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Weihnachten nebenan

Weihnachten in Island. Wenn Fenstergucker und Fleischangler ihr Unwesen treiben

In Island hat der rote Coca-Cola-Weihnachtsmann harte Konkurrenz: die isländischen Weihnachtsmännchen. Sie bringen weder Geschenke noch Süßigkeiten und sehen bei weitem nicht so freundlich aus wie der Weihnachtsmann mit seinem weißen Rauschebart. Die trollartigen jólasveinar kommen in abgelatschten Schuhen daher, tragen braune Lumpen, heißen Töpfekratzer, Türenknaller oder Würstchenklauer und haben es faustdick hinter den Ohren. Dreizehn dieser Lümmel sind durch eine Volkssage des Dichters Jón Árnason aus dem Jahr 1862 besonders beliebt geworden.

Vom 12. Dezember bis zum Heiligen Abend treiben die Weihnachtsmännchen auch heute noch ihr Unwesen. Jeden Tag schleicht sich eines von ihnen zu den Menschen, um die Schafe zu erschrecken, Quarktöpfchen leer zu schlecken und Kerzen zu stehlen. Den Rest des Jahres verbringen sie in den Bergen, wo sie mit der Weihnachtskatze und ihren Eltern, der bösartigen Grýla und ihrem Gatten Leppalúði hausen. Ursprünglich hatten die frechen Trolle einen erzieherischen Auftrag: Sie sollten die Kinder verängstigen und zum Gehorsam ermahnen. Doch mittlerweile sind die bösen Weihnachtsgeister ein wenig friedlicher geworden. Friedlich genug jedenfalls, um sich als kleine Figürchen aus Wolle und Moos zwischen Tannengrün und Kerzen auf der Fensterbank drapieren zu lassen…

Anika Lüders

 

Weihnachten in Gefahr! In Dänemark gibt es ganz besondere julekalender

Weihnachten beginnt in Dänemark (spätestens) Anfang Dezember, wenn die Wohnungen und die Städte weihnachtlich geschmückt werden. Dies tun die Dänen mit viel Liebe, Aufwand und erstaunlich viel Geschmack. Zusätzlich zum Adventskranz gibt es in Dänemark kalenderlyset (die Kalenderkerze). Das ist eine Kerze, auf der von oben nach unten die Zahlen 1 bis 24 geschrieben sind. Jeden Tag zündet man sie so lange an, bis das Datum des Tages aufgebrannt ist. Am 24. ist dann nur noch ein kleiner Stummel übrig.

Neben dem Adventskalender aus Papier, gefüllt mit Schokolade oder selbst gebastelt, wie wir ihn kennen, zeigt das Fernsehen seit einigen Jahren einen julekalender. Das funktioniert wie ein Fortsetzungsroman: Jeden Tag wird eine neue Episode einer Geschichte gezeigt. In der Regel geht es immer darum, dass Weihnachten irgendwie in Gefahr ist, und der Held muss nun dafür sorgen, dass es trotz aller Probleme Weihnachten wird. Mittlerweile sind diese julekalender so beliebt, dass es sie nicht nur für Kinder gibt, sondern auch für Erwachsene.

Eine besondere Tradition, die sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg richtig verbreitet hat, ist das julefrokost: In der Adventszeit trifft man sich mit Kollegen, Freunden und Bekannten zum geselligen Beisammensein – oft lädt der Arbeitergeber dazu ein. Klassische Speisen zum julefrokost sind eingelegter Hering, Sülze und Blutwurst. Es geht lustig zu, und der eine oder andere Schnaps darf auch nicht fehlen.

Eine beliebte Unternehmung der Kopenhagener in der Vorweihnachtszeit ist der Besuch im Tivoli, wo man Schlittschuhlaufen oder über den Weihnachtsmarkt schlendern kann. Am 13. Dezember feiert man in Dänemark, wie in Schweden auch, das Lucia-Fest.

Dann, am 23. Dezember, ist er endlich da, lillejuleaften (der kleine Weihnachtsabend), an dem der Baum geschmückt wird, und man es sich bei æbleskiver (Krapfen) und gløgg inmitten des Trubels gemütlich macht. Am Baum hängen oft aus Papier geflochtene Körbchen und Herzen oder auch Zucker- oder Schokoladenfiguren.

Richtig gefeiert wird einen Tag später: Am juleaften gehen viele Dänen in die Kirche, abends gibt es ein Festtagsessen mit Ente, Gans, Truthahn oder auch einen guten Schweinebraten. Oft isst man später auch Milchreis, in dem eine ganze Mandel versteckt ist. Derjenige, der die Mandel bekommt, erhält mandelgaven (das Mandelgeschenk), meistens ein Marzipanschwein oder etwas anderes Süßes.

Ganz wichtig, nicht nur für die Kinder, ist das Tanzen um den Weihnachtsbaum. Der erste und zweite Weihnachtsfeiertag werden im Kreise der Familie verbracht. Man tischt kaltes Büffet auf und trinkt juleøl, ein besonders starkes Weihnachtsbier.

Constanze Gestrich

Wo der Weihnachtsmann wohnt – Weihnachten in Grönland

Die Grönländer nennen ihre Insel dicht am Polarkreis Kalaallit Nunaat – das Land der Menschen. Hier wohnt neben den Inuit, den Ureinwohnern Grönlands, außerdem ein sehr wichtiger Mann: Im Kongsgården (Königshof) residiert der dänische Weihnachtsmann. Dort stellt er mit Hilfe seiner kleinen Helfer, den Nisse, die Weihnachtsgeschenke für die Kinder her.

Im Dezember dekorieren die Grönländer die Fenster ihrer Häuser mit Weihnachtssternen und anderem Schmuck. So dicht am Nordpol gibt es hier um diese Jahreszeit kein oder kaum Tageslicht. Gerade deshalb ist der leuchtende Weihnachtsstern von besonderer Bedeutung und ziert die Fenster von allen öffentlichen Gebäuden, Geschäften und Privathäusern.

In jeder Stadt steht ein erleuchteter Weihnachtsbaum, und die meisten Leute haben einen Baum zu Hause. Die Weihnachtsbäume werden aus Dänemark importiert, da es aufgrund des Klimas auf Grönland keine Tannen gibt. Bevor es üblich wurde, sie einfliegen zu lassen, bastelte man sich einen Baum aus Treibholz und dekorierte ihn mit Heidekraut. Manche Grönländer machen dies noch heute. Geschmückt wird der Weihnachtsbaum meist am Vorabend des Festes von den Eltern. Neben typisch grönländischem Baumschmuck wie kamiks, Stiefel aus Robbenfell, ziert von Kindern gebastelter Schmuck den Baum.

Früh am Weihnachtsmorgen ziehen die Grönländer von Haus zu Haus, um das Fest mit Gesang einzuleiten. Um zehn Uhr gibt es einen Gottesdienst, den fast alle in ihren traditionellen grönländischen Trachten besuchen. Einige Männer tragen weiße Anoraks, als Zeichen dafür, dass es sich um einen besonderen Tag handelt. Nach dem Gottesdienst lädt man sich gegenseitig zum Kaffee ein. Jeder bekommt Mattak, ein Stück Walspeck eingewickelt in Walfischhaut. Es schmeckt wie Kokosnuss, ist aber zäher. Zu den traditionellen Weihnachtsspeisen zählt auch Kiviak, das rohe Fleisch eines arktischen Vogels, das am Stück in Seehundfell gewickelt und mehrere Monate vergraben wird. Es ist Sitte, dass die Männer die Frauen am Weihnachtsabend bedienen, ihnen Kaffee kochen und servieren. Nach dem Essen werden Spiele gemacht, getanzt und gesungen.

Das neue Jahr wird ähnlich wie bei uns mit einem guten Essen, Feuerwerk, Gesang und Sekt begrüßt. Nur, dass man den Jahreswechsel auf Grönland gleich zweimal feiert: Einmal um 20 Uhr, wenn es Mitternacht in Dänemark ist, und einmal um 24 Uhr grönländischer Zeit.

Inken Dose

Schweden: Julsånger, gutes Essen, Freude und Donald Duck

Vor den eigentlichen Weihnachtstagen feiern die Schweden am 13. Dezember Lucia. Der Lucia-Tag ist für die schwedische Kultur genauso wichtig wie das Feiern des Mittsommerfestes. Und auch die Lucia-Tradition bezieht sich sehr deutlich auf die einst stark bäuerlich geprägten Lebensbedingungen im Norden. Bei Lucia geht es um Kälte und Wärme, Dunkel und Licht, um Gesang und ums Feiern.

In den christlichen Kirchen handelt es sich dabei um den Gedenktag der Heiligen Lucia von Syrakus. Heutzutage hat Lucia aber nicht mehr allzu viel mit der ursprünglichen Lucia gemein. Jede Schule, jeder Betrieb und Verein wählt statt dessen seine ganz eigene Lucia. Sie ist normalerweise ein blondes Mädchen, das mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf und begleitet von den sogenannten Sternenjungen (in weiße Gewänder gekleidete Jungen mit spitzen Papierhüten auf dem Kopf), durch die jeweilige Schule, den Betrieb oder Verein zieht und lussekatter (Lussekrapfen), pepparkakor (Pfefferkuchen), Kaffee und Glögg verteilt. Dazu singen alle besondere Lucialieder. Lucia wird manchmal auch als Lichterfest bezeichnet, da die brennenden Kerzen eine sehr wichtige Rolle spielen. Mit ihrem "Licht im Haar" gilt sie als "Lichtbringerin im dunklen schwedischen Winter".

Die eigentlichen Feiertage laufen ähnlich wie in Deutschland ab. Einen Tag vor Heiligabend schmücken die Schweden den Weihnachtsbaum, eine Tradition, die im 19. Jahrhundert aus Deutschland kam. Unter den Weihnachtsbaum kommen die Geschenke, die am Abend des 24. im Kreise der Familie geöffnet werden. Diese werden vom schwedischen Weihnachtsmann, dem Jultomte verteilt, der ursprünglich ein Wichtelmännchen war, das Haus und Familie beschützte. Der Jultomte trägt einen roten Mantel und einen weißen Bart. Er kommt nicht durch den Kamin, sondern klopft am Nachmittag des 24. an die Tür und bittet um Einlass. Um ihm und seinen Wichteln eine Freude zu machen, stellen viele Schweden eine Schüssel mit Grütze vor die Tür.

Typisch für Weihnachten ist auch das Smörgåsbord – das Weihnachtsbuffet, bei dem viele verschiedene klassische Gerichte aufgetischt werden, die alle eine lange Tradition haben. Dazu gehören unter anderem julskinka (Weihnachtsschinken), inlagd sill (marinierter Hering), köttbullar (Fleischbällchen) oder lutfisk (Stockfisch). Stockfisch isst man z. B. schon seit dem Mittelalter zu Weihnachten, während der Weihnachtsschinken erst seit dem 18. Jahrhundert ein übliches Weihnachtsgericht ist. Zum Essen serviert man Bier, Julmust (eine Art Kräuterlimonade) und natürlich den schwedischen Glühwein Glögg sowie allerlei Plätzchen und Weihnachtssüßigkeiten (julgodis).

Eine etwas neuere Tradition ist das allweihnachtliche Schauen von Donald-Duck-Trickfilmen im Fernsehen, die jedes Jahr am 24. Dezember pünktlich um 15 Uhr gesendet werden. Erst danach beginnt die Familie mit ihren eigenen Feierlichkeiten. Es wird viel gesungen (julsånger – Weihnachtslieder), getanzt und man erzählt sich Weihnachtsmärchen (julsagor), wie etwa "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" von Hans Christian Andersen.

Der erste und zweite Weihnachtsfeiertag sind in Schweden nicht ganz so populär wie in anderen Ländern, weshalb der Großteil der Feierlichkeiten bereits am Heiligabend abläuft. Zu Weihnachten, wenn am 24. nachmittags die Messe (julbön) sowie die traditionelle Mitternachtsmesse (julnattsmässa) und am nächsten Tag morgens in der Zeit von sieben bis acht Uhr ein spezieller Gottesdienst (julotta) abgehalten werden, zieht es immer noch viele Schweden in die Kirche – und zwar unabhängig von der allgemein sinkenden Zahl von Gottesdienstbesuchern.

Anja Mittmann

Nach dem 24. Dezember geht’s richtig los: Norwegische Weihnachten

Auch wenn die Norweger viele Traditionen mit ihren skandinavischen Nachbarn gemein haben, so gibt es doch kleine aber wichtige Unterschiede – auch zu unseren Weihnachtsbräuchen. Das fängt schon beim Weihnachtsmann an. Er heißt hier nicht wie in Schweden Jultomte, sondern wie in Dänemark Julenisse. Dieser wohnt im Stall und spielt den Menschen Streiche, wenn er sich schlecht behandelt fühlt. Um ihn zu besänftigen, stellt man eine Schüssel Milchreis mit Butter, Zucker und Zimt vor die Tür. Auch das Lucia-Fest am 13. Dezember hat in Norwegen keine so große Bedeutung wie in Schweden und Dänemark und wird nur in einigen Schulen gefeiert. In der Adventszeit wird noch nicht geschmückt, sondern erst kurz vor Weihnachten: Erst am lille julaften, also am 23. Dezember, wird schließlich das Haus geschmückt und der Weihnachtsbaum dekoriert.

Vor Weihnachten gibt es in vielen Firmen julebord, die Weihnachtsfeier, mit lutefisk, juleøl und weiteren Spezialitäten. Das Besondere am norwegischen Weihnachtsbaum sind Girlanden mit Mininationalflaggen. Wenn alles fertig ist, sitzt man gern im Kreis der Familie und schaut zusammen "Dinner for one". Am 24. Dezember, dem julaften, gibt es immer noch in vielen Familien Milchreis zum Mittag. Um 17 Uhr geht es zum Weihnachtsgottesdienst in die Kirche. Nach den Geschenken gibt es traditionelle Weihnachtsgerichte wie pinnekjøtt ( gepökelte Lammrippe) mit potetmos (Kartoffelbrei) und kålrabimos (Kohlrübenbrei).

Wenn in anderen Ländern der Zenit der Weihnachtsfeierlichkeiten mit dem Heiligen Abend überschritten wurde, geht es in Norwegen erst richtig los. In der Zeit zwischen den Weihnachtsfeiertagen und Silvester, genannt romjul, besucht man seine Verwandten oder geht zum juletrefest (Weihnachtsbaumfest). Hier trifft man sich bei der Arbeit oder in der Schule, tanzt um den Weihnachtsbaum und trinkt gløgg bzw. julebrus, eine Kinderbrause, die es nur zu Weihnachten gibt. Eine andere Tradition ist julebukk, der Weihnachtsbock. Die Kinder verkleiden sich als nisser (Wichtel) und ziehen von Tür zu Tür, um Weihnachtslieder vorzusingen und im Gegenzug Süßigkeiten zu erhalten. Mit dem nyttårsaften (Silvester) geht auch in Norwegen die Weihnachtzeit zu Ende. God jul!

Skadi Borchert

Weihnachten in Finnland: Nur echt mit Sauna

1927 wurde endlich der streng geheime Wohnsitz des Weihnachtsmanns enttarnt! Nicht am Nordpol, sondern im finnischen Teil Lapplands muss man den dicken Mann suchen. Diese Legende gründet sich auf Markus Rautio. Der nämlich verriet 1927 im finnischen Rundfunk seinen Hörern, dass in der Nähe der samischen Hauptstadt Rovaniemi die Weihnachtswerkstatt liegt. Aber auch ohne solche Anekdoten nimmt Weihnachten für die Finnen einen besonders hohen Stellenwert ein. Trotz der stark christlich geprägten Kultur Finnlands gehen ein Großteil der finnischen Weihnachtstraditionen auf ursprünglich heidnische Riten der vorchristlichen Zeit zurück.

So hält man zum Beispiel auch heute noch an dem Vorgänger des Weihnachtsmanns fest, dem sogenannten Weihnachtsbock. Das ist eine kleine Strohfigur, die zu den Feiertagen aufgestellt wird. Und der finnische Name des Weihnachtsmannes geht auch heute noch auf diesen Bock zurück. Der kleine Ziegenbock hieß joulupukki, und dieser Name wurde und wird in Finnland einfach für den Weihnachtsmann verwendet.

Der joulupukki muss aber nicht allein arbeiten. Er hat zur Unterstützung kleine, ebenfalls rot eingekleidete Helfer, die tonttu. Zusätzlich wurde dem Weihnachtsmann im Laufe der Zeit eine Weihnachtsfrau zur Seite gestellt.

In Finnland verkörpert der rote Mann mehr als nur eine Figur. Während in Deutschland zwischen Väterchen Frost, dem Nikolaus und dem Weihnachtsmann unterschieden wird, finden sich diese drei Figuren alle in dem finnischen Weihnachtsmann wieder. Einen separaten Feiertag für den Nikolaus gibt es in Finnland wahrscheinlich deshalb nicht, weil dieser – am 6. Dezember – mit dem finnischen Unabhängigkeitstag zusammenfallen würde.

In den finnischen Häusern werden traditionsgemäß – wie auch in Deutschland – Weihnachtsbäume aufgestellt. Im Unterschied zu ihren deutschen Vertretern werden die finnischen Bäume aber selbst geschlagen, oft stammen sie aus dem eigenen Wald und sind nicht allzu prächtig geschmückt. Ein alter, heute aber rückläufiger Brauch ist es, den Baum mit Nationalschmuck, wie z. B. finnischen Fähnchen, zu schmücken. Zusätzlich zum Weihnachtsbaum werden kleine Figürchen aus Stroh in der Wohnung verteilt, die himmeli.

Ein traditioneller 24. Dezember wird in Finnland gemeinsam als Familie verbracht. Man beginnt ihn mit dem finnischen Weihnachtsfrühstück, bei dem es Reisbrei mit Rosinen- und Pflaumenmus gibt. Auch hier ist wieder eine einzige Mandel versteckt, die dem Finder im kommenden Jahr besonders viel Glück bescheren soll. Dem Frühstück schließt sich ein Besuch an den Familiengräbern, das gemeinsame Schmücken des Baumes, sowie – wie sollte es anders sein – ein weihnachtlicher Saunagang an. Zu Weihnachten die Sauna zu besuchen ist ein ausgesprochen wichtiger Brauch für die Finnen. Zumal das Jesus-Kind – so glaubt man in Finnland – auch in einer Sauna zur Welt gekommen ist.

Der Weihnachtstag wird durch ein üppiges Weihnachtsessen und die Bescherung beschlossen. Zuvor aber, zur Mittagszeit des 24., wird der berühmte Weihnachtsfrieden in der ehemaligen finnischen Hauptstadt Turku verlesen, der über Fernsehen und Rundfunk im ganzen Land ausgestrahlt wird. Diesem Ereignis wohnt die ganze Familie bei. Nach der Verkündung wird gemeinsam gegessen.

Zum traditionellen Weihnachtsessen gehören Schinken, Steckrüben- und Kartoffelauflauf, Salate aus roten Rüben, Heringen, Kartoffeln und Gewürzgurken. Dazu gibt es selbstgemachtes süßes Roggenbrot mit Gewürzen und selbstgebrautes Bier. Das Essen wird durch Lachs, Lebkuchen, kleine mit Pflaumenmus gefüllte Kuchen und einer nordischen Art des Glühweins der mit Mandelsplittern und Rosinen zusammen getrunken wird, dem glögi, ergänzt. Die traditionelle Hauptspeise ist eingelegter Heilbutt. Dieser Fisch wurde drei bis sieben Tage in einer Lauge belassen, um den beginnenden Zersetzungsprozess zu konservieren. Von vielen Nicht-Finnen wird diese Delikatesse allein wegen ihres Geruchs verschmäht. Nach dem Essen wird beschert. Zuerst werden, dem christlichen Glauben getreu, die Weihnachtsevangelien verlesen, bevor einander die Geschenke überreicht werden. Auch am Abend des 24. Dezember wird in Finnland traditionsgemäß gesungen.

Der 25. Dezember beginnt mit einem Kirchgang und der 26., der Stefanitag, ist der Tag der Verwandtenbesuche.

Susanne Pflügner

Weihnachtswaffeln in Litauen

Weihnachten in Litauen ist ein Fest der Familie und geheimnisvoll anmutender Bräuche und Riten. So wird bei den Feierlichkeiten am Heiligabend sogar an bereits verstorbene Familienmitglieder gedacht, indem man ein oder zwei Plätze extra eindeckt.

Die Feierlichkeiten der Weihnachtszeit ziehen sich teilweise bis zum 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige hin, Höhepunkt ist aber der Heiligabend, der Kucios. Vormittags schmückt die ganze Familie den Weihnachtsbaum mit den für Litauen typischen Strohornamenten und anderen Basteleien. Unter den Baum legt der Weihnachtsmann, der Kaledu Senis, in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag die Geschenke, die dann am Morgen des 25. geöffnet werden. Am Abend zuvor findet das große Weihnachtsessen statt, das genau wie in Polen dann beginnt, wenn der erste Stern am Himmel zu sehen ist. Da der Heiligabend der letzte Tag der Fastenzeit ist, die in der Adventszeit beginnt, fehlen bei diesem Essen aber Fleisch, Milch und Butter. Dennoch gibt es traditionell zwölf Gerichte, die die zwölf Monate des Jahres und die Apostel symbolisieren und ebenfalls Kucios genannt werden. Man glaubt, dass der Heilige Abend entscheidend für das kommende Jahr ist, weshalb es von großer Bedeutung ist, dass man von allen zwölf Gerichten (u. a. Fischgerichte, Mohnsamenmilchsuppe, Kompott und Gemüse) kostet, damit man im nächsten Jahr Glück hat. Lässt man eine Speise aus oder verlässt gar den Tisch, bevor das Essen beendet ist, kann einen im nächsten Jahr ein großes Unglück oder sogar der Tod ereilen – so glaubt man zumindest. Eröffnet wird das Weihnachtsessen nach dem Gebet mit dem Herumreichen einer Weihnachtswaffel, von der sich alle Versammelten ein Stück abbrechen. Diese Weihnachtswaffel ist ein Symbol für Einigkeit und Frieden. Weil man daran glaubt, dass auch verstorbene Familienmitglieder eventuell zu Besuch kommen könnten, lässt man das zu Mitternacht übriggebliebene Essen auf dem Tisch stehen oder stellt es auf eine Fensterbank. Nach dem Weihnachtsessen besuchen die meisten litauischen Familien die Mitternachtsmesse.

Auch der erste und zweite Weihnachtsfeiertag sind der Familie gewidmet, man erzählt sich viele Geschichten und singt. Im Unterschied zum Heiligen Abend darf man nun allerdings auch Fleischgerichte essen. Zugegeben halten sich vor allem die jüngeren Leute in Litauen nicht mehr ganz so streng an die alten Traditionen und auch die Fastenzeit, so dass Weihnachten in manchen Familien nicht mehr allzu streng-gläubig gefeiert wird. Seit einigen Jahren ist es üblich, sich große Geschenke zu machen und dies auch schon am Heiligabend. Diese Bräuche stammen vor allem aus den westlichen Ländern.

Anja Mittmann

Wichtigstes Familienfest in Polen: Platz und Gedeck für unerwartete Gäste

Die eigentliche Weihnachtszeit zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar heißt in Polen Boze Narodzenie (Christi Geburt). Der Heiligabend ist das wichtigste polnische Familienfest. Sobald der erste Stern (Gwiazdka) am Himmel erleuchtet, beginnt die Weihnachtszeit. Vor dem Essen wird aus dem Weihnachtsevangelium vorgelesen und gemeinsam gebetet. Dann werden die Weihnachtsoblaten, große, eckige Backoblaten mit geprägten Bildern, auf den Tisch gestellt. Der Vater bricht für jedes Familienmitglied etwas von diesen oplatek ab. Es ist ein Zeichen dafür, das Leben gemeinsam zu teilen.

Für unerwartete Gäste werden ein extra Gedeck und ein Stuhl freigelassen, was symbolisieren soll, dass jeder im Hause willkommen ist.

Unter einem der Teller ist eine Münze versteckt, die dem Finder Glück bringen soll. Da bis zur Mitternachtsmesse die Fastenzeit andauert, besteht das Essen (Vilia) zum Großteil aus mehreren Fischsorten, darunter meist der Karpfen. Es werden aber auch barszcz (Rote-Beete-Suppe) und selbstgemachte Nudeln mit Honig und Nüssen aufgedeckt. Als Nachtisch gibt es Mohnstriezel und Lebkuchen.

Nach dem Essen werden die Kerzen am Baum entzündet und die Geschenke verteilt. Die Kinder haben die Geschenke St. Nikolaus zu verdanken. Anschließend geht man zur Mitternachtsmesse (Pasterka). Vor der Kirche werden weitere Oblaten mit Freunden und Verwandten geteilt.

Der 25. Dezember ist dann der eigentliche Festtag. Man trifft sich bereits zum Frühstück mit allen Verwandten und feiert bis spät in die Nacht. An diesem Tag bilden aufwendige Fleischgerichte sowie bigos (ein Fleischeintopf mit gegorenem Weißkohl) die Hauptspeisen. Am 6. Januar geht die Weihnachtszeit dann mit dem Haussegen der Heiligen Drei Könige zu Ende.

Kathrin Friedrich

Estland: Heidnische Bräuche und Weihnachtsfrieden

Bevor die christliche Religion übernommen wurde, war Weihnachten in Estland eine Feier der Wintersonnenwende, die zwischen dem 21. und 25. Dezember begangen wurde. Mit ihr sollte der Sonnengott Mithras aufgeweckt werden, damit die Tage länger und die Nächte wieder kürzer werden. Zu den heidnischen Bräuchen gehörte auch, ähnlich wie in Litauen, sieben-, neun- oder zwölfmal in der Weihnachtsnacht zu essen. Die magischen Zahlen und das reichhaltige Essen versprachen dem Glauben nach ein nahrungsreiches Jahr und die Kraft von sieben, neun oder zwölf Männern.

Durch die Übernahme des Christentums kam es zu einer Vermischung von heidnischen und religiösen Bräuchen. Das estnische Wort für Weihnachten, Jõulud, leitet sich von dem skandinavischen Jul ab und weist so ebenfalls einen heidnischen Ursprung auf. Während der sowjetischen Besatzungszeit war das Feiern der Weihnachtszeit in Estland verboten. Heute jedoch wird wieder ausgiebig mit Tannenbaum und alten Bräuchen gefeiert.

Bevor der Weihnachtsmann, Jouluvana, am Heiligen Abend Geschenke bringt, verteilen Gnome als kleine Helfer schon in der Adventszeit Geschenke in Form von Süßigkeiten oder Früchten. Während in Deutschland die Vorweihnachtszeit als besinnliche Zeit gilt, wird in Estland privat oder mit Kollegen bis zum Vorabend des Weihnachtsfestes kräftig mit Punsch gefeiert. Das Weihnachtsfest aber gilt als Familienfest. Am 24. Dezember steht wie in Litauen zu Beginn des Festes die Reinigung: Zusammen mit der Familie geht man in die Sauna, um hinterher gemeinsam ein großes Weihnachtsfestessen mit Verivorst (Blutwurst), Sült (Kopfsülze), Braten oder Gans, Kartoffeln und Roggenbrot zu genießen. Anschließend bringt der Weihnachtsmann die Geschenke. Sollte er verhindert sein, springen die Päkapikks, kleine Wichtel und Gehilfen, ein, die für die Herausgabe der Geschenke allerdings ein Lied oder Gedicht einfordern.

In Estland gibt es noch eine weitere Besonderheit: Jedes Jahr am 24. Dezember erklärt der Präsident den Weihnachtsfrieden und nimmt in Tallinn an einem Gottesdienst teil. Dieser Brauch geht zurück auf eine 350 Jahre alte Tradition, die im 17. Jahrhundert auf Geheiß der Königin Kristina von Schweden eingeführt wurde. Rõõmsaid Jõulupühi! – Frohe Weihnachten!

Inken Dose

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