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Kopenhagen ist nicht out!

Bernd Henningsen, Leiter des Berliner Nordeuropa-Instituts, kritisiert Limbachs Kürzungspläne

Mit einer deutlichen Kritik hat der Leiter des Nordeuropa-Instituts an der Berliner Humboldt-Universität, Bernd Hennigsen, auf die Kürzungspläne für das Kopenhagener Goethe-Institut reagiert (wir berichteten im April und Mai). In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung für Deutschland vom 18. Mai schreibt Hennigsen: „Die Tendenz ist seit Jahren erkennbar: Auf Island wurde Goethe schon vor Jahren dichtgemacht, in Stockholm sind die Projektmittel des GI seit 2003 um 50 Prozent (in Worten: fünfzig) gekürzt worden; Goethe-Filialen außerhalb der Hauptstädte dieser Länder sind sukzessive geschlossen worden. Die Goethe-Stabsstelle für die nordeuropäische Programmplanung wird von der Repräsentanz in London wahrgenommen. Kopenhagen ist out, Schanghai ist angesagt.“ Deutsche Kulturarbeit im europäischen Ausland sei zu „einer mit beschränkten Aktivitäten geworden“, kritisiert Hennigsen weiter. Der Autor sieht einen Zusammenhang zwischen deutschem „Desinteresse an der Kulturarbeit im westlichen und europäischen Ausland“ und einem „rapide abnehmendem Interesse an deutscher Kultur und Sprache“ in diesen Ländern. So sei die Nachfrage nach Deutschunterricht an schwedischen Schulen und Universitäten dramatisch gesunken, nachdem es in Wendezeiten eine gesteigerte Nachfrage gegeben habe. Deutsch sei in Schweden einst die führende Wissenschaftssprache gewesen. Heute hingegen: „Deutsch wird abgewählt – mit katastrophalen Auswirkungen in einem durch und durch ökonomisierten Ausbildungssystem, in dem die Universitäten ihre Mittel nach der Zahl der Studierenden erhalten.“ Mit Blick auf die drohende Schließung des Kopenhagener Goethe-Instituts fragt Hennigsen: „Kann es sein, daß der Rückzug etwas zu tun hat mit der hegemonialen Arroganz aufgrund der wiedergewonnenen Größe des Landes? Die Behandlung der baltischen Staaten nach der Wiedererlangung ihrer Souveränität ist in diesem Zusammenhang ein besonders markantes Beispiel. Wir Deutsche sind uns im Zentrum Europas selbst genug. Die Nachbarn interessieren uns nicht mehr sonderlich, und ihr Interesse an uns ist uns ziemlich gleichgültig. (...) Deutsche Kulturarbeit im Ausland soll – folgt man der Vision von Goethe-Chefin Jutta Limbach – den Barbaren in Übersee den German way of life, die deutsche Demokratiefähigkeit, zur eigenen Verwendung vorführen und das natürlich in englischer Sprache. Imperialer haben die Imperialisten ihre auswärtige Politik auch am Ende des neunzehnten Jahrhunderts nicht gedacht.“ Damit, so Hennigsen, werde Kulturarbeit funktionalisiert, der „imperiale Anspruch des Eurozentrismus“ wieder und weiter belebt. „Mit einer so gestrickten auswärtigen Kulturpolitik wird die deutsche Kulturarbeit ihre Reputation verlieren. Als Präsidentin des Goethe-Institutes ist Frau Limbach zusammen mit ihrem Generalsekretär bereits in die innere Kündigung gegangen. Sie widerspricht den finanziellen Drangsalierungen nicht, sondern akzeptiert sie als inhaltliche und konzeptionelle Notwendigkeit. Als Interessenvertreterin ist sie gescheitert. Wieviel leichter hätten es doch unsere Politiker mit Bauernverbandspräsidenten von diesem Zuschnitt.“

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