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Berik

Eine Welt aus Geräusch

Berik ist die Geschichte eines kasachischen Mannes, der Opfer sowjetischer Atomtests wurde. Hautwucherungen verdecken große Teile seines Gesichtes, er ist blind und seine einzige Leidenschaft ist die Musik. Sein Schicksal ist bereits aus verschiedenen Medien bekannt, doch der Regisseur und Drehbuchautor Daniel Joseph Borgman beschäftigt sich in seinem Kurzfilm das erste Mal auf fiktiver Ebene mit diesem Material.

Borgman erzählt eine Geschichte, wie sie so in Beriks Leben passieren könnte. Doch wohlbemerkt: könnte. Ohne den Anspruch eines Dokumentarfilmes führt er den Zuschauer mit der Geschichte über Berik und den Nachbarsjungen Adil spielerisch an das heran, was Beriks Leben ausmacht: Geräusche. Seien es Musik, Menschen die verstummen, wenn sie ihn sehen oder die einfachen Geräusche des Alltags. Kinderlachen, ein Rasierer, Schritte auf dem Flur, die Klingel.

Berik verbringt die meiste Zeit des Tages in seiner Wohnung, hört Musik und spielt auf seinem Keyboard nach, was er hört. Als er draußen auf dem Hausflur Adils Ball hört, beginnt die Geschichte einer Freundschaft. Nur langsam beginnt der 11jährige Adil zu verstehen, worum es in Beriks Leben geht, doch letzten Endes finden sich zwei Menschen, die auf ihre eigene Weise von der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Der Junge versteht, dass Berik, mit seinem monströsen Gesicht auch nur ein Mensch ist. Diese Erkenntnis als Moral der Geschichte wirkt zwar isoliert betrachtet etwas überholt und pathetisch, aber die Stärken des Kurzfilms liegen an anderer Stelle.

Borgmans Geschichte bildet nur einen winzigen Augenblick aus Beriks Leben ab, scheint aber doch als ein Pars pro toto für das zu stehen, was Berik jeden Tag (nicht) erlebt. Denn es sind keine großen Ereignisse, die ihm widerfahren, es sind die kleinen Geschichten, die sich zu einem Ganzen zusammenfügen und sein Leben ausmachen.
Der Film besticht daher weniger durch eine komplexe Geschichte als durch die beeindruckende Geräuschkulisse. Schon die erste Szene lässt den Zuschauer gebannt aufhorchen und -schauen. Berik bei der Morgenrasur. Das scharfe Rasiermesser auf der furchigen Haut des blinden Mannes. Der Rasierer im Wasser. Und dies alles in einer Intensität, wie sie normalerweise nur ein Blinder wahrnehmen würde. Schnell begreift der Zuschauer, wie Berik, der Mann aus dem kasachischen Dorf Semiplatinsk, seine Welt wahrnimmt. Wir werden von Borgman mitgenommen auf eine kurze Reise, wohin ist ganz egal, denn diese Geschichte kann so an vielen anderen Orten mit vielen anderen Menschen in den Rollen von Berik, Adil und den Kindern des Dorfes geschehen. Dadurch erhält die reale Geschichte um Berik hier vielsagende Allgemeingültigkeit.

Wiebke Denner

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D/SE 2016 | 57 Min. | Dokumentarfilm | Original (schwedisch) mit deutschen Untertiteln | R Maria Mogren, Jens von Larcher

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