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Prof. Janke Klok
Janke Klok

KULTURHUS BERLIN: Frau Prof. Klok, Sie sind seit 1. Oktober Inhaberin der Henrik-Steffens-Professur am Nordeuropainstitut (NI). Wo waren Sie bisher tätig?

Nach meinen Studium der nordischen Sprache und Literatur habe ich mehrere Jahre als professionelle Literaturübersetzerin und als Redakteurin für Anthologien, für eine literarische Zeitschrift und einen auf nordische Literatur spezialisierten Verlag gearbeitet, verbunden mit einem Lehrauftrag in Groningen. 2011 verteidigte ich dann meine Doktorarbeit mit dem Titel Det norske litterære Feminapolis 1880-1980. Skram, Undset, Sandel og Haslunds byromaner – mot en ny modernistisk genre“ (Die norwegische literarische Feminapolis 1880-1980. Skram, Undset, Sandel und Haslunds Stadtromane – der Weg zu einem neuen modernistischen Genre), in der ich mich mit der literarischen Repräsentation von Frauen in der Stadt befasste. An der Universität Groningen sowie als Gastdozentin in Amsterdam, Gent und Bergen habe ich Norwegisch und nordische Literatur, nordische Kulturwissenschaft, zur nordischen und europäischen Stadt in der Literatur, Übersetzungstheorie, Gender Studies, norwegische Kultur und Sprache sowie Kulturvermittlung gelehrt.

KULTURHUS BERLIN: Welches sind aktuelle Themen der Kulturvermittlung?

In der Kulturvermittlung gibt es mehrere spannende Themen: die arktische Region, die Begegnung des Nordens mit neuen Kulturen, die die Migration mit sich führt und die Suche nach anderen Lösungen, den ökologischen und politischen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. Auch in den Bereichen nordische Literatur, Musik, Film und Jugendkultur passiert sehr viel und das anhaltende Interesse für die Urbevölkerung des Nordens, seine Mythologie, Abenteuer und Balladen zeigt sich in immer neuen Ausdrucksformen.

KULTURHUS BERLIN: Was ist Ihr erster Eindruck von Berlin?

Wenn es um meinen ersten Eindruck von Berlin geht, muss ich etwas vorsichtig sein, um nicht allzu lyrisch zu werden. Seit dem ersten Augenblick meiner Ankunft in dieser Stadt – und ich war im Prinzip noch nie zuvor hier - wurde ich von der Berliner Mischung aus Ruhe und Betriebsamkeit verzaubert. Ich finde die großen Ausblicke der Stadt faszinierend, ob es dabei nun um die Restaurierung des Neuen Museums oder den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses geht oder einfach um den Berliner Alltag. Als ich das erste Mal die S-Bahn nahm, schien es, als ob alle sitzen und ein Buch lesen würden, oder ein Fahrrad mit in die Bahn genommen hätten. So war es nicht wirklich, aber die Kombination aus Aktivität und Stille war präsent. Wenn ich jetzt abends vom Nordeuropa-Institut nach Hause radle, erfreue ich mich an der Betriebsamkeit auf den dunklen Straßen und Gehwegen, wo Leute noch zu später Stunde draußen sitzen und sich miteinander unterhalten.

KULTURHUS BERLIN: Was ist Ihr Forschungsschwerpunkt und was sind Ihre Erwartungen für dieses erste Semester am NI?

Auf dem Gebiet der Literaturwissenschaften gilt mein spezielles Interesse der Literaturrezeption, sowohl im nationalen, als auch im internationalen Kontext, und den Mechanismen und Prozessen, die diesen Rezeptionen zugrunde liegen. Literarische und kulturelle Netzwerke, Kulturvermittlung, der kulturelle „Turn“ und soziologische „Turn“ in der Übersetzungstheorie, die kulturelle Repräsentation in verschiedenen Medien und die weibliche Perspektive sind Schwerpunkte meiner Forschung. In verschiedenen Sprachumgebungen tätig zu sein, betrachte ich als eine Herausforderung und eine Verantwortung. (Fremde) Kulturen der Vergangenheit und der Gegenwart sichtbar zu machen und ein Interesse für diese zu schaffen sehe ich als eine wichtige Aufgabe für die geisteswissenschaftliche Forschung von heute an. Die Henrik-Steffens-Vorlesungsreihe ist dafür eine fantastische Plattform, wie ich finde. Am NI hoffe ich, Studenten und junge Forscher anregen zu können, neugierig auf die Themen zu werden, die ich lehre, und darüber zu schreiben. In diesem ersten Semester sind die Themen „Die literarische Arktis in Deutschland“ („Det litterære Arktis i Tyskland”) und „Die Geheimnisse mündlicher Literatur des Nordens“ („Nordens muntlige litteraturs hemmeligheter”). Im nächsten Semester werden es „Die Jugendliteratur des Nordens – ein zweideutiges Genre“ („Nordens ungdomslitteratur – en tvetydig genre”) und „Die unbekannte Arktis – über die weiblichen Erfahrungen und Schilderungen des hohen Nordens“ („Det ukjente Arktis – om kvinnenes opplevelse og skildringer av det høye Nord”) sein.

KULTURHUS BERLIN: Der Titel der Vorlesungsreihe der Henrik-Steffens-Professur, in der skandinavische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und weitere Personen des öffentlichen Lebens aus ihrem Fachgebiet berichten, lautet: Vindu mot det nye Norden: Ideer på reisefot i det 21. århundre- modernitetens ulike stemmer (Fenster zum neuen Norden: Ideen auf Reisen im 21. Jahrhundert – unterschiedliche Stimmen der Modernität). Auf welche spannenden Gäste dürfen wir uns freuen?

Bis Weihnachten dürfen wir uns auf Henning Howlid Wærp freuen, er ist Verfasser und Forscher an der Universität von Tromsø. Sein Vortrag trägt den Titel Frau utkant til Arktis- Skiftende bilder av Nord-Norge (Vom Abseits zur Arktis- Wechselnde Bilder von Nordnorwegen) und findet am 3. November auf Norwegisch statt. Am 17. November ist Astrid Nora Ressem zu Gast bei uns, sie forscht am Norwegischen Nationalen Liedarchiv in Oslo (Norsk visearkiv) und wird über ihre Arbeit, das Sammeln von Melodien zu alten Texten berichten. Sie ist Redakteurin des vierbändigen Werks Norske Middelalders ballader Melodier (Norwegische Melodien, Balladen des Mittelalters). Am 24. November gibt es einen Doppelvortrag, wenn Jorunn Sem Fure (Direktorin des Museums Telemark) und Izabela A. Dahl (Forscherin an der Universität Göteborg) das Thema Skandinavien als Zuflucht für jüdische Intellektuelle 1933-1945 präsentieren werden. Diese Vorlesung organisiere ich in Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Otto Fischer (Dag-Hammarskjöld-Professur am Nordeuropa-Institut). Am 1. Dezember dürfen wir uns auf den Komponisten und Verfasser Eivind Buene freuen, der einen Vortrag über das Verhältnis zwischen Literatur und Musik, Noter til litteraturen. Forholdet mellom litteratur og musikk (Noten zur Literatur. Das Verhältnis von Literatur und Musik) halten wird. Und die letzte Vorlesung vor Weihnachten steht im Zeichen des 200. Jubiläums der norwegischen Verfassung. Am 15. Dezember werden Torill Steinfeld, Professorin für Nordische Sprache und Literatur an der Universität Oslo und Eirinn Larsen, Seniorforscherin an der Norwegian Business School BI, Oslo uns mit den wechselnden Rollen von Frauen und ihrer politischen Identität vor, während und nach dem neuen norwegischen Grundgesetz von 1814 vertraut machen. Ich möchte gern auf die Seite des NI für weitere Informationen verweisen und heiße alle herzlich willkommen zu den Henrik-Steffens-Vorlesungen im Wintersemester 2014 – 2015

Frau Prof. Klok, wir danken Ihnen herzlich für das Interview!

Die Fragen stellte Hanna Gross.

 

Zur Person:

Frau Prof. Dr. Janke Klok arbeitete nach Ihrem Studium der nordischen Sprache und Literatur mehrere Jahre als professionelle Literaturübersetzerin und als Redakteurin für „Anthologien“, eine literarische Zeitschrift und einen auf nordische Literatur spezialisierten Verlag, verbunden mit einem Lehrauftrag in Groningen. Ihre Doktorarbeit schrieb sie 2011 zum Thema Det norske litterære Feminapolis 1880-1980. Skram, Undset, Sandel og Haslunds byromaner – mot en ny modernistisk genre“ (Die norwegische literarische Feminapolis 1880-1980. Skram, Undset, Sandel und Haslunds Stadtromane – der Weg zu einem neuen modernistischen Genre), in der es um die literarische Repräsentation von Frauen in der Stadt geht. An der Universität Groningen sowie als Gastdozentin in Amsterdam, Gent und Bergen lehrte Prof. Klok Norwegisch und nordische Literatur, nordische Kulturwissenschaft, zur nordischen und europäischen Stadt in der Literatur, Übersetzungstheorie, Gender Studies, norwegische Kultur und Sprache sowie Kulturvermittlung. Seit 1. Oktober ist Prof. Klok Inhaberin der Henrik-Steffens-Professur am Nordeuropainstitut (NI) der Humboldt-Universität zu Berlin.

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