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Lene Mortensen
Plakat 10 Jahre Nordische Botschaften und Foto von Lene Mortensen

Foto: privat

„Eine so prägnante und spektakuläre Architektur möchten viele sehen“ - Kulturhus Berlin im Gespräch mit Lene Mortensen

„Der Herbst wird nordisch.“ Unter diesem Motto feiern die Nordischen Botschaften in diesem Herbst ihr zehnjähriges Bestehen. 1999 wurde der Botschaftskomplex an der Rauchstraße eingeweiht. Ein einmaliges architektonisches Ensemble, das die Botschaften der Länder Dänemark, Island, Finnland, Norwegen und Schweden sowie das gemeinsame Haus, das Felleshus, vereint. Lene Mortensen stammt aus Dänemark und ist Leiterin des Felleshus.

 

 

KULTURHUS BERLIN: Ist die Idee, fünf Botschaften auf einem gemeinsamen Gelände zu integrieren tatsächlich einzigartig auf der Welt, oder gibt es ähnliche Beispiele?

Lene Mortensen: Das ist wirklich einzigartig. Es gibt auf der Welt natürlich Botschaften, die in demselben Gebäude untergebracht sind. Aber weltweit einmalig ist, dass Botschaften mehrerer Länder in einem eigenen architektonischen Komplex vereint sind und gemeinsam eine eigene Einrichtung nutzen. In Berlin präsentieren sich die einzelnen nordischen Länder auf einem gemeinsamen Botschaftsgelände und nutzen für Ausstellungen, für Kultur und Information, für Konferenzen, Veranstaltungen, um Gäste einzuladen, für Konzerte, Lesungen oder Filmvorführungen gemeinsam das Gemeinschaftshaus, das Felleshus.

KULTURHUS BERLIN: Ausgerechnet wieder die Skandinavier hatten als erste diesen sehr plausiblen Gedanken?

Lene Mortensen: Es ist für die fünf nordischen Länder vielleicht etwas nahe liegender und einfacher, wenn man sich vorstellt, dass Spanien, Italien und Frankreich oder fünf südamerikanische Staaten ein ähnliches Vorhaben in Angriff nehmen wollten: Wir haben eine gemeinsame kulturelle Tradition, eine gemeinsames sprachliches Erbe, eine gemeinsame Geschichte. Wir vertreten die gleichen demokratischen Wertvorstellungen in gesellschaftlichen Fragen wie Arbeitsmarkt, Sicherheit, Gleichstellung oder Gerechtigkeit. Die nordische Zusammenarbeit besteht seit langem. Und auch die Idee für einen gemeinsamen Botschaftskomplex gibt es seit langem. Die nordischen Länder diskutierten ein solches Projekt früher schon, aber die Möglichkeit, es zu realisieren, entstand erst mit dem Umzug von Bonn nach Berlin. Im Norden war das Interesse sehr stark, sich in der geografisch nahe liegenden Metropole Berlin zusammenzutun. Die fünf Außenminister der Nordischen Länder haben das diskutiert und zusammen entschieden. Die Idee selbst stammte aus dem Nordischen Ministerrat.

KULTURHUS BERLIN: Eine „starke Gemeinschaft aus lauter Individualisten“. Welche Vorteile hat jedes einzelne Land?

Lene Mortensen: Es gibt mehrere Aspekte. Klar ist, keines der Länder hätte das Geld, sich in diesem Umfang darzustellen und mit einem solch großen Gebäude visuell hier so präsent zu sein. Wir teilen die Kosten und sind zugleich deutlich vertreten.

Positive Effekte hat es natürlich auch für die Arbeit der einzelnen Botschaften auf politischer Ebene. Die Wege sind kurz, man kennt sich, man inspiriert einander, man teilt Wissen. Man kann die politische Lage besser diskutieren und einschätzen. Im kulturellen Bereich gibt es die Möglichkeit zusammenzugehen, Ausstellungen gemeinsam zu machen und sowohl mit den Unterschieden als auch mit den Gemeinsamkeiten zu spielen und das zu vermitteln.

KULTURHUS BERLIN: Und wie sieht es mit der Mitbestimmung aus? Hat Island zum Beispiel die gleichen Rechte wie Schweden?

Lene Mortensen: Jeder kann für sich gehen, niemand muss mitmachen bei den Vorschlägen und Initiativen der anderen. Vieles hängt nicht von der Größe des Landes ab. Es gibt Ideen, wo Island mitgeht und einer von den „Großen“ keine Lust hat. Jedes Land ist für sich. Und wenn es möchte, ist es gemeinsam.

KULTURHUS BERLIN: Den Gesamtkomplex der Nordischen Botschaften entwarf ein österreichisch-finnisches Architektenbüro, die Botschaften selbst aber sind wiederum ganz individuell und von eigenen Architekten gestaltet worden.

Lene Mortensen: Jedes Botschaftsgebäude hat seinen eigenen Charakter, drückt architektonisch ein individuelles Temperament aus und steht in Beziehung zu den anderen Gebäuden. Das Ensemble aller Botschaften wiederum ergibt eine spannende Reise durch die nordischen Länder, deren Architektur- und Designtradition. Dabei prägen die Formen, die Fluchten, aber vor allem auch die verwendeten Materialien den Charakter. Bei Schweden das Birkenholz und der weiße Kalkstein, Lärchenholz und heller Beton in Finnland, Lava in Island, ein riesiger Granit in Norwegen, Edelstahl in Dänemark...

KULTURHUS BERLIN: Die Nordischen Botschaften sind das Zentrum für nordische Kunst und Kultur in Berlin und spielen in diesem Punkt auch für ganz Deutschland die wichtigste Rolle. In diesem Jahr wird das Jubiläum mit einem Kulturprogramm gefeiert. Was sind aus Ihrer Sicht die Höhepunkte im Programm?

Lene Mortensen: Ganz sicher wird der „Tag der Offenen Tür“ am 21. November ein solcher Höhepunkt sein. Normalerweise gelangen die Besucher nur ins Felleshus. An diesem Tag aber kann jeder in jede Botschaft gehen, die Architektur bewundern, es wird Musik, Lesungen und viele kulinarische Angebote geben. Ab 11 Uhr bis 18 Uhr werden an diesem Tag alle Botschaften tatsächlich – wie bereits vor zehn Jahren zur Eröffnung – die Türen für alle öffnen.

In unserer Lesereihe „Entdeckungen“ werden große, bekannte Autoren aus den nordischen Ländern noch unbekanntere Autoren im Felleshus präsentieren. Darunter Kjell Askildsen aus Norwegen, Henning Mankell aus Schweden oder Erling Jepsen aus Dänemark.

KULTURHUS BERLIN: Es gibt da noch den wunderbaren Spaten. Kann man den auch zu den Feiern sehen?

Lene Mortensen: Ja, der wird natürlich auch zu sehen sein. Es ist ein Spaten mit fünf Griffen. Extra hergestellt. Denn alle fünf Botschafter haben damals den ersten Spatenstich für die Nordischen Botschaften gemacht – zusammen.

KULTURHUS BERLIN: Wenn man bei den Nordischen Botschaften ist, fallen einem die vielen Touristenbusse aus Skandinavien auf, die oft vor dem Botschaftskomplex stehen. Im Urlaub ist es ja nicht gerade üblich, mal eben in der Botschaft vorbeizuschauen. Ist das Interesse an den Berliner Botschaften in Skandinavien so groß?

Lene Mortensen: Die Nordischen Botschaften in Berlin haben einen Ruf in den nordischen Ländern. Eine so prägnante und spektakuläre Architektur möchten viele sehen. Und wenn man als Bürger eines Landes Steuergelder zahlt, möchte man gern sehen, was damit passiert. Die Skandinavier, die zu uns kommen, sind oft sehr froh und gewiss auch sehr stolz. Wir haben sehr viel positives Feedback. Und es stimmt, es ist eigentlich nicht normal, dass man, wenn man zum Beispiel in Rom oder Stockholm ist, zur Dänischen Botschaft geht.

Dass wir mit dem Felleshus ein Gebäude haben, das für den Besucherverkehr offen ist, ist sicher für eine Botschaft auch nicht ganz üblich. Das Felleshus soll Transparenz unserer Arbeit schaffen und Kontakt mit Bürgern aus Berlin herstellen. 2008 kamen so viele Besucher wie noch nie zuvor, wir hatten mit 97 000 Gästen einen Besucherrekord. Das bedeutet, täglich kommen durchschnittlich 300 Gäste zu uns. Und 2009 rechnen wir schon jetzt mit mehr als 100 000 Besuchern. 500 Veranstaltungen pro Jahr finden bei uns statt. Unser Haus ist voll belegt. Es gibt ständig wechselnde Ausstellungen, eine pro Land pro Jahr und eine gemeinsame nordische Ausstellung. Es ist also immer etwas für die Sinne, für den Kopf...

KULTURHUS BERLIN: ... und dann noch für den Bauch. Das Felleshus hat auch eine Kantine. Wer macht dafür eigentlich den Speiseplan?

Lene Mortensen: Den Speiseplan macht der norwegische Koch Kenneth Gjerrud. Es gibt jeden Tag frischen Fisch, und nordische Spezialitäten – aber nicht nur – stehen auf unserer Speisekarte. Wer nordische Gerichte essen möchte, kann das in unserer Kantine: montags bis freitags von 10 bis 11.30 und ab 13 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr.

KULTURHUS BERLIN: Was ist für Sie persönlich das Schönste an den Nordischen Botschaften?

Lene Mortensen: Es ist die phantastische Architektur. Und hier meinen Arbeitsplatz zu haben, macht mich froh. Eigentlich habe ich selbst nicht geglaubt, wie inspirierend eine solche Umgebung auch für den Alltag sein kann, wie sie wirkt auf die Seele. Das habe ich schon erfahren, als ich fünf Jahre in der Dänischen Botschaft gearbeitet habe. Außerdem mag ich die Zusammenarbeit hier, dass wir miteinander eine gemeinsame Sprache sprechen.

 

Das Interview führte Ulrike Schulz.

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