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Skurrile Schönheit
Fotoquelle: Kari Aasen

Skurrile Schönheit. Norwegisch-Deutsche Ausstellung in Friedrichshain

In ihrer aktuellen Ausstellung präsentiert die "Galleri Heike Arndt DK" zum ersten Mal zwei Künstlerinnen aus Norwegen. Karina Herteig und Kari Aasen setzen die Reihe "Skulptur und Installation" fort, die zu Beginn der Herbstsaison mit dem deutschen Bildhauer Henry Stöcker begonnen wurde. Ergänzt werden die Kunstwerke der Norwegerinnen durch Fotokollagen des deutschen Künstlers Stephan Groß.´

Die Arbeiten von Karina Herteig zeichnen sich durch außerordentliche Materialvielfalt aus. Ihre Aufstellung von Hausminiaturen besteht aus rund zwanzig Häusern mit jeweils anderen Materialien, wobei die Größe und Form der Häuser minimal variiert. Durch die Anordnung der Installation – man schaut von oben auf die Häuser – ergibt sich der Eindruck, man schaue auf eine Stadt in Miniaturformat. Dabei kann man rätseln, worauf das Baumaterial der Häuser schließen lässt: Auf die Eigenschaften ihrer "Bewohner"? Oder auf den Zweck des Hauses selbst? Warm und gemütlich lebt es sich in einem Holzhaus, dafür halten an einem anderen kalte, spitze Nägel ungebetene Besucher ab. Materialien wie Alufolie, Glas, Papier und Stoff lassen den Interpretationen weiteren Raum. Herteigs Reisen nach Asien, die ihre Kunst unverkennbar geprägt haben, zeigen eine weitere Komponente ihres experimentellen Schaffens. Die Wand-Skulpturen "Sirisser, mønter, rød, guld" zeigen Körper, die allein durch die Anordnung ihrer Aufhängung und Farbkombination ästhetisch wirkt. Es sind dickbauchige Skulpturen aus glattem Material, die ein wenig an Kokons von Schmetterlingen erinnern. Bei genauerem Hinsehen lässt sich unter anderem die feine Modellierung einer Frau ausmachen.

Die zweite in der Galerie gezeigte Künstlerin, Kari Aasen, eine der wichtigsten zeitgenössischen Keramikerinnen Norwegens, wurde im September mit dem Silberpreis GICB 2011 in Korea ausgezeichnet. Ihre Anordnungen von feinen, in Gips getauchten Blumen, Blüten und Blättern wirken wie Abbildungen aus alten Naturkundebüchern. Sie bergen jedoch fast schon poetische Assoziationen: Hinter dem Glas von "Liten Corpus" (2009) könnten feine Knochen eines unbekannten Lebewesens, fragile Muscheln oder fremde Pflanzenarten dargestellt sein.

Ergänzt werden die ausgestellten Werke durch Fotokollagen des deutschen Künstlers Stephan Groß. Seine eigenwilligen Arbeiten muten zunächst etwas gewöhnungsbedürftig zwischen den fragilen Kunstwerken Aasens und den feinen Formen von Herteigs Skulpturen an. Jedoch bergen sie eine skurrile Schönheit und öffnen durch ihre Darstellung verschiedener Wirklichkeiten den Blick des Betrachters. Seine Arbeiten, die keinen Titel besitzen, zeigen vermeintliche Gegensätze: Tanzende Frauen in weißen Ballkleidern neben Puten mit roten, abgeschorenen Köpfen und Hälsen. Seine Zusammenstellungen wirken zuweilen grausam, und trotzdem wird man neugierig und will die Geschichte hinter den Bildern ergründen. Auf einer Kollage liegt ein verletzter Junge auf einem Krankenlager auf dem Boden, neben ihm leblose Flamingos, die in schwarzem Öl zu schwimmen scheinen. Auf welche – gegenwärtigen – gesellschaftlichen Zustände auch hingewiesen werden soll, die Zusammenstellung befremdet und löst doch einen Impuls von Nachdenklichkeit und einem leisen Grauen aus, das noch lange nach dem Ausstellungsbesuch nachhallt.

Die Galerie, die von der in Deutschland geborenen Künstlerin Heike Arndt gegründet wurde, will einen Raum für skandinavische und deutsche Künstler bieten, die überwiegend in Deutschland leben und arbeiten. Die aktuelle Ausstellung ist noch bis zum 20. November 2011 zu sehen.

Karina Wolfsdorff

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