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Die neue Oper in Oslo

Gegründet wurde die norwegische Oper in Oslo als größte Institution der Musik- und Bühnenkunst Norwegens im Jahre 1959. Seitdem befindet sich ihre Spielstätte im sogenannten Volkstheatergebäude (Folketeaterbygningen), einem der Zeit entsprechend bescheidenen, nach funktionalen Gesichtspunkten errichteten Gebäude, dessen Publikumseingang in einer Passage am Youngstorg liegt. Der Youngstorg ist ein Platz, an dem sich die Zentralen des Gewerkschaftsbundes sowie vieler hauptsächlich linksgerichteter Parteien befinden – es dominieren Nachkriegsbauten.

Geführt wird die Oper jedoch als Aktiengesellschaft. Der Staat ist Inhaber von 90 Prozent der Aktien, die restlichen gehören dem Norwegischen Opernfonds. Oberhaupt der Oper ist ein wirtschaftlicher Leiter, dem die künstlerische Leitung nachgeordnet ist.

40 Jahre später wurde im Juni 1999 nach einer jahrzehntelangen, hitzigen Debatte der Beschluss gefasst, ein neues Opernhaus zu errichten. Der Eröffnungsabend ist für den 12. April 2008 geplant. Jedoch soll das Haus bereits ab Dezember diesen Jahres fertig und zugänglich sein. Die neue Oper befindet sich in der Nähe des Hauptbahnhofes am Hafen in Bjørvika.

Nachdem 1994 zunächst in Göteborg ein neues Opernhaus eröffnet worden war, hatte man auch 1998 in Kopenhagen beschlossen, sich ein solches zu erbauen. In Kopenhagen war die Einweihung vor nunmehr knapp drei Jahren. Die Konkurrenzsituation ist nicht zu übersehen. Nach den Nachbarländern Schweden und Dänemark hat sich also auch in Norwegen der Wunsch nach einer Manifestation des bildungsbürgerlichen Kulturgutes Oper durch einen neuen, hochmodernen Bau von enormem Ausmaß durchgesetzt. Ein innerskandinavischer Bilbao-Effekt. Kosten wurden dabei nicht gescheut. Die Debatte in Norwegen hatte durch die norwegischen Theaterskandale Nahrung erhalten. Unter anderem hatte eine einzige Aufführung im Nationaltheater erst zehn Jahre zuvor einen Verlust von 60 Mio. NKR (ca. 8 Mio. Euro) herbeigeführt, aber nicht nur deswegen war die wichtigste Bühne Norwegens de facto bankrott gewesen. Die Mehrheit im Parlament wollte über das Theater die Insolvenz eröffnen. Seine Rettung ist dem Einsatz einiger weniger zu verdanken.

Der Entwurf und die Realisation des Gebäudes obliegen dem norwegischen Architektenbüro Snøhetta. Das Budget, über das die Firma verfügt, beträgt 3,3 Milliarden NKR (etwa 440 Mio. Euro). Hauptsponsor der Oper ist Daimler-Benz. Mit 7 Mio. NKR (knapp 1 Mio. Euro) steht der Automobilhersteller an der Spitze der Sponsorenliste. Da verwundert es, dass er auf der Homepage der Oper erst an zweiter Stelle und zudem in deutlich kleinerem Druck erscheint (http://www.operaen.no/sw10904.asp, 27.09.2007). Die eine Seite des Gebäudes ist eine immense Glasfassade, welche teilweise aus Sonnenkollektoren besteht. Ansonsten ist es ganz aus weißem Marmor aus Carrara und einheimischem Granit gehalten. Die Norweger lieben es besonders, in irgendetwas Weltspitze zu sein. Das zweitgrößte kulturelle Bauprojekt seit dem gotischen Nidarosdom, eine der größten Glasfassaden weltweit und hochmoderne Solartechnik – das stärkt das Nationalbewusstsein. Die Snøhetta-Architekten sehen das Opernhaus zudem als Symbol für Norwegen, da es auf „vertikale und maskuline“ Formen verzichte und sich als ungewöhnlich zugänglich erweisen werde. Dementsprechend haben Komponisten familiengerechte Auftragswerke wie zum Beispiel eine Vertonung von Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“ erarbeitet. Allerdings sind auch Stimmen laut geworden, die im Gegenteil die Einführung einer Kleiderordnung für das Musiktheater befürchten – nicht ab seiner Eröffnung, jedoch in absehbarer Zeit.

In Norwegen ist das allgemeine Interesse an zeitgenössischer Musik und deren Förderung deutlich höher als in Deutschland. Man agiert nach dem Prinzip, sich eine Tradition für hohe Kultur erschaffen zu wollen. Deutsche Festivals für zeitgenössische Musik haben allzu oft einen Mangel an Besuchern zu beklagen, was auch die Aufführungen zeitgenössischer Opern und theatralischer Klanginstallationen betrifft. Deutsche Opernfans lieben Neuinszenierungen derselben etwa 80 Opern, zu deren neuesten Sergej Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“ von 1921 zählt. Da es in Norwegen jedoch nicht nur viele Komponisten gibt, sondern sie auch mit vielen Produktionen beauftragt werden, stehen in der Eröffnungssaison neun Uraufführungen auf dem Programm.

 

Margerita Bube

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