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Kvinden der drømte om en mand

Wilder Gefühlsstrudel und sanfter Bilderrausch

Stellen Sie sich vor, Sie begegnen dem Mann ihrer Träume – dem Mann, der sich in Ihren Träumen immer wieder nackt aus dem Fenster stürzt. Aber diesmal ist es anders. Er lädt sie zum Essen ein. Können Sie der Versuchung widerstehen oder halten Sie es mit Oscar Wilde und geben ihr nach. Denn wer weiß, ob sie jemals wiederkommt? Die erfolgreiche Modefotografin K (betörend gespielt von Sonja Richter) aus Kopenhagen gibt ihrem Verlangen nach, dem geheimnisvollen Fremden aus ihren Träumen zu folgen. So beginnt kein klassischer Liebesfilm.

Jede Nacht durchlebt K in ihren Albträumen den Moment, in dem der polnische Wirtschaftsdozent Maciek (verführerisch dargestellt von Marcin Dorocinski) sich vom Balkon eines Warschauer Hotels in den Tod stürzt. Als sie ihm während eines Fotoshootings in Paris Auge in Auge gegenübersteht, lässt sie jeden Gedanken an Mann (der grandiose Michael Nyqvist) und Tochter fahren und stürzt sich in eine kopflose Affäre mit dem attraktiven Familienvater.

In Per Flys neuestem Drama verlieren sich beide Protagonisten in ihren Emotionen, die sie auf verschlungene Abwege führen und bis in den Abgrund ihres eigenen Wahnsinns treiben. Und uns Zuschauer reißen sie dabei mit. So gewaltig K´s Gefühle sind, so undurchschaubar sind Macieks Motive – liebt er sie mit der gleichen, alles verzehrenden Flamme oder benutzt er sie, um seinem tristen Alltag zu entfliehen; oder poliert er mit ihr gar sein Ego? Welche Hintergründe sein Handeln auch haben mag, die Folgen ihrer Leidenschaft werden ihm erst gänzlich bewusst, als ihm eine wahnsinnige, bewaffnete K gegenübersteht, die entschlossen ist, sein und ihr eigenes Leben ihrer Obsession zu opfern. Das ist der Moment, in dem er sich zwischen leidenschaftlichem Irrsinn und seinen Pflichten als Ehemann und Vater entscheiden muss...

Die Liebe und die Leidenschaft von der K und Maciek erfasst werden, entwickelt sich zu einer gegenseitigen, beinahe krankhaften Abhängigkeit, die im Laufe der Handlung auf den Zuschauer immer verstörender wirkt. Die Tiefe des Spiels der brillanten Akteure lässt das Publikum jede Gefühlsnuance erleben: Man erbebt mit K unter Macieks Küssen, es zerreißt einem das Herz, als er sich von ihr distanziert, und die Verzweiflung der jungen Frau bohrt sich einem tief in die Seele, als man erkennt, dass sie alles verspielt hat.

Zur Kunst der Schauspieler gesellt sich die sinnliche Ästhetik der Bilder: Urbaner Purismus bildet den Hintergrund für ein Liebesdrama, das zugleich das Drama aller zwischenmenschlichen Beziehungen ist – der Wunsch, jemandem ganz zu gehören und die Unmöglichkeit, sich selbst vollständig aufzugeben. Darin steckt die fesselnde Ambivalenz. Der Zuschauer ist wie der Film selbst hin und her gerissen zwischen starken, aufreibenden Gefühlen und einer tiefen inneren Ruhe, ausgelöst durch die kunstvolle und harmonische Bildkomposition. Dabei ergänzen sich der wilde Gefühlsstrudel und der sanfte Bilderrausch zu einem ganzheitlichen Erlebnis, das tiefe Spuren im Bewusstsein des Zuschauers hinterlässt: Macieks tiefe ruhige Stimme flüstert einem noch lange nachdem der Vorhang gefallen ist, bittersüße Worte ins Ohr sowie K´s in Tränen versinkende Augen uns auch noch später immer wieder anblicken werden. Dieser Film rührt an!

Benjamin Jonischkeit, Anna Lübbering

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Mittwoch, 11. Oktober 2017
19:00 - Tore, himlen & havet | Tore, der Himmel & das Meer
D/SE 2016 | 57 Min. | Dokumentarfilm | Original (schwedisch) mit deutschen Untertiteln | R Maria Mogren, Jens von Larcher

15.11.2017 | 19:00
Afinn | The Grandad

[Nordischer Filmklub 2017/2018]

29.11.2017 | 19:00
Staying Alive

[Nordischer Filmklub 2017/2018]

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