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Nina Röhlcke
(c) J. Gäbler/Schwedische Botschaft

KULTURHUS BERLIN: Herzlichen Glückwunsch zu den ersten sechs Monaten in Ihrer Funktion als Kulturrätin an der Schwedischen Botschaft in Berlin. Wie bewerten Sie diese erste Zeit in Berlin? Was waren die bisherigen Sahnestückchen?

Meine erste Zeit in Berlin ist überwältigend gewesen. Für einen Kulturmenschen ist das ja, wie Weihnachten in diese Stadt zu kommen. Oder wie ich es manchmal beschreibe: Es ist, wie wenn ein Kind in einen Spielzeugladen käme. Man weiß nicht, womit man anfangen soll und man hat ständig das Gefühl, etwas Tolles zu verpassen.

KULTURHUS BERLIN: Sie sind teilweise in Deutschland, teilweise in Schweden aufgewachsen. Zuletzt haben Sie am Kulturhuset Stadsteatern, dem Stockholmer Stadttheater am Sergels Torg, im Herzen der Stadt gearbeitet. Wo ist denn Ihre kulturelle Heimat?

Ich bin als Elfjährige nach Schweden gezogen, mit der ganzen Familie, auf Grund der Arbeit meines Vaters. Wir sollten nur zwei Jahre bleiben, aber es sind bis jetzt schon fast 40 daraus geworden. Meine kulturelle Heimat ist eigentlich in beiden Ländern. Ich kann mich sehr gut mit beiden Kulturen identifizieren. Ich kann nachvollziehen, warum viele Deutsche Schweden so gut mögen und auch, was es ist, das viele Schweden an Deutschland und dessen Kultur lockt. Aber auf der professionellen Ebene kann ich natürlich viel mehr über das schwedische Kultur- und Kunstleben sagen und habe da ja auch die meisten meiner Erfahrungen gemacht. Andererseits bin ich sechs Jahre in Deutschland zur Schule gegangen und habe dadurch natürlich auch schon einiges von der deutschen Kultur mitgekriegt.

KULTURHUS BERLIN: 2015 wird die Kulturabteilung der Schwedischen Botschaft sicherlich wieder eine Menge spannender Vertreter der aktuellen, schwedischen Kulturszene nach Berlin holen. Können Sie uns einen kleinen Ausblick geben, was wir erwarten dürfen?

Ich kann schon versprechen, dass wir z.B. die Jazzkantine fortsetzen. Wir haben auch Pläne für Tanz-, Kunst- und Theatergastspiele, die bestimmt viele Leute locken werden, falls wir sie durchführen können. Ich habe allerdings Zuversicht, dass es viel Spannendes geben wird, da wir ja so viele Kooperationen mit interessanten deutschen und schwedischen Partnern haben.

KULTURHUS BERLIN: Im Norden Europas leben in vier Staaten die Samen, eine Ursprungsbevölkerung. Die Botschaften Schwedens, Norwegens und Finnlands planen für 2015 einen kulturellen Schwerpunkt auf der Region „Sápmi“ und deren Gegenwartskultur, in Kooperation mit KULTURHUS BERLIN. Welche Erwartungen haben Sie an dieses Projekt?

Dieses Projekt ist sehr spannend. Das wichtigste für uns, die Nordischen Botschaften, ist eigentlich, dass wir den Besuchern die samische Gegenwartskunst vorstellen und damit das traditionelle Bild von den Samen komplettieren möchten. Die Ausstellung enthält phantastische neue Werke  einer jungen Künstlergeneration. Sie befassen sich alle mit Themen wie Identität, Politik, Ausschluss, Umwelt und Natur. Außer der Ausstellung werden wir auch ein Rahmenprogramm präsentieren, in dem wir zum Dialog über gesellschaftliche und existentielle Fragen einladen. Und natürlich möchten wir dazu auch noch einige gute Musiker und andre Sápmi-Künstler einladen. Wir arbeiten gerade an verschiedenen Anträgen, die uns das hoffentlich möglich machen. Dabei freuen wir uns auch auf die Zusammenarbeit mit KULTURHUS BERLIN.

KULTURHUS BERLIN: In den letzten 10 Jahren haben mehrere schwedische Autoren, Musiker und Designer ihren Wohnsitz nach Berlin verlegt. Sind wirklich nur die vielzitierten günstigen Mieten der Stadt der Grund dafür? Was ist Ihre Erklärung?

Das ist wirklich ein interessantes Phänomen. Ich frage alle Schweden, die ich treffe, warum sie nach Berlin gezogen sind. Die jüngere Generation antwortet tatsächlich häufig, dass es mit der Wohnungssituation in den schwedischen Großstädten zu tun hat. Und ich glaube ihnen. Es ist sehr schwierig für junge Leute, eine eigene Wohnung in Stockholm, Göteborg oder Malmö zu bekommen. Natürlich geht das, wenn man Geld hat, aber die meisten jungen Künstler haben ja noch kein Geld, eine Wohnung zu kaufen. Sucht man dazu noch ein Atelier oder einen Übungsraum, ja, dann ist es noch schwieriger. Aber es gibt auch andere Gründe. Berlin ist eine internationale Stadt. Sie ist etwa viermal so groß wie Stockholm, und hier findet man immer Leute, die Interesse an dem haben, womit man selber arbeitet. Außerdem gibt es eine Neugierde und Toleranz bei den Berlinern, die einem immer das Gefühl gibt, willkommen zu sein.

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen Ihnen und der Schwedischen Botschaft weiterhin viel Erfolg bei der Kulturarbeit zwischen Schweden und Deutschland!

Das Interview führte Hanna Beutler-Gross

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