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Nichts. Was im Leben wichtig ist

"Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun."

Es ist der Anfang eines neuen Schuljahres. Und auch der Anfang einer tragischen Geschichte mit bitterem Ende. Der 13jährige Pierre Anthon verlässt an einem ganz normalen Tag das Klassenzimmer. Er hat herausgefunden, dass nichts etwas bedeutet und es sich deshalb auch nicht lohnt, irgendetwas zu tun. Von da an sitzt er in einem Pflaumenbaum und bewirft seine Klassenkameraden mit den unreifen Früchten und – noch viel schlimmer – mit provozierenden Sprüchen, bis aufs Äußerste geladen mit seiner neuen nihilistischen Weltansicht: "Alles ist egal. Denn alles fängt nur an, um aufzuhören." Die Jugendlichen sind diesen Bemerkungen nicht gewachsen. Anfangs versuchen sie, Pierre zu ignorieren, gehen dann jedoch zum Gegenangriff über: Die Klasse will dem Jungen zeigen, dass doch etwas von Bedeutung ist. Es entsteht der Plan, alles zusammenzutragen, was wichtig ist. Zuerst sind es harmlose Dinge wie alte Fotos, die auf dem "Berg der Bedeutung" landen, doch als sich dort auch ein Kindersarg und ein Hundekopf wiederfinden, beginnt das Vorhaben mehr und mehr zu eskalieren. "Wir hätten aufhören sollen, bevor es soweit gekommen war. Jetzt war es irgendwie zu spät, auch wenn ich tat, was ich konnte."… Leider erst am Ende des Romans kommt der Protagonistin Agnes die beklemmende Erkenntnis: "Ich weiß, dass man mit der Bedeutung nicht spaßen soll."

Beim Lesen des Buches möchte man es immer wieder einfach schließen. Können Jugendliche, fast noch Kinder, wirklich so brutal gegen sich selbst und andere vorgehen? Völlig skrupellos und ohne jegliche Hemmungen? Ja, das können sie! Auf der Suche nach Sinn und Bedeutung des Lebens war die Klasse in Janne Tellers Roman zu allem fähig. Als Leser ist man schockiert und wünscht sich, zwischen den Zeilen einen "Hoffnungsschimmer" erkennen zu können.

Doch nicht nur das schonungslose Handeln der Jugendlichen, sondern auch Pierres Ansichten lassen einen nach der Lektüre nicht so schnell los. Ein bisschen widerwillig beginnt man, die aufgeworfenen Fragen zu überdenken – ein Prozess, der irritiert und auch ein wenig verstört. Natürlich muss der Nihilismus mit seiner Verneinung jeglichen Sinns des Lebens nicht in Depressionen enden – in Dänemark war das Buch eine Zeit lang verboten. Es ist kein "harmloses Jugendbuch". Es wirft Fragen auf, die Kinder und Jugendliche beunruhigen können, weshalb junge Leser es besprechen und umfangreich diskutieren können müssen.

 

Janne Teller wurde 1964 in Kopenhagen geboren. 1999 debütierte sie mit dem Roman "Odins Insel", einer skandinavischen Gegenwartssaga, über Glaube und Zweifel, Politik und religiösen Extremismus. Ihr erster Jugendroman "Nichts" wurde 2000 in Dänemark veröffentlicht. Nachdem der Verlag zunächst die Herausgabe verweigerte, waren auch die dänischen Leser kritisch, weshalb sich das Buch in den ersten zwei Jahren nur sehr schlecht verkaufte, bis der Roman 2001 den Dänischen Kinderbuchpreis erhielt. "Nichts" wurde immer mehr gelesen und anschließend häufig kritisiert, nicht nur von der Presse. Anfangs war es sogar vom dänischen Schulamt verboten worden – an den Schulen in Westnorwegen ist es bis heute nicht erlaubt. Mittlerweile ist in Dänemark die 13. Auflage erschienen, und "Nichts" ist eines der in den dänischen Abiturprüfungen am häufigsten verwendeten Bücher. Der Roman wurde in 13 Sprachen übersetzt.

Claudia Katzmarski

Janne Teller:
Nichts. Was im Leben wichtig ist

Aus dem Dänischen
von Sigrid Engeler
Originaltitel: "Intet"
Preis: 12,90 €
2010, Hanser Verlag
139 Seiten
ISBN-10: 3446235965
Ab 14 Jahren

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