Datenschutzerklärung   Kontakt/Impressum  Suche       Druckansicht
   

Prof. Otto Fischer
Otto Fischer

KULTURHUS BERLIN: Herr Prof. Fischer, Sie sind seit 1. Oktober Inhaber der Dag-Hammarskjöld-Professur am Nordeuropainstitut (NI). Wir gratulieren zu Ihrem neuen Auftrag! Was ist Ihr erster Eindruck von Berlin?

Ich kenne die Stadt seit Langem und bin seit gut 20 Jahren für Forschung, Kultur und Freunde regelmäßig hergekommen. Aber die Professur gibt mir nun die Möglichkeit, zum ersten Mal hier auf Dauer zu wohnen. Für mich zählt Berlin zu den interessantesten Städten Europas: bunt, gemischt, und obwohl irgendwie ein wenig bissig, so doch im Grunde genommen entspannt.

KULTURHUS BERLIN: Was ist Ihr Forschungsschwerpunkt und was sind Ihre Erwartungen an Ihre Zeit am NI?

Im Moment arbeite ich an einigen verschiedenen Projekten: Das eine handelt von Archivpraktiken im 18. Jahrhundert, wo das Archiv in gewissen Kreisen als Speicher (und deshalb auch Förderer) intimer Emotionalität funktionierte. Das andere handelt von den Versuchen der SPD und anderer antinazistischer Akteure Anfang der 30er Jahre, die Funktionsweise der NS-Propaganda zu bewerten und Mittel dagegen zu finden. Außerdem bin ich in der Vorbereitung eines größeren Projekts über das sogenannte „Millionenprogramm,“ eines riesigen schwedischen Bauprojekts, in dem zwischen 1965 und 1975 fast 1.000.000 moderne Wohnungen gebaut wurden. Der Begriff „Millionenprogramm“ wird heute häufig mit Segregation, Kriminalität und soziale Brennpunkten assoziiert, aber das Projekt zielt darauf ab, die Vielfalt der Narrative abzudecken, die das gegenwärtige Narrativ geformt haben. Darüber hinaus beschäftige ich mich im Moment sehr mit Theorien und Methoden der Emotionsgeschichte. Berlin bietet für mich, wahrscheinlich wegen der Menschen hier, der Forschergruppen, Archivbestände und Bibliotheken das beste Milieu der Welt, um diese verschiedenen Interessen verfolgen zu können. Ich freue mich auf die Möglichkeit, meine Forschung hier fortzusetzen.

KULTURHUS BERLIN: Sie waren zuletzt an der Universität Uppsala am Institut für Literaturwissenschaften tätig. Welche Unterschiede sehen Sie zwischen dem deutschen und dem schwedischen Wissenschaftsbetrieb, besonders in der Literaturwissenschaft?

Obwohl ich promovierter Literaturwissenschaftler bin, bin ich seit 2005 eigentlich Rhetoriker; Rhetorik ist das zweite Fach am literaturwissenschaftlichen Institut in Uppsala. Als Rhetoriker, was jedenfalls für mich gleichbedeutend mit etwa „geisteswissenschaftlich und historisch orientierter Kommunikationswissenschaftler“ ist, fühle ich mich am NI besonders zu Hause. Hier gibt es tatsächlich dieselbe fachliche Breite, wo literaturwissenschaftliche, kulturwissenschaftliche und historische Perspektiven einander ergänzen, die ich mir von einem wissenschaftlichen Milieu nach meinem Geschmack wünsche.

Aber natürlich gibt es auch wesentliche Unterschiede zum schwedischen Wissenschaftsbetrieb. Was ich in Berlin besonders schätze, ist das Weiterleben des Humboldt‘schen Ideals, wo Forschung und Lehre einander befruchten und gegenseitig fördern. Die Möglichkeit, die Lehrveranstaltungen so eng an die eigenen Forschungsinteressen anzuknüpfen, hätte ich in Schweden nicht. Das sehe ich als eine riesige Möglichkeit für mich in den kommenden Jahren.

KULTURHUS BERLIN: Nach Katarina Leppänen, Lars Mikael Raattamaa, Jorunn Sem Fure und Izabela A. Dahl werden von Dezember bis Februar noch weitere Gastdozenten in der Dag-Hammarskjöld-Vorlesungsreihe erwartet. Die Reihe steht unter dem übergreifenden Thema „Austausche über letzte Dinge, und andere“. Können Sie uns schon etwas zu den weiteren Gästen verraten?

Gern! Im Dezember kommt zunächst Ylva Habel zu uns, sie ist Dozentin der Ästhetik an der Hochschule Södertörn (Södertörns Högskola), Stockholm und beschäftigt sich mit Fragen zu Kultur, Medien, Gender und „critical race studies“. Im Januar und Februar kommen dann Mattias Ronge, Romanverfasser und PR-Berater, Athena Farokhzad, Poetin, Kritikerin und politische Aktivistin und schließlich Kristina Fjelkestam, derzeit Professorin der Literaturwissenschaft an der Universität Linköpings, ab 1. Januar am Institut für Geschlechterstudien an der Universität Stockholms tätig.

KULTURHUS BERLIN: Herr Fischer, wir danken Ihnen für das Interview!

Hier geht es zur Dag-Hammarskjöld-Vorlesungsreihe im Wintersemester 2014/15.

Das Interview führte Hanna Gross.

Unsere aktuellen Veranstaltungen

Oktober - 2020
M D M D F S S
  01 02 03 04
05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31  

Keine News in dieser Ansicht.

Logo des Kulturhus Berlin e.V. KULTURHUS BERLIN | Tel (Mo-Mi/Fr): +49.(0)30.2093-4952 | Email: info (at) kulturhus-berlin.de