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Tjuvlyssnat 2

Tjuvlyssnat – belauscht: Gestern in der U-Bahn

In einer Stadt wie Berlin wird man, ob man will oder nicht, fast ständig mit den Lebensrealitäten fremder Menschen konfrontiert – und manchmal erfährt man mehr intime Details, als einem eigentlich lieb ist. Eine Freundin von mir erzählte mir etwa, wie sie neben einem Typen in der U-Bahn saß, mit dem ganz offensichtlich gerade über Handy Schluss gemacht wurde. Wie sollte sie reagieren? Dem jungen Mann das Handy aus der Hand reißen und auf das Mädchen am anderen Ende der Leitung einreden, dass sie sich das noch einmal gut überlegen solle, weil der Typ doch einen ganz ordentlichen Eindruck mache? Eher nicht.

Solche skurrilen, lustigen und manchmal auch bedenklichen Szenen finden täglich an den unterschiedlichsten Orten statt und werden täglich wieder vergessen. Dagegen wollten die Herausgeber von "Tjuvlyssnat" (Damon Rasti, Jennie Claesson, Marie Fjellborg, Petter Jonason) angehen, in dem sie eine Sammlung der bemerkenswertesten Szenen und Dialoge des Alltags zusammenstellten. Zunächst wurde eine Internetplattform gegründet (www.tjuvlyssnat.se), schließlich drängten mehr und mehr auf die Veröffentlichung eines Buches. Dieses fand in Schweden eine so große Resonanz, dass mittlerweile schon der zweite Band erschienen ist. Eine Sammlung von Anekdoten des Alltags als Spiegel einer Nation? Den gleichen Gedanken findet man auch im deutschen Pendant: "Belauscht". "Deutschland spricht […], Deutschland lauscht" heißt es auf der Internetseite.

Die große Resonanz auf das Buch macht aber doch eher deutlich, dass wir heute in einer Welt leben, in der immer größere Anonymität herrscht, während gleichzeitig die Grenze zur Privatsphäre transparent geworden zu sein scheint und man neben völlig fremden Menschen in der U-Bahn sitzt, während diese mit dem Arzt ein Gespräch über ihr Krankheitsbild und die Medikamentendosis führen. Über Handy natürlich. Der Erfolg eines solchen Buches zeigt, dass sich jeder in solchen Situationen wiedererkennen kann und dass ein Bedürfnis besteht, sich und seine eigenen Erlebnisse mitzuteilen. Zum Lachen bringen einen dabei die vielen absurden Schilderungen, ob man nun Deutschland (www.belauscht.de) oder in Schweden tjuvlyssnat belauscht, verhält sich aber am Ende doch recht gleich. http://www.belauscht.de


Lisa Andersohn

 

Rasti, Claesson, Fjellborg, Jonason
Tjuvlyssnat

Känguru, 2010
137 Seiten
Preis: 39,- SKR
ISBN: 9789186289218

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