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Weit im Norden

Vom 16.-21.Januar 2007 fand das Tromsø International Film Festival statt. Mit der Berlinale kann es an Größe und Staraufgebot (noch) nicht konkurrieren – und das soll auch so sein

Auf dem nördlichsten Filmfestival der Welt kommt viel Unbekanntes auf die Leinwand, so z. B. in der Kategorie Film fra Nord, in der Filme aus den Polarregionen gezeigt werden, die sonst kaum Beachtung finden, sich hier aber in einen internationalen Rahmen einbetten können. In Skandinavien ist Tromsø nach Gøteborg das größte Filmfestival. Und es ist sehr gut besucht, was nicht nur an den dunklen Januartagen liegt, sondern auch an der Kinokultur in Norwegen, wo es viele kommunale Kinoklubs gibt, in denen das Interesse für Filme neben dem Mainstream geweckt wird.

Eröffnungsfilm des Festivals war Vinterland, der erste längere Spielfilm von Regisseur Hisham Zaman. Er erzählt die Geschichte von Renas und Fermesk, die heiraten, ohne sich je gesehen zu haben: Renas ist ein Iraker, der in Nordnorwegen wohnt und arbeitet und sich zu seinem Glück eine Frau aus der Heimat „bestellt“. Beide haben Träume, und beide werden mit einer Realität konfrontiert, die anders ist als erhofft. Vinterland wurde vom Publikum gefeiert und geliebt. Die Hauptdarstellerin Shler Rahnoma - eine Pharmaziestudentin aus dem Iran, die seit 1992 in Oslo lebt – wird bereits als neuer Star des norwegischen Kinos gehandelt, obwohl sie selbst nicht weiß, ob sie noch einmal einen Film drehen wird.

Das Tromsø International Film Festival hat neben Film i Nord und dem Wettbewerbsprogramm weitere exotische Kategorien zu bieten. So wird mit Horisont Øst ein Schwerpunkt auf den russischen, finnischen und baltischen Film gesetzt, in Overdrive dem Abwegigen und Abgedrehten Raum gegeben. Im Wettbewerb werden mehrere Preise vergeben. Der wichtigste ist der Aurora-Preis, um den zwölf internationale Filme konkurrieren. In diesem Jahr ging er an den argentinischen Film Chronicles of an Escape von Israel Adrián Caetano. Der Don-Quijote-Preis, der von der internationalen Organisation der Filmklubs vergeben wird, ging sogar an einen deutschen Film: an Valeska Griesbachs Dokumentardrama Sehnsucht. Weitere preisgekrönte Filme sind Still life des chinesischen Regisseurs Zhang Ke Jia (Internationaler Kritikerpreis), The cats of Mirikitani von der US-Amerikanerin Linda Hattendorf (Norwegischer Friedensfilmpreis) sowie an Prirechniyy von Tone Grøttjord und Tommy von Ole Giæver (Film fra Nord).

Das Tromsø International Film Festival hat auch außerhalb der Kinosäle Besonderes zu bieten, obwohl, wie manch einer der Kritiker vermerkte, der Glamour und die Starwelt fehle: Anstelle von roten Teppichen geht man hier auf Hundeschlittenfahrten und kann abends Fischspezialitäten beim Kaminfeuer verspeisen. Die ganze Stadt hat sich dem Festival verschrieben, und das macht es auch so freundlich und gewissermaßen gewöhnlich. Es wird zwar nicht richtig hell, aber zum einen ist das im Kino sowieso egal und zum anderen kann man am Himmel das Spektakel des Nordlichts sehen, das so manch einem Film vielleicht Konkurrenz machen könnte. Das Stöbern auf der Website www.tiff.no macht Lust und weckt Neugier – der eine oder andere Film wird sicherlich im Programm des NORDISCHEN FILMKLUB 2007/2008 in den Nordischen Botschaften laufen.

 

Constanze Gestrich

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