Datenschutzerklärung   Kontakt/Impressum  Suche       Druckansicht
   

Olafur Eliasson macht das Bühnenbild für Hans Werner Henzes „Phaedra“ in der Staatsoper Berlin

Der international renommierte in Dänemark geborene Künstler Olafur Eliasson ist bekannt für seine Spiegel- und Labyrinthräume. Nun macht der 40jährige zum ersten Mal das Bühnenbild für eine Oper. Gemeinsam mit dem Regisseur Peter Mussbach arbeitet er seit ungefähr einem Jahr an der Umsetzung von Hans Werner Henzes jüngstem Werk: die Konzertoper „Phaedra“, die im Auftrag verschiedener deutscher Opernhäuser entstanden ist und am 6. September in der Berliner Staatsoper uraufgeführt wird.

Als Ausgangspunkt ihrer Interpretation benennen Eliasson und Mussbach den Begriff der Konzertoper, den sie als Kompilation von Hören und Sehen, von Musik und Szene verstehen. Beiden Elementen wollen sie Raum geben, sie aber immer wieder auch gegeneinander ausspielen. Das Auge soll das Ohr irritieren und das Ohr das Auge. Mussbach hat mit Eliasson einen Künstler in das Projekt integriert, der diese Verunsicherungen von Wahrnehmung in vielen seiner Werke reflektiert. In der Inszenierung wird die Trennung von Hören und Sehen zunächst ganz einfach räumlich umgesetzt. Das Orchester, bestehend aus etwa 26 Musikern des virtuosen, in der Aufführung moderner Musik versierten „Ensemble modern“, sitzt nicht im Orchestergraben, sondern hinter den Zuschauern im Parkett. Auch die Sänger befinden sich anfangs außerhalb der gewohnten Sichtachse und bewegen sich, vor allem im ersten Teil des Stücks, hauptsächlich auf einem Laufsteg, der durch den Zuschauerraum zur Bühne führt. Der zweite Teil, der im Gegensatz zum ersten Teil nicht in der Götter-, sondern der Menschenwelt spielt, verlagert das Geschehen auf die Bühne. Der Bühnenraum bleibt allerdings auch hier oft weitgehend leer und wird auf wenige Requisiten reduziert. Zentral stehen die Kunstobjekte Eliassons: große Spiegelkaleidoskope, in denen nicht nur die Sänger und Musiker tausendfach gebrochen werden, sondern in denen sich auch die Zuschauer spiegeln. Diese können dadurch sich selbst und die anderen Zuschauer während der Vorstellung betrachten und, so die Intention der Inszenierung, den Akt der Wahrnehmung kritisch reflektieren.


Im Werkstattgespräch in seinem Berliner Atelier, das, in den Brachen hinter dem Hamburger Bahnhof gelegen ein schönes Gegengewicht zum intakten Operngehäuse Unter den Linden bildet, stellt Eliasson dar, dass es ihm jedoch nicht nur um eine Infragestellung sinnlicher Wahrnehmung, sondern um eine Problematisierung der Institution Oper schlechthin gehe. Der Laufsteg verbindet also nicht nur Bühne und Orchester, sondern durchbricht auch den Zuschauerraum. Die starre Anordnung des auf seinem Platz festgezurrten, nach vorne ausgerichteten Zuschauers wird so aufgehoben und die Distanz zum Zuschauer reduziert. Neben der, auch von Mussbach intendierten Evokation einer introspektiven Zuschauerhaltung will Eliasson das Medium Oper kontextualisieren. Es geht ihm um die Profanierung des Mythos Oper. Sein eigener Lernprozess bestand darin, das reichhaltige Angebot der Opernbühne an Effekten, Möglichkeiten und Tricks zu reduzieren und auf ein Minimum an Ausstattung zu beschränken. Ergebnis ist ein oft dunkler Bühnenraum, in dessen Mitte Eliassons Kunstwerke zu sehen sind, so z. B. die Hyppolit-Maschine, in der im zweiten Teil des Stücks, den der Librettist Christian Lehnert den Ovidschen Metamorphosen entlehnt, der geschundene Körper Hyppolits tausendfach fragmentiert und schließlich von Artemis wieder zusammengefügt wird.

Den Zuschauer erwartet, wie der musikalische Leiter des Stücks, Michael Boder, formuliert, ein Gesamtkunstwerk. Uraufgeführt wird nämlich nicht nur Henzes Werk, das nach seiner schweren Erkrankung im vergangenen Jahr eine besondere Tiefe und Feinheit erhalten hat, sondern auch Eliassons Spiegelkunst. Man kann also höchst gespannt sein auf den Zusammenprall von Oper und moderner Kunst.

Text: Constanze Gestrich

Phaedra“

Konzertoper von Hans Werner Henze
Libretto von Christian Lehnert
Uraufführung am 6. September 2007 in der Staatsoper unter den Linden, Berlin
Koproduktion mit dem Théatre Royal de la Monnaie Bruxelles, den Wiener Festwochen, der Alten Oper Frankfurt und dem Musikfest Berlin

Musikalische Leitung: Michael Boder
Inszenierung: Peter Mussbach
Raumkonzept: Olafur Eliasson
Dramaturgie: Jens Schroth
Mit: Maria Riccarda Wesseling (Phaedra), Marlis Petersen (Aphrodite), John Mark Ainsley (Hippolyt) u.a.
Unter Mitwirkung des Ensemble Modern

Unsere aktuellen Veranstaltungen

Oktober - 2020
M D M D F S S
  01 02 03 04
05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24
26 27 28 29 30 31  

Keine News in dieser Ansicht.

Logo des Kulturhus Berlin e.V. KULTURHUS BERLIN | Tel (Mo-Mi/Fr): +49.(0)30.2093-4952 | Email: info (at) kulturhus-berlin.de