Datenschutzerklärung   Kontakt/Impressum  Suche       Druckansicht
   

Mikael Persbrandt und Peter Haber

Im Gespräch: Peter Haber und Mikael Persbrandt, Hauptdarsteller in der Krimireihe "Kommissar Beck"

Die beiden schwedischen Schauspieler sind einem deutschen Publikum vor allem durch ihre Rollen als Ermittler in der Krimireihe „Kommissar Beck“ bekannt. Beide zählen in Schweden zu den populärsten Darstellern. Jetzt sind sie auch in Deutschland wieder auf dem Bildschirm zu sehen.

 

KULTURHUS BERLIN: Das ZDF wird ab November neue Folgen der Krimis mit Kommissar Martin Beck und Gunvald Larsson ausstrahlen. Was ist Ihre Erklärung für den Erfolg der schwedischen Kriminalgeschichten in Deutschland, sowohl in der Literatur wie eben auch im Fernsehen?

Peter Haber: Ich bin überrascht und sehr froh über die Resonanz in Deutschland. Was die Filme mit Martin Beck angeht, so denke ich, ist es der Realismus, sind es die aktuellen Bezüge zur schwedischen Gesellschaft. Auch, wenn es vielleicht sehr hart ist, was dort zu sehen ist. Aber wir orientieren uns schon immer daran, wie es wirklich geschehen kann. Wir arbeiten eng mit unserer schwedischen Polizei zusammen, Polizisten spielen auch als Komparsen mit. Natürlich sind die 90 Minuten komprimiert. Und wir mischen diese Realität mit Humor, für die Atempausen, damit nicht nur das Schwarze, Häßliche, Grauenhafte zu sehen ist. Gewöhnliche Probleme, familiäre, persönliche, das macht das Drama aus. Und natürlich auch Geheimnisse. Wer ist eigentlich Gunvald Larsson? Wir wissen im Grunde nichts über ihn: Wie wohnt er, was macht er in seiner Freizeit, hat er eine Frau, was tun seine Nachbarn?

KULTURHUS BERLIN: Mikael, Sie spielen den Gunvald Larsson. Von Sjöwall/Wahlöö ist diese Figur als anarchistischer, smarter, unautoritärer Typ angelegt worden ... Den Larsson spielen zu können, ist schon ziemlich das Beste, oder?

Mikael Persbrandt: Gunvald Larsson ist ein Individualist, ein ausgeprägter Individualist, dem die anderen aber nicht gleichgültig sind. Er ist in seiner Art ganz anders. Ganz anders auch als Martin Beck. Aber Martin Beck reagiert auf ihn. Sie haben eine besondere Beziehung. Vor 10 Jahren habe ich das erste Mal den Gunvald Larsson gespielt. Sein Charakter ist dramaturgisch sehr komplex aufgebaut: Impulsiv, voll Kraft, vorlaut, mit starkem Selbstbewußtsein. Ich gestalte diese Figur Gunvald Larsson, das heißt auch, ich erneuere ihn. In den neuen Folgen hat sich Gunvald Larsson verändert, er ist derselbe geblieben, aber er ist eben auch älter geworden, reflektiver, er nimmt alles um sich herum schon ein klein wenig differenzierter war. Das habe ich versucht, ihm zu geben. Die Welt ist ein furchtbarer Platz geworden, und in dieser Welt ist er Polizist. Er revoltiert immer noch, ist aber komplexer geworden.

KULTURHUS BERLIN: Was ist für Sie das reizvolle an der Figur Martin Beck?

Peter Haber: Daß er nicht alles schwarz oder weiß sieht, sondern daß er versucht zu verstehen, warum die häßlichen Sachen passieren. Daß er in der Lage ist, Verständnis für den Täter aufzubringen. Er hat auch eine gewisse Melancholie, die ich sehr schön finde. Für mich ist die Herausforderung, diesen gewöhnlichen Mann interessant zu machen. Er ist kein Superheld, hat einen Alltag. Natürlich ist er etwas deprimiert. Er sieht, alles wird schlimmer. Er macht es sich nicht leicht.

KULTURHUS BERLIN: Die schwedischen Krimis sind auch Geschichten über die schwedische Gesellschaft, über Ihr Land. Wie wichtig ist das für die Filme?

Mikael Persbrandt: Ziemlich wichtig. Es ist auch das Spezielle. Film ist Fiktion, ganz klar. Aber in den Beck-Filmen geht es um das, was die Gesellschaft beeinflußt, was aktuell geschieht, die Veränderungen um uns: Terrorismus, die Öffnung des Ostblocks, Probleme wie Pädophilie … All das ist real. Das sind Momente in dieser Beziehung Realität/Fiktion. Und wie wollen wir leben, wie reagieren wir auf die Probleme? Vor diesen Fragen steht nicht allein Schweden, sondern auch Deutschland.

KULTURHUS BERLIN: Die Verfilmungen orientieren sich an den Motiven der Romane von Maj Sjöwall und Per Wahlöö. Wann haben Sie das erste Mal eines der Sjöwall/Wahlöö-Bücher gelesen?

Mikael Persbrandt: Es war nicht gleich in den 70ern, also in der Zeit, auf die die Bücher in Schweden so großen Einfluß hatten, sondern viel später. Damals hatten wir eine sozialdemokratische Regierung, es standen die Fragen, wie der Staat, die Gesellschaft, die Polizei sein soll. Das damals Neue in den Büchern hat mich später natürlich auch irgendwie geprägt.

KULTURHUS BERLIN: Wissen Sie, wie Maj Sjöwall Ihre Filme findet?

Peter Haber: Ich glaube, sie findet sie gut. Sie hat sowieso ein Vetorecht. Sie ist unser Überauge, unsere Mutter. Sie liest die Drehbücher und sagt auch, nein, so etwas sagt Martin Beck nicht. Vor kurzem habe ich mit Maj darüber gesprochen, daß – als ihre Romane entstanden – unser Schweden ganz anders war. Wir hatten fast keine Arbeitslosigkeit, keine Narkotika ... Es war schon ein anderes Land. Der Drehpunkt für uns ist der Mord an Olof Palme. Es ist der Punkt, an dem einfach unsere Naivität verschwunden ist.

KULTURHUS BERLIN: Aber man fragt sich, spielt sich dieser gesellschaftliche Wandel, wie er in den Filmen gezeigt wird, tatsächlich in Schweden schon so ab? Ist die Entwicklung real? Oder kommt in den Filmen eher eine besondere Sensorik der Skandinavier zum Ausdruck für die Gefahren, vor denen die Gemeinschaft steht?

Mikael Persbrandt: Unsere Gesellschaft hat sich schon verändert. Wir sehen und wissen das. Auch mit Angst. Ich denke, die Wirklichkeit ist noch viel härter.

Peter Haber: Ich sehe das auch so. Schweden ist nicht mehr Astrid Lindgrends Bullerbü. Kriminalität ist internationaler und Schweden mitten drin. Als wir den ersten Beck-Film drehten, in dem es um Pädophilie im Internet ging, hörten wir, das sei so weit hergeholt und so etwas passiere doch gar nicht. Als es um Kinder in Stockholms U-Bahn-Tunneln ging, hörten wir ähnliches. Wie sieht es heute aus? Wir wissen von Kinderhandel im Internet. Vor einigen Monaten waren die schwedischen Zeitungen voll von Unfällen, schwedischer Jugendlicher in der Stockholmer U-Bahn, auch von Todesfällen. Keiner liebt solche Warnungen. Falsch kann es aber nicht sein, bestimmte Entwicklungen zu erkennen und sie ernst zu nehmen.

 

Das Gespräch führte Ulrike Schulz

Unsere aktuellen Veranstaltungen

Oktober - 2020
M D M D F S S
  01 02 03 04
05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24
26 27 28 29 30 31  

Keine News in dieser Ansicht.

Logo des Kulturhus Berlin e.V. KULTURHUS BERLIN | Tel (Mo-Mi/Fr): +49.(0)30.2093-4952 | Email: info (at) kulturhus-berlin.de