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Grönland. Meine Reisen ans Ende der Welt

Auf Rasmussens Spuren

Es ist ein ansehnlicher Bildband, den National Geographic herausgegeben hat: In Bildern und Worten erzählt er von der Natur und den Menschen Grönlands, ihrem Leben, ihrer Kultur. Gewaltig, empfindsam und mit einer spürbaren Sympathie für das Land und seine Bewohner.

Das Buch portraitiert die verschiedenen Regionen Kalaallit Nunaats, dem „Land der Menschen“, die raue Schönheit der Landschaft, die für das Leben seiner Bewohner so prägend ist. Sie nennen sich selbst Inuit, was übersetzt „Menschen“ bedeutet. Menschen, die der Polarforscher Knud Rasmussen „das sonderbarste Volk der Welt“ nannte und die für „Jahr“ und „Winter“ dasselbe Wort verwenden. Ein Blick auf die Fotografien im Buch verrät warum. Schnee und Eisberge, Robben und Eisbären, Hunde, die Schlitten durch den Schnee ziehen und Menschen, die sich in Tierfelle kleiden, um Wind und Kälte zu trotzen. Selbst in unserem Vokabular findet sich ein Wort, das einen Hinweis auf die klimatischen Bedingungen in der Arktis gibt: eine der wenigen Bezeichnungen, die wir von den Inuit übernommen haben, ist „Anorak“ – die westgrönländische Bezeichnung für „etwas gegen den Wind“.

Fotografiert und geschrieben hat „Meine Reisen ans Ende der Welt“ der Fernsehjournalist Markus Lanz. Der Titel verwundert ein wenig ob der starken Aufmerksamkeit, die Grönland in den letzten Jahren dank Klimawandel und erweitertem Autonomieabkommen, vor allem aber dank vermuteten Ressourcen und möglichen neuen Transportwegen durch das schmelzende Eis erhalten hat. Und wenn man die Bilder des Autors sieht, seine Erzählungen von den Begegnungen mit den Inuit liest, dann merkt man, dass das Land für ihn keineswegs „das Ende der Welt“ ist. Bei seinen Reisen durch das Land, seinen Begegnungen mit Jägern und Dorfbewohnern, versuchte er, die Kultur und Lebensweise der Inuit und ihrer Hunde nicht nur wahrzunehmen, sondern zu verstehen. Zum Beispiel die Fähigkeit der Jäger zum Verharren oder die Bedeutung von Gemeinschaft und von Vertrauen – in seine Mitmenschen und in die Natur. Früher sicherten diese Eigenschaften und Lebensweise das Überleben ganzer Gruppen. Heute, mit Einzug moderner Technik und Lebensmittelversorgung, haben manche an Bedeutung verloren. Aber die Jäger vertrauen noch immer auf ihren Instinkt, auf ihren „Sinn für Bewegung in der Stille“. Die Stille und die Entschleunigung sind es auch, die eine merkbare Faszination auf den Autor ausüben.

Unabsichtlich ist der Band mit seinen eingehenden Portraits der menschlichen und tierischen Jäger der Schneelandschaften zu einer Art Zeitdokument geworden. Dänische Forscher vermeldeten jüngst, dass das Inlandeis Grönlands diesen Sommer so stark geschmolzen sei wie nie zuvor: um 52 Prozent hat das Inlandeis abgenommen – das ist so viel Wasser, wie Dänemark in mehreren hundert Jahren verbraucht. Insbesondere in den letzten zehn Jahren ist die Sommertemperatur gestiegen. Die Folgen bekommen die Inuit auf Grönland (übersetzt: „Grünland“), wie Erik der Rote die Insel Ende des 10. Jahrhunderts taufte, schon jetzt deutlich zu spüren.

Weitere Informationen über Grönland können Sie auch im Grönlandspezial des Kulturhus Berlin Newsletters von Mai 2009 finden.

Rezension von Inken Dose

 

Markus Lanz
Grönland. Meine Reisen ans Ende der Welt

National Geographic 2010
285 Seiten, gebunden
ISBN 978-3866901957
Preis: 39,95 EUR

 

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