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Kleine Bevölkerungsexplosion südlich des Nordpols
Die Schule in Longyearbyen, Foto: The Norwegian Barents Secretariat www.barentsphoto.com

Von Frank Warmbrodt

Zehn Jahre sind schon vergangen, seit die letzte Svalbard-Meldung der norwegischen Regierung dem Parlament vorgelegt wurde. In diesen zehn Jahren hat sich vieles verändert, man spricht von einem Babyboom auf der arktischen Inselgruppe.

Es ist kalt in Longyearbyen, die Durchschnittstemperatur klettert selten über 6,5 Grad im wärmsten Monat Juli. Das Klima macht den Menschen auf der schneebedeckten Inselgruppe im Alltag zu schaffen, z. B. können Rohre nicht verlegt werden aufgrund des ständigen Permafrostes. Trotz allen Widrigkeiten klettern jedoch die Immobilienpreise, und die Kindergärten sind voll belegt.

Bis 1970 wurde die gesamte Infrastruktur, von Geschäften bis zum Krankenhaus, von der Bergbaugesellschaft Store Norske Kullkompani betrieben. 1975 erklärte man, dass Longyearbyen eine Transformation von einer „Company Town“ zur Normalgesellschaft durchlaufen, aber keine Lebenslaufgesellschaft werden solle. Die Hebamme in Longyearbyen darf den neuen Gesellschaftsmitgliedern nicht auf Svalbard auf die Welt helfen, Arbeitslose dürfen nicht vom Festland nach Svalbard ziehen und dort ihr Tagesgeld beziehen, und Menschen, die Drogen mit auf die Inselgruppe nehmen, können von der Insel verwiesen werden. Auch in der neuen Svalbard-Meldung wird hervorgehoben, dass man eine Familiengesellschaft wünsche, aber keine Lebenslaufgesellschaft. Auf Svalbard darf man eigentlich nicht alt werden. Jung darf man dagegen sein, und viele folgen dieser unausgesprochenen Aufforderung. In der Svalbard-Meldung von 1999 steht: „…die Gesellschaft muss eine Größe und eine soziale Struktur haben, die es für alle Gruppen attraktiv macht in Longyearbyen zu wohnen...“ Sie insistiert aber auch: „ Die Bevölkerungszahl sollte nicht das heutigen Niveau überschreiten …“ Longyearbyen ist dennoch sehr beliebt, und seitdem haben sich weitere 700 Menschen der Gesellschaft in Longyearbyen angeschlossen. Alle vier Kindergärten sind voll belegt, während 15 Kinder auf der Warteliste stehen. In zehn Jahren wuchs die Bevölkerung von 1396 auf 2100 Einwohner.

 

Forschung auf Svalbard, Foto: The Norwegian Barents Secretariat
Tourismus wird immer wichtiger für die Region Foto: The Norwegian Barents Secretariat

Kohle, Tourismus und Forschung

Früher wohnten auf der Inselgruppe nur wenige Menschen. Es war eine von Männern dominierte Bergbaugesellschaft. 1920 erhielt Norwegen das Verwaltungsrecht über Svalbard, aber Einwohner der Nationen, die den Spitzbergenvertrag unterschrieben hatten, konnten auf Svalbard wohnen und arbeiten, wie die Norweger. Der Kohlebergbau war früher das Fundament der norwegischen und russischen Siedlungen. Heute ist die Inselgruppe ein beliebtes Touristenziel geworden, hat ihre eigene Universität und ein weltberühmtes Saatgutlager. Seitdem die Eisschmelze das Symbol für die allgemeine globale Erwärmung geworden ist, besuchen immer mehr internationale Gäste die Inselgruppe, um sich zu informieren. Gleichzeitig verschieben sich die Fischereiaktivitäten weiter nordwärts, und das Wettrennen um die Ressourcen in den arktischen Gebieten ist längst im Gange.

Die Regierung Norwegens legt besonderen Wert auf Svalbard als Basisstation für Klimaforschung, Rettungsaktionen und Umweltschutz-Bereitschaft. Die bereits vorhandene Infrastruktur ist ein guter Ausgangspunkt für die Erweiterung der Aktivitäten im hohen Norden, mit denen aber auch die Erwartungen an die öffentlichen Leistungen steigen. Die lokale Zeitung schreibt, dass die Menschen sich einen Psychologen und Schwangerschaftsgymnastik wünschen. Die Jugend möchte gerne einen Fußballplatz mit Kunstrasen, und die Erwachsenen wünschen sich weiterhin niedrige Steuern und Kindergartenplätze. Babymassage, Babyschwimmen und Krabbelgruppen in der Bibliothek gibt es schon, auch Babysingen hat man organisiert. Die jungen Familien fühlen sich in Longyearbyen wohl, und der Zeitung Aftenposten berichten sie, dass sie die morgendlichen Staus nicht vermissen. Sie mögen das einfache Leben hier oben im hohen Norden.

Frank Warmbrodt ist Mitarbeiter der Norwegischen Botschaft in Berlin

 

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