappland im Spätsommer 2016.

 

KULTURHUS BERLIN: Was ist das Ziel Eures Projektes, und an wen richtet es sich?

Marit Kuhmunen Blom: ”Sámás muinna2” ist eine landesweite Kampagne des Samischen Sprachzentrums, um Samisch besonders unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu fördern und sein Image zu stärken. Und weil die heute ganz selbstverständlich über soziale Medien kommunizieren, geht es darum, die samische Sprache dort sichtbar und hörbar zu machen. Das Projekt kommt ursprünglich aus Norwegen und wird nun auf Schweden ausgeweitet. Wir wollen mehr junge Menschen ermuntern, Samisch im Alltag zu verwenden bzw. häufiger und in mehr Kontexten als bisher. Und wir wollen die samische Sprache und ihre Bedeutung für uns in der Gesellschaft sichtbar machen, um so ihre Akzeptanz zu erhöhen. Es ist ja immer ganz einfach: Was man nicht sieht, das gibt es nicht. Das wollen wir ändern.

Unsere Aktionen richten sich an junge Leute zwischen 13 und 30 Jahren, die bereits Samisch sprechen, auch wenn es vielleicht nur ganz wenig ist, aber auch an Interessierte, die gern Samisch lernen möchten.

 

KULTURHUS BERLIN: Wie setzt Ihr das um?

Marit Kuhmunen Blom: Wir wollen vermitteln, dass die samische Sprache wichtig und auch cool ist, und dass wir sie lernen und untereinander anwenden müssen, wenn wir sie für die Zukunft bewahren wollen. Dabei helfen uns zurzeit 18 Sprachbotschafter. Sie schreiben auf Instagram, Snapchat und Facebook in den vier Varietäten des Samischen, die hier in Schweden hauptsächlich vertreten sind. Jeweils fünf sprechen Nord-, Süd- und Lulesamisch, drei unserer Vertreter Umesamisch. Sie pflegen die Accounts, posten Bilder und Begriffe, berichten über ihre Themen – alles auf Samisch. Vom Samischen Sprachzentrum gibt es eine Wörterbuch-App, auf die man zurückgreifen kann, wenn man mal ein Wort nicht weiß. Aber wir gehen auch auf Veranstaltungen wie den samischen Markt hier in Jukkasjärvi. Außerdem drehen wir gerade einen Imagefilm und schreiben an einem Sámásmuinna-Song.

 

KULTURHUS BERLIN: Wie wird man Sprachbotschafter und welchen Hintergrund haben Eure Mitstreiter?

Marit Kuhmunen Blom: Über Ausschreibungen und indem wir direkt junge Leute angesprochen haben, sind wir an unsere Sprachbotschafter gekommen. Sie sind zwischen 14 und 28 Jahre alt. Jungen und Mädchen sind gleichermaßen vertreten. Genauso ist auch unser Publikum aufgestellt.

 

KULTURHUS BERLIN: Wie ist die Resonanz?

Marit Kuhmunen Blom: Unsere Follower finden es cool die Sprache online wieder zu finden, sie wenden Samisch an und lernen dabei neue Wörter und Wendungen. Das Image der Sprache wird positiver. In Norwegen ist die Kampagne enorm populär. Wir hoffen, dass uns das hier in Schweden auch gelingt.

 

KULTURHUS BERLIN: Wollt Ihr Euch damit bewusst abgrenzen, wie mit dem Samischen in der Elterngeneration umgegangen wird?

Marit Kuhmunen Blom: Das kann man so sagen. Es geht darum, die Sprache dorthin zu transportieren, wo die Jugendlichen sind, beim Sport oder anderen gemeinsamen Aktivitäten. Deshalb veranstalten wir auch mal einen Pizzaabend oder machen CrossFit und sprechen dabei nur Samisch. Wir führen Events in Schulen und Gemeinden durch. Die Ideen, was wir machen, kommen spontan, auch angelehnt an die Rückmeldungen, die wir von unserer Zielgruppe erhalten.

 

KULTURHUS BERLIN: Wie bist Du zum Projekt gekommen? Was ist Dein Hintergrund?

Marit Kuhmunen Blom: Ich komme aus einer Gegend, in der sehr viel Samisch gesprochen wird, und es ist meine Muttersprache. Außerdem habe ich in der Schule Samisch gelernt. Anschließend habe ich Journalistik studiert und auch in diesem Feld gearbeitet. Als ich von dem Projekt hörte, war ich sofort begeistert und habe mich auf die Stelle beworben. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, die samische Sprache zu verbreiten und zu erhalten.

 

KULTURHUS BERLIN: Vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Euch noch viele spannende Aktionen und zahlreiche Follower.



Die Aktionen sind online bei Instagram, Snapchat, Facebook und YouTube. Mit der Suche nach Sámásmuinna/sámástamujna/sámásthmujna/saemesthmunnjien2 findet sich bei YouTube auch der Film der Kampagne, der zeigt, wie die Sprache im Alltag aufleben kann, beim Angeln, Mountainbiken oder Treffen unter Freunden. Es geht eben auch alles auf Samisch.

 

Das Gespräch führten Tanja Bradtke und Daniela Steuer.



Hintergrund

Im Norden Europas erstreckt sich Sápmi, das Land der Samen, über Landesgrenzen hinweg von Mittelnorwegen und -schweden sowie Nordfinnland bis zur russischen Kola-Halbinsel. Dem samischen Volk zugehörig werden 70.000 Menschen gezählt, davon leben rund 40.000 in Norwegen, 20.000 in Schweden, 8.000 in Finnland und 2.000 in Russland. Aber nur ein Drittel von ihnen, ca. 24.000, spricht noch einen der verschiedenen samischen Dialekte, die untereinander nicht immer verständlich sind. Mit etwa 17.500 Sprechern ist Nordsamisch der am weitesten verbreitete, aber Süd- und Lulesamisch haben nur noch 700 bzw. 800 Sprecher, während Umesamisch mit 20 Sprechern als fast ausgestorben gilt. Grund dafür ist die umfassende Stigmatisierung der Samen und mit ihnen der samischen Sprache vor allem im 19. Jahrhundert. Doch auch heute haben die meisten älteren Samen ihre Muttersprache nie oder nur in sehr geringem Umfang in der Schule lesen und schreiben gelernt. Um sie langfristig zu bewahren, kämpfen die Samenparlamente in den einzelnen Ländern mit interessanten Kultur- und Sprachprojekten um die Verbreitung und Verwendung der samischen Sprache im Alltag.

(Quellen: Wikipedia, Sprachzentrum des Schwedischen Sametings)

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