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Publikationen zu Edvard Munch

Nach einem spannenden Munch-Festjahr, das mit einer Vielzahl von Veranstaltungen auch hierzulande aufwartete, möchten wir Ihnen Bücher vorstellen, die unsere geladenen Gäste im Laufe von „150 Jahre Munch | Berlin“ persönlich besprachen. Wer nicht dabei sein konnte bzw. sich darin vertiefen möchte, kann sich hiervon gerne anregen lassen – denn Munch bleibt weiterhin modern und aktuell zugleich.

 

(c) Oslo Forlaget Press
Bjarne Riiser Gundersen

Bjarne Riiser Gundersen & Poul Erik Tøjner: Skrik. Historien om et Bilde

Edvard Munchs Der Schrei zählt gegenwärtig wohl zu den teuersten und fortdauernd wirkungsmächtigsten Bildern der Welt. Es hat zweifelsohne einen ikonischen Status erlangt; gleichzeitig wird es von manchen wie ein Fetisch begehrt und damit auf gewisse Weise inhaltlich entleert.

Um diesen beiden Betrachtungsweisen des Bildes und seiner Geschichte selbst auf den Grund zu gehen, haben sich der Journalist und studierte Ideenhistoriker Bjarne Riiser Gundersen und der Kunstkritiker und Leiter des Louisiana Museum of Modern Art Poul Erik Tøjner tief in die Faszination von Der Schrei hineinbegeben. Sie haben versucht, den Facettenreichtum des Bildes zu ergründen und dessen Tiefe wiederherzustellen. Um der Verflachung von Interpretationen etwas entgegenzusetzen, sind sie beide sowohl inhaltlich als auch stilistisch vielfältig vorgegangen. So haben sie sich abwechselnd journalistisch, (kunst)historisch und essayistisch Aspekten wie der Bildentstehung, der Rezeption, der Popularisierung, der Medialisierung uvm. gewidmet und schaffen es, kritische Blicke auf die nivellierte Wahrnehmung des Bildes zu werfen.

Oslo: Forlaget Press, 2013, 415 S., ISBN: 9788275473200 (Sprache: Norwegisch)


>> Vollständige Rezension von Ina Juckel

 

 

 

Steffen Kverneland: Munch

avant-Verlag, 2013; ISBN: 3-939080-80-0 (auf Deutsch) od. 82-8255-026-0 (norwegisches Exemplar: No Comprendo Press, 2013)

Wie kein anderer zuvor hat es Steffen Kverneland geschafft, das vielschichtige Wesen von Edvard Munch in Bildern und Worten so originell zu Papier zu bringen. Seine in Norwegen bereits prämierte Graphic Novel, die letztes Jahr auch in deutscher Fassung beim avant-Verlag erschien, übertrifft die Darstellungsweisen manch einer sonst üblichen Prosabiografie zum Künstler.

Zum einen spricht für Kvernelands einzigartige Annäherung nicht nur das Genre der Graphic Novel an sich, sondern auch die gründliche wissenschaftliche Fundierung seiner Sicht auf Munchs Leben. Hierfür kann der Leser beispielsweise nach oder während der Lektüre schnell im Quellenverzeichnis schauen, wenn er die Hintergründe für die jeweiligen Comicszenen nachvollziehen möchte; ganz zu schweigen von der Masse an Literatur, die Kverneland einfließen ließ. Das Besondere daran ist, dass Kverneland den Anspruch der Authentizität damit originell neu formuliert: je direkter Munchs Aussagen Verwendung finden, sei es aus Briefen, Notizen von Zeitgenossen usw., desto mehr kann sich der Leser ganz wie Munch verhalten, der sagte: „Ich male nicht das, was ich sehe, sondern das, was ich sah“. So kann der Leser der Kverneland’schen Graphic Novel seine eigene Sichtweise auf das Künstlerleben entwickeln, auch wenn Kverneland selbst zugibt, dass es ihm immer schwerer gefallen sei, sich von seinem Protagonisten zu distanzieren – aber dafür ist wahrscheinlich vielmehr die intensive Arbeit über eine Dauer von sieben Jahren verantwortlich.

Zum anderen muss Kverneland eine äußerst große Raffinesse bei der zeichnerischen Gestaltung der Charaktere zugesprochen werden. Egal, welchen Hitz- und Sturkopf man hier und da vor Augen hat, Kverneland bringt den Maler und seine Zeitgenossen differenziert zum Leben. Besonders seine unterschiedliche, gekonnte Weise, den jungen und den älteren, zurückblickenden Munch pointiert einzusetzen, um die Selbstsicht, die Munch in seinen zahllosen Aufzeichnungen kultivierte, zu vermitteln, ist großartig. Genauso weiß er es, Munchs Bilder nachzuempfinden, sodass man als Kenner von Munchs Bildern teilweise sprachlos über einer Seite brütet und sich fragt, wie er das nur schafft, sie so getreu wiederzugeben. In einem Vortrag merkte Kverneland einmal an, dass er sich durchaus gut in verschiedenste Malweisen hineinarbeiten könne – wer weiß, vielleicht sehen wir bald einen weiteren Maler als sein Sujet?

Nahezu erfrischend wirkt die Offenheit des Graphic Novel-Künstlers, indem er sich und seinen geschätzten Kollegen, Lars Fiske*, in die Geschichte einbindet – so sieht man sie beide Posituren, wie die vom Schrei oder dem melancholischen Mann am Åsgårdstrand, nachvollziehen und über die Methodik der eigenen Erzählweise nachdenken. Dabei kommen interessante Thesen zum Vorschein, die die Munch-Rezeption aufgreifen und stellenweise auf interessante Weise fortentwickeln. Nicht zu vergessen sei jedoch der Humor, den Kverneland auf Munch überträgt und damit den Mythos des grübelnden, depressiv verstimmten Künstlers hinterfragt. Was er bislang in den KANON-Veröffentlichungen** ausschnittsweise darstellen konnte, liegt mit der Veröffentlichung als zusammenhängende Biografie bei No Comprendo Press bzw. avant-Verlag endlich in vollendeter Form in des Lesers Hand.

Kurzum: Steffen Kvernelands Munch-Biografie ist ein wahres Erlebnis, das den Künstler und sein Werk auf ungekannte Art und Weise an die eigene Gefühlswelt heranbringt. Wer sich dies nicht entgehen lassen möchte, kann sich gerne an unsere Partner von Pankebuch – Die schönsten Bücher des Nordens oder seine Buchhandlung des Vertrauens wenden.

Rezension von Ina Juckel

*Lars Fiske setzte sich mit dem Leben und Werk von Kurt Schwitters auseinander. Letztes Jahr erschienen die deutsche und die norwegische Ausgabe seiner Graphic Novel Kurt Schwitters: Jetzt nenne ich mich selbst Merz. Herr Merz (ISBN: 3-939080-79-4) beim avant-Verlag und No Comprendo Press (ISBN: 82-8255-016-1).

**In den KANON-Ausgaben von Steffen Kverneland und Lars Fiske sind bereits Teile ihrer nun vollständig herausgegeben Graphic Novels zu Munch und Merz zu finden. Mehr Informationen unter www.nocomprendopress.com.

 

Hans Dieter Huber: Edvard Munch. Tanz des Lebens

Stuttgart: Reclam 2013, ISBN: 3-15-010937-3

„Er hatte stets Angst gehabt, vielleicht ebenso frühzeitig sterben zu müssen wie seine Mutter, seine Schwestern oder sein Bruder. Einen kränkelnden, hypochondrischen Junggesellen hatte ihn sein bester deutscher Freund, Gustav Schiefler, einmal genannt. Und er wurde doch über achtzig Jahre alt. Nun war er selbst in das Land der Kristalle eingegangen, wie er es sich schon 1896 in Paris vorgestellt hatte.“ (Hans Dieter Huber, 165)

Mit diesen Worten gibt Hans Dieter Huber, Autor der kürzlich bei Reclam erschienenen Biografie Edvard Munch. Tanz des Lebens, zum Ende seines Buches einen kurze, jedoch treffende Charakterisierung von Munchs Leben und seiner Angst im Laufe desselben, dass ihm vielleicht nicht genug Zeit beschieden sei, um sein Werk so weit wie möglich zu vollenden. Zum Schluss hoffte Munch, dass aus seiner Lebensenergie Neues entstehen würde, ja, dass er als Teil des irdischen Stoffwechsels in die Ewigkeit übergehen würde. Wer einmal das Bild Metabolismus (1898/99) aus seiner Hand gesehen hat, sieht genau dieses Leitprinzip seiner Weltsicht darin ausdrucksstark in Szene gesetzt.

Doch bis es zum Todespunkt Munchs in Hubers Biografie kommt, liegt eine lange Reise durch das Leben des berühmten und zugleich sehr eigenwilligen Künstlers vor dem Leser. Als Professor für Kunstgeschichte der Gegenwart, Kunsttheorie und Ästhetik vermag Huber ein differenziertes, wenn auch manchmal sehr interpretationslastiges Bild des Künstlers und seines Werks vorzustellen. Was hervorsticht, sind zum einen seine Expertise als Kunstwissenschaftler, zum anderen seine Liebe zum Detail. So versucht Huber, ein rundes Bild Edvard Munchs und seiner Zeit zu vermitteln, was teils beeindruckend, teils aber auch etwas überlastet wirkt. Nichtsdestotrotz erfährt der Leser den ein oder anderen Fakt, der durch Hubers Darstellung hervorgehoben wird, beispielsweise dass Größen wie der Polarforscher Fridtjof Nansen und der Kunstsammler Olaf Schou einst für Munch bürgten, sodass er – zeitweilig völlig mittellos – einen Kredit aufnehmen konnte.

Was Huber dazu veranlasst, das Verhältnis Munchs zu seiner Tante Karen als angespannt zu beschreiben, scheint jedoch fragwürdig, da dies sonst in der Rezeption Munchs in Bezug auf seine Tante als sehr liebevoll und wohlwollend eingeschätzt wird. Hier liegt es am Leser, dies selbst nachzuprüfen, wofür die zahlreichen Briefe Munchs, die auf www.emunch.no zur Verfügung gestellt werden, dienlich sind.

Als sehr interessante These Hubers erweist sich allerdings der Gedanke, dass Munch im Laufe seiner schöpferischen Tätigkeit eine Wandlung von dunklen inneren Räumen hin zu hellen Darstellungsweisen einer Außenperspektive wechselte. Diese und weitere anregende Gedanken und Querverbindungen zu Munchs Zeitgenossen und dem (kunst)geschichtlichen Kontext machen die Lektüre von Hubers Biografie spannend, informativ sowie unterhaltsam zugleich.

Eine durchaus umfassende Lebens- und Werkgeschichte erwartet den Leser mit Hubers Annäherung an den Vorzeigekünstler Norwegens, dessen Verhältnis auch zu deutschen Künstlern, Intellektuellen und Mäzenen hierin nachvollzogen wird. Insbesondere die zahlreichen Bildanalysen des Autors öffnen den Blick für den schöpferischen Geist hinter weltbekannten Werken aus dessen Feder bzw. Pinsel. So wie Munch mit seinem Tod ins „Land der Kristalle“ überging, kann der Leser die Edelsteine seines Schaffens aus kunsthistorischer und –analytischer Perspektive neu erleben.

Rezension von Ina Juckel


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