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Der norwegische Gast

Ein Kriminalroman mit der launischen und absonderlichen Kommissarin Hanne Wilhelmsen

Terror, al-Qaida, Osama bin Laden in Norwegen? Das ist eine – zumindest für deutsche Ohren – etwas abwegige Frage, gilt uns das Land am oberen Rande Europas doch als ein Hort der Harmlosigkeit. Aber bereits in "Die Präsidentin" hat Anne Holt dieses Denken als trügerisch beschrieben und kurzerhand eine, zwar fiktive, aber mit sehr realen Zügen geschilderte amerikanische Präsidentin entführen lassen. Aber Holt wäre nicht Holt, und so steckt hinter dem Coup nicht, wie von den amerikanischen Geheimdiensten vermutet, eine terroristische Großaktion, sondern "nur" die Einzeltat eines persönlich gekränkten arabischen Multimillionärs. In Kritik geraten ebenfalls die Methoden der US-amerikanischen Aufklärungsdienste. Auch in "Der norwegische Gast", dem jüngsten Roman der bekannten norwegischen Krimiautorin, spielt sich die Terrorgefahr im Halbschatten anderer Ereignisse ab und bleibt ein zwar gegenwärtiges, aber nur unscharf zu erkennendes Phänomen.

Aber von Anfang an: Auf der Strecke Oslo – Bergen entgleist ein Zug. Der Zugführer kommt um, sonst gibt es viele Verletzte unter den Passagieren. Da ein Sturm aufzieht werden alle in ein nahe gelegenes Hotel evakuiert. Im Zug befand sich auch die ehemalige, querschnittsgelähmte Polizistin Hanne Wilhelmsen. Widerwillig wird sie nun zur Ermittlerin: Binnen weniger Stunden geschehen zwei Morde im Hotel, das aufgrund des Sturms von der Außenwelt abgeschnitten ist und so zum Studierfeld polizeilicher Ermittlung wird. Die Toten sind Pfarrer der norwegischen Kirche, der eine erschossen, der andere mit einem Eiszapfen gemeuchelt. Gemeinsam mit der patenten Hotelmanagerin, einem kleinwüchsigen Arzt und einem unermüdlichen Juristen aus Bergen, der die Kommissarin aus dem Zug gerettet hat, bildet Wilhelmsen das Kompetenzteam im isolierten Hotel. In einer beeindruckenden gedanklichen Kombination gelingt es ihr zuletzt, die Morde aufzuklären.

Am Zug jedoch befand sich zudem ein geheimnisvoller letzter Wagen, der unter großen Sicherheitsvorkehrungen angekoppelt wurde. Man munkelt, dass dort die Kronprinzessin reist, aber die Königsfamilie wird in Norwegen nicht derart abgeschottet. Am Ende löst Hanne Wilhelmsen nicht nur den Mordfall, sondern sie kommt auch dem mysteriösen Waggon auf die Schliche – Gefangenentransport in besonders heikler Mission: Als alles vorbei ist und die eingeschlossenen Passagiere endlich per Helikopter ausgeflogen werden, gelingt ihr ein Blick auf den mysteriösen Gefangenen: Sie sieht durch ein Fernrohr große, träumerische Augen, ein schmales, orientalisches Gesicht mit langem grau-schwarzem Bart ... dann wird der Mann in den Hubschrauber geschoben, ihrem Blick entzogen und die Deutungshoheit dem Leser überlassen...

"Der norwegische Gast" ist ein Kriminalroman, der vieles vereint und Hochbrisantes mit klassischem Krimirepertoire vermengt. Das mag etwas konstruiert erscheinen, untergräbt aber nicht nur das einfache Gut-Böse-Schema, sondern lässt auch gewohnte Denkmuster ins Leere laufen. Norwegen ist eben nicht das Land, für das es alle halten. Genauso ist es mit den von Holt beschriebenen Menschen: Magnus zum Beispiel, der als Arzt und Mensch zwar groß, körperlich aber klein ist. Nicht zuletzt macht es aber einfach Spaß den Gedankengängen der launischen und absonderlichen Kommissarin Hanne Wilhelmsen zu folgen.

 

Constanze Gestrich

 

Anne Holt:
Der norwegische Gast

Piper Nordiska
August 2008
Aus dem Norwegischen
von Gabriele Haefs
320 Seiten
ISBN: 9783492046930

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19:00 - Tore, himlen & havet | Tore, der Himmel & das Meer
D/SE 2016 | 57 Min. | Dokumentarfilm | Original (schwedisch) mit deutschen Untertiteln | R Maria Mogren, Jens von Larcher

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