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Florian Vollmers

KULTURHUS BERLIN:Herzlichen Glückwunsch zum Besucherrekord dieses Jahr! Wie kommt es, dass das Interesse an Skandinavien und skandinavischen Filmen von Jahr zu Jahr steigt?

Florian Vollmers: Dafür gibt es aus unserer Sicht drei Gründe: Erstens liefern die skandinavischen Filmländer Produktionen von erheblicher künstlerischer Qualität ab, die zugleich ein gutes Gespür für den Massengeschmack aufweisen: Die Skandinavier wissen einfach, wie man gutes Kino macht. Zweitens haben sich auch die Nordischen Filmtage Lübeck als Festival verbessert. In den vergangenen zehn Jahren sind wir vom Nischenfestival zum großen Publikumsfestival aufgestiegen, das eine hervorragende Öffentlichkeitsarbeit leistet und auch mehr und mehr Branchenvertreter nach Lübeck lockt. Man muss aber auch drittens einfach mal sagen, dass das Interesse der Lübecker und der angereisten Filmfans schon immer enorm war - viel herzlicher und intensiver als auf anderen Festivals. Das Herz der Nordischen Filmtage sind ihre treuen Fans.

KULTURHUS BERLIN: Gibt es Pläne, das Festival auszuweiten oder ist vielleicht sogar schon eine Alternative zu Lübeck im Gespräch?

Florian Vollmers: Die Nordischen Filmtage sind zwar ein kulturelles Highlight Norddeutschlands, aber noch stärker sind sie fester Bestandteil des Lübecker Kulturkalenders. Das Festival ist seit 1956 fest mit Lübeck verbunden und wird das auch meiner Einschätzung nach bleiben. Im Jahr 2006 wurden die Filmtage von vier auf fünf Tage ausgeweitet. Mit dem abschließenden Sonntag wurde ein "Publikumstag" eingeführt, um der großen Nachfrage gerecht zu werden. Pläne, das Festival weiter auszuweiten, gibt es bislang nicht. Wir müssen auch aufpassen, dass die familiäre, gemütliche Atmosphäre, für die die Nordischen Filmtage Lübeck geschätzt werden, nicht zerstört wird.

KULTURHUS BERLIN: Welche thematischen Schwerpunkte sind in Zukunft geplant?

Florian Vollmers: Die thematischen Schwerpunkte werden wie gewohnt bei den besten und interessantesten Filmneuerungen aus Skandinavien, dem Baltikum und aus Norddeutschland liegen. Die künstlerische Leiterin Linde Fröhlich legt dabei großen Wert auf eine gute Mischung aus Publikumsrennern und skurrilen Außenseitern, reifen Werken bekannter Altmeister und frischen Erstlingsfilme von Newcomern. Immer mit wechselndem Thema präsentiert sich natürlich die Retrospektive. Worum es 2011 geht, wird aber jetzt noch nicht verraten.

KULTURHUS BERLIN: Viele beliebte Filme, die auf den Filmtagen gezeigt werden, sind in Deutschland leider gar nicht erhältlich. Wäre es nicht für Produzenten interessant, diesen Umstand zu ändern?

Florian Vollmers: Die Nordischen Filmtage Lübeck hatten schon immer diese Schaufenster-Funktion, die häufig dazu geführt hat, dass beliebte Filme aus dem Norden aufgekauft wurden - für eine Kinoauswertung, eine Fernsehausstrahlung oder für den DVD-Markt. Um dies zu fördern und um nordische Filme für den deutschen Markt zugänglich zu machen, haben wir ja im vergangenen Jahr den neuen Filmmarkt geschaffen, auf dem Rechtekäufer neue Filme aus Skandinavien sichten können und der sehr gut angekommen ist.

KULTURHUS BERLIN: Hat das Festival die Folgen der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr zu spüren bekommen? Gibt es Sparzwänge?

Florian Vollmers: Ja, auch die Nordischen Filmtage haben eine Kürzung der Fördermittel erlebt. In diesen schwierigen Zeiten haben wir uns dazu entschieden, uns ganz klar auf unsere Kernkompetenz zu konzentrieren. Und das ist die Schaufensterfunktion als bedeutendste Plattform des Nordischen Films, mit den Kinofans und der Filmbranche als Zielpublikum. Das Filmprogramm wurde deshalb in diesem Jahr im gleichen Umfang wie 2009 präsentiert. Gekürzt wurden lediglich einige Rahmenveranstaltungen.

KULTURHUS BERLIN: Was kann das internationale vom skandinavischen Kino lernen?

Florian Vollmers: Den skandinavischen Filmemachern gelingt häufiger der Spagat zwischen regionalem Charakter und internationaler Verständlichkeit. Viele Filme aus Skandinavien sind Literaturverfilmungen heimischer Nationalliteratur oder beziehen sich auf ganz spezifische Themen und Probleme des jeweiligen Landes. Zugleich sind diese Filme international attraktiv, weil sie zugleich eine universelle Dimension ansprechen und die Menschen in vielen anderen Ländern auch begeistern können. Dafür ist unser Hauptgewinner in diesem Jahr, Pernilla Augusts "Der Schweinestall", das beste Beispiel.

KULTURHUS BERLIN: Woher kommt Ihr persönliches Interesse an skandinavischen Filmen?

Florian Vollmers: Schon seit meiner Kindheit fasziniert mich die Kultur und Gesellschaft Dänemarks - diese merkwürdige Mischung aus Innovationskraft und neugieriger Offenheit, aber auch provinzieller Engstirnigkeit und Minderwertigkeitsgefühl. Als ich Filmwissenschaften studierte, habe ich mich intensiv mit der dänischen Filmgeschichte auseinandergesetzt und zum Beispiel die Darstellung der deutschen Okkupation Dänemarks im Kino aufgearbeitet. Seitdem lässt mich der dänische und skandinavische Film nicht mehr los.

Das Interview führte Evelyn Hartmann im Oktober 2010

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