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Der Regisseur Ole Christian Madsen über seinen Film
© WÜSTE Film Foto: Britta Krehl

Bereits im Frühjahr 1943 wurde Citron Mitglied einer der ersten dänischen Widerstandsgruppen. Seinen Beinamen hatte er bekommen, weil er zuvor kurzzeitig in einer Fabrik von Citroën gearbeitet hatte, in der Autos für die deutschen Besatzer gebaut wurden.

Diesen kippte er heimlich Zucker in den Tank oder entfernte entscheidende Teile des Motors. Letzten Endes steckte er die Fabrik sogar in Brand.

Citron war ein sensibler, humorvoller Mensch, der von einer Arbeit an Theatern und Varietés träumte und sich zwischen Schauspielern und Bohemiens wohl fühlte. Er war ein sympathischer Kerl, doch unter der Oberfläche brodelte eine unterdrückte Wut über den Einmarsch der Deutschen und die Besatzung. Eine Wut, die ihn völlig aus der Fassung bringen konnte, manche fürchteten sich geradezu vor ihm.

Bei Flame war es anders. Sein Zorn rührte nicht allein vom Einmarsch her. Er hatte eine verbissene antifaschistische Haltung, verabscheute die ganze Idee des Nationalsozialismus. Vor dem Einmarsch hatte er einige Zeit in Deutschland verbracht und dabei die nationalsozialistische Psychose der Deutschen aus nächster Nähe erlebt. Seine Familie war nicht allgemein gegen die Deutschen, sie bewunderte sogar die deutsche Kultur, Sympathien für den Nationalsozialismus hegte sie jedoch nicht. Flame war immer schon ein wilder Junge, der sich in seiner Kindheit auch von seinem Vater nicht bändigen ließ. Als er neun Jahre alt war, kam er mit seiner ersten Winchester nach Hause. Als junger Mann war er höflich und freundlich, redete nicht viel, aber man mochte ihn, wo immer er auftauchte. Er war ein glänzender Koch, ein Weinkenner und wusste alles über Etikette.

Und er traf immer das Ziel. Kurzzeitig diente er in der dänischen Flotte, wurde dort 1941 Schütze des Jahres. Während des Krieges entstanden richtiggehende Mythen über seine Treffsicherheit: Geschichten über deutsche Flugzeuge, die er mit dem Maschinengewehr heruntergeschossen haben soll; oder über Gruppen deutscher Gestapo-Angehöriger, die er mit einer Pistole vom Fahrrad aus erschossen hatte. Es gab unverkennbar Bedarf an einem Helden. Unterstützt wurde der Mythos Flame dadurch, dass er so gut wie nie Angst zeigte. Als er in den inneren Kreis der Widerstandsgruppe von Holger Danske eintrat und als Sabotagewache eingeteilt wurde, muss er gegenüber den Fabrikwachen eine beeindruckende Autorität und Sicherheit vermittelt haben.

Dieser freundliche, in sich gekehrte Junge.

Das Nationale und das Antifaschistische. Zwei verschiedene ideologische Ansätze, die kennzeichnend für ganz Europa waren. Die antifaschistische Strömung hatte z. B. einige Jahre zuvor Tausende aus ganz Europa nach Spanien geführt, um gegen Franco zu kämpfen. Wenn man wie diese Menschen oder wie Flame und Citron den Faschisten oder den nationalsozialistischen Aggressoren den Krieg erklärte, dann geschah dies entweder aus der Motivation heraus, dass man sich nicht mit dem allgemein vorherrschenden Pragmatismus arrangieren wollte. Oder weil man sich nicht seiner Angst unterordnen wollte.

Der 23jährige Flame und der 33jährige Citron entschieden sich dafür, den Kampf aufzunehmen, um die Freiheit ihres Landes für spätere Generationen zu sichern. Sie haben frühzeitig eine klare Wahl getroffen.

Viele werden sich sicherlich schon einmal selbst gefragt haben, was sie in einer vergleichbaren Situation tun würden. Das Richtige, das Heroische? Oder würden sie die Umstände akzeptieren, d.h. im Falle der Besatzung Dänemarks versuchen, die Idee des Nationalsozialismus zu verstehen und die Besatzungszeit als Möglichkeit zu sehen, den eigenen Profit daraus zu ziehen?

Der Krieg stellt uns vor eine schwierige Wahl. Egal, welche Entscheidung man trifft und wie weitreichend sie ist, man muss damit leben und später Rechenschaft darüber ablegen.

Mein Film TAGE DES ZORNS handelt von den unterschiedlichen Haltungen, die man zum Krieg einnehmen kann. Von den Entscheidungen, die man dabei treffen kann. Primär zeigt er dabei natürlich die Wenigen, deren Entscheidungen und Handlungen etwas bewirkten. Mein Film erzählt, wie diese Leute lebten. Er erzählt vom Untergrundkrieg und davon, was es heißt, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen. Und er erzählt davon, unsichtbare Grenzen zu überschreiten – und einen hohen Preis dafür zu zahlen.

Ole Christian Madsen

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