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Finnland feiert die Unabhängigkeit

Am 6. Dezember begeht Finnland den 90. Jahrestag seiner staatlichen Souveränität. Was genau ist damals vor 90 Jahren passiert? René Nyberg, Botschafter von Finnland in Deutschland erklärt das Ereignis und beleuchtet die historischen Hintergründe: „Das Bestreben, in Russland eine Revolution zustande zu bringen, war ein Kriegsziel des kaiserlichen Deutschlands. Russland – ebenso wie Frankreich – sollten dauerhaft geschwächt werden. Hieraus entstand, um den deutschen Publizisten und Historiker Sebastian Haffner zu zitieren, der „Teufelspakt” mit Lenin. Das Endergebnis ist bekannt: die Zerstörung des russischen Zarenreichs und des deutschen Kaiserreichs im Strudel der Revolution.“ Dabei wurde auch Finnland frei und erlangte seine Unabhängigkeit, geriet jedoch in den Bürgerkrieg, bei dem Deutschland die „weiße” Regierung Finnlands unterstützte. „Den Kern des Offizierskorps der Weißen Armee Finnlands bildeten die sogenannten Jäger, die seit 1914 ihre militärische Ausbildung in Deutschland erhalten hatten. Die durch den Bürgerkrieg erschütterte, aber dankbare Regierung Finnlands bat den Sohn Kaiser Wilhelms des II., König von Finnland zu werden. Schließlich wurde der Schwager des Kaisers, Friedrich Karl Prinz von Hessen, zum König gewählt.“ Das finnische „Königsabenteuer”, so Nyberg, blieb jedoch nur eine Episode, die mit der Niederlage Deutschlands im November 1918 endete. „Finnland schlug wieder den Weg zu einer Republik ein und begann, die Demokratie in dem vom Bürgerkrieg gespalteten Land aufzubauen.“ Bis dahin aber war Finnland vollständig vom zaristischen Russland abhängig. Eine Ständegesellschaft, die der gesellschaftlichen Entwicklung in Europa stark hinterherhinkte.

Marjaliisa Hentila leitet das Finnland-Institut in Deutschland. Sie sagt: "Finnland litt unter den russischen Repressionen und Unterdrückungen. Es war schwer, finnisch zu sprechen, das Parlament war abhängig vom Zaren - der Gesetze regelmäßig ablehnte und Erneuerungen nicht zuließ. Der revolutionäre Geist aus Russland ging damals auch auf Finnland über. Es gab viele landlose Arbeiter auf dem Land, die Armut spitzte sich zu, und die Arbeiterbewegung radikalisierte sich. Man wollte ein unabhängiges Finnland." Gerade unter den Arbeitern, in der Arbeiterbewegung, die in Finnland sehr stark war, habe dieser Gedanke eine wichtige Rolle gespielt. "Gleich nach der Revolution war Rußland das erste Land, das die Unabhängigkeit Finnlands anerkannte. Für uns begann damit eine gute Zeit: Finnland entwickelte die Sozialgesetzgebung, es wurden gesetzliche Arbeitszeiten, der 8-Stunden-Arbeitstag eingeführt, man begann mit sozialen Reformen, und das Parlament hat überhaupt erst richtig arbeiten können." Entwickelt habe sich damals eine sehr ausgeprägte finnische nationale Identität. Und heute? Wie sieht es aus, erinnern sich die Finnen überhaupt noch dieses Ereignisses von vor 90 Jahren? „Aber ja. Dieser Tag wird jedes Jahr gefeiert. Finnland ist eine Ausnahme in Europa. Wo sonst gibt es eine so lange demokratische Tradition? Das Frauenwahlrecht wurde in Finnland zuerst eingeführt. Und wir existieren immerhin neben einem so riesigen Land, unabhängig und haben mit eigenen Kräften unsere Selbstverantwortung bewahren können. Wir wissen das, und wir sind sehr stolz darauf.“

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