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Mitt galna liv
Buchcover

Ein Buch für alle, die ebenfalls unter Psychosen oder Depressionen leiden oder litten – so etwa begründet Lagercrantz sein Buch, das im Wesentlichen seine Lebensgeschichte, besser gesagt, seine Krankheitsgeschichte darstellt. Mitt galna liv – Mein verrücktes Leben. Ein viel versprechender Titel. Einerseits spricht hier jemand von seinem Leben, seiner individuellen Erfahrung und Geschichte, andererseits wird das Leben als "verrückt" bezeichnet, eine gesellschaftliche Abgrenzung von dem, was "normal" sein soll.

Lagercrantz, der quasi sein ganzes Leben hindurch in Therapie gewesen war und schließlich nach etlichen Jahren die Diagnose "manisch-depressiv" erhielt, richtet sich in seinen Krankheits-Memoiren an Menschen mit ähnlichem Schicksal. Dabei bezieht er sich in großen Teilen auf Akten seiner Therapeuten und Ärzte beziehungsweise auf die Aufzeichnungen seiner Mutter über sein Befinden und seine Entwicklung. Es scheint, dass den schriftlichen Dokumenten ein größerer Wahrheitsgrad zugesprochen wird als dem eigenen Erinnern. Auch, dass er schon als Kleinkind ständig unter Beobachtung seines Geisteszustandes stand und schon damals zur Psychoanalyse geschickt wurde, ist für ihn nichts, das anzuzweifeln wäre. Vielmehr scheint es eine Bestätigung dessen, dass er eben nicht "normal" ist.

Die Rekonstruktion seiner Geschichte und seiner Krankheit findet kaum über persönliche Erinnerungen statt und wirkt in ihrer Aneinanderreihung bestimmter Lebensabschnitte und Begebenheiten unzusammenhängend. Was als roter Faden auffällt, ist die Beobachtung einer Krankheit, die durch ihre Verschriftlichung in Akten und Aufzeichnungen verifiziert wird und ihren Status als "außer-normales" Phänomen rechtfertigt. Die von Lagercrantz geschilderten Selbstbeobachtungen sind von außen formuliert. So wird der Widerspruch zwischen Innen- und Außenperspektive wird durch diese "objektive" Wahrheit von außen korrigiert. Lagercrantz betont zwar, dass er mit dem Buch seiner Krankheit einen Platz in der Gesellschaft schaffen möchte, aber sucht er sich nicht einfach den Platz, den die Gesellschaft ohnehin schon dafür vorgesehen hat? Diese Frage bleibt unbeantwortet, auch wenn Lagercrantz immer wieder an die gesellschaftliche Toleranz gegenüber psychisch Kranken appelliert. Am Ende steht trotzdem das persönliche Begreifen und Einordnen der eigenen Krankheit mit Hilfe von Aussagen Außenstehender im Vordergrund und nicht die Konfrontation von Innen- und Außenperspektive.

Arvid Lagercrantz
Mitt galna liv

Sprache Schwedisch
Lind&Co, 2010
225 Seiten, gebunden
Preis:159 SvK (adlibris.com)
ISBN: 978-91-7461-002-4

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D/SE 2016 | 57 Min. | Dokumentarfilm | Original (schwedisch) mit deutschen Untertiteln | R Maria Mogren, Jens von Larcher

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