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Boris Boll-Johansen

Hvermandag.dk: Neue Literatur via Newsletter

Foto: Joanna Kosowska

KULTURHUS BERLIN hat Boris Boll-Johansen, den Initiator eines neuen dänischen Literaturprojektes getroffen, um mehr über das Projekt Hvermandag.dk (jeden Montag) zu erfahren.

Boll-Johansen wohnt seit etwa 10 Jahren in Berlin und hat in den letzten 20 Jahren Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geschrieben. Zu seinem Wirken gehören auch die Ausarbeitung von Illustrationen. Dazu kommen journalistische Beiträge über Deutschland und Berlin sowie die Produktion von kurzen, unterhaltsamen Informationsfilmen für Kinder und Jugendliche.

KULTURHUS BERLIN: Was ist Hvermandag, wie kam es zu Stande bzw. wer steht dahinter?

Boris Boll-Johansen: Hvermandag basiert auf einer super einfachen Idee, und genau das macht das Projekt so schön, finde ich. Der Abonnent oder die Abonnentin bekommt ein Mal pro Woche, jeden Montag, um sechs Uhr morgens, einen Text. Einfach so! Kostenlos!
Wir sind bei Hvermandag drei Lektoren und jeder von uns lädt kontinuierlich Schriftsteller ein. Wir stoßen auf viel Resonanz und bekommen Texte wie am Fließband. Die Schriftsteller finden das Projekt gut, weil es anders ist als andere Projekte. Auch unsere Leser scheinen es zu mögen. Es gibt jetzt mehr als 2.200 Abonnenten.

Unsere Bedingungen an die Schriftsteller: Der Text muss einzigartig sein, d.h. in diesem Fall: Er darf nicht irgendwo, irgendwann vorher veröffentlicht worden sein. Und jeder Text / jede E-Mail darf maximal 1.000 Wörter beinhalten.

Die Texte werden dann von uns gesammelt und einer von ihnen jeden Montag verschickt. Manchmal überarbeiten wir die Texte ein ganz klein wenig und manchmal ganz viel, je nach Bedarf, und immer in enger Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller.

Hvermandag existierte schon 2004, allerdings nur für zehn, elf Monate. Immerhin: 2.000 Abonnenten hatten sich damals auf die Mailingliste eingetragen, fast so viele wie heute. Ich habe damals aber alles allein bewerkstelligt. Das hat Spaß gemacht, war aber am Ende etwas zu langweilig und aufwendig.

Ich hatte tatsächlich das Projekt vergessen, als mich die Literaturkritikerin Kamilla Löfström im Sommer 2013 darauf aufmerksam machte, dass Hvermandag eigentlich ein cooles Projekt sei. Das hätte sie nie sagen sollen! Ich fragte sie: „Wärst du dabei, wenn ich es wiederbeleben würde?“ Denn es fehlten mir 2004 die Mitstreiter, Lektoren, mit denen ich über die Texte diskutieren konnte. Zum Glück war Kamilla sofort mit im Boot.

In der gleichen Woche haben wir dann Peter Adolphsen, einen ebenfalls in Deutschland bekannten Autor, gefragt: „Bist du dabei?“ Und auch er hat sofort ja gesagt. Das heißt, wir sind nun drei Lektoren. Und so soll es bleiben. Wenn einer geht, kommt jemand anderes. Das ist unser Plan. Wir Lektoren arbeiten ehrenamtlich, die Schriftsteller bekommen 500 Kronen pro Text. Wir haben jetzt, finde ich zumindest, ein professionalisiertes Projekt, das nun endlos laufen kann.

KULTURHUS BERLIN: Hvermandag wurde durch Crowdfunding finanziert. Was ist Crowdfunding bzw. wie lief das bei Hvermandag?

Boris Boll-Johansen: Crowdfunding nennt man auf Deutsch auch „Schwarmfinanzierung“, und das erklärt eigentlich die Sache ganz gut: Jeder, der es sich leisten kann, zahlt eine Summe, egal ob 50 Kronen, 100, 200, um ein Projekt finanziell zu unterstützen. Eine Menge Leute oder eben der Schwarm zahlt. In den USA hat man auf diese Art und Weise erhebliche Summen zusammengetragen. Kulturprojekte im kleinen Dänemark erfordern aber Bescheidenheit. Wir haben uns für 30.000 Kronen beworben; bekamen aber 37.500!

Crowdfunding ist zwar ein hartes Stück Arbeit, es lohnt sich aber, weil man - wenn es klappt - deutlich spürt, dass die Leute sich um das Projekt kümmern, das sie es haben möchten. Mit den etwas abstrakten, personenfremden staatlichen Fördermitteln im Rücken fühlt man das nicht immer.

KULTURHUS BERLIN: Was bekommt man, wenn man sich auf die Abonnentenliste von Hvermandag einträgt?

Boris Boll-Johansen: Wir haben schon eine Menge verschiedener Texte – mehr als 30 – verschickt. Die Texte sind sehr unterschiedlich. Sie werden ja von verschiedenen Schriftstellern geschrieben. Es gab Texte von jungen Poeten, älteren respektierten Autoren, und sogar von Rappern. Oder zumindest einem Rapper. Wir mögen halt die Mischung. Die Grundidee ist die Vielfalt der dänischen Literatur zu präsentieren. Und weil es kostenlos ist, und so einfach ist, können auch sogenannte Laien dabei sein! Nein, Laien darf man nicht sagen; aber es geht nichts desto trotz auch darum, Literatur für verschiedene Leute zu präsentieren. Und gerne auch für Menschen, die den Zugang zu der hoch aktuellen dänischen Literatur aus welchen Grund auch immer nicht so einfach finden.

KULTURHUS BERLIN: Warum gibt Hvermandag Literatur in Form eines Newsletters heraus und nicht z.B. in einem Blog oder ganz einfach als Buch?

Boris Boll-Johansen: Es gibt ungefähr eintausend verschiedene Möglichkeiten, wenn es um Internet und Literatur geht. Ich finde aber, dass eine E-Mail an sich eine ganz ansprechende Form liefert. Das ist wie ein elektronisches Geschenk jeden Montagmorgen. Das sagen auch viele Abonnenten. Man lässt sich überraschen. Wer hat den Text diese Woche geschrieben? Kenne ich ihn oder sie? Mag ich den Text? Literatur als Überraschung in einem wohlbekannten Medien-Milieu, so kann man Hvermandag auch sehen.

Das Interview führte Dorte Bruun Christensen.

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