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Peter Torkelsson

„Die beste Berlinale, die ich jemals erlebt habe“

Die Berlinale ist nicht nur ein riesiges Publikumsfestival, sondern auch eine große Messe. Der parallel stattfindende European Film Market (EFM), größtenteils im Martin-Gropius-Bau angesiedelt, ist einer der wichtigsten Filmmärkte weltweit, auf dem Rechte verkauft und Kontakte geknüpft werden. Internationale Lizenzhändler, so genannte Weltvertriebe, präsentieren ihr Programm an Messeständen und in speziellen nicht-öffentlichen Filmvorführungen, und Filmeinkäufer und Festivalvertreter aus allen Teilen der Erde begeben sich auf die Suche nach geeigneten Titeln. KULTURHUS BERLIN sprach mit Peter Torkelsson, der für die Produktionsfirma Svensk Filmindustri skandinavische Filme an Filmverleiher und Fernsehsender in aller Welt verkauft.

 

KULTURHUS BERLIN: Was ist Ihr Job?

Peter Torkelsson: Ich bin Sales Agent, also Verkäufer, bei Svensk Filmindustri und dort für mehrere Territorien verantwortlich, z.B. Spanien, Portugal, Lateinamerika, Osteuropa und Asien.

 

Was genau macht denn Ihre Firma?

Svensk Filmindustri besteht seit 95 Jahren, und wir sind vor allem eine Produktionsfirma. Jährlich produzieren wir etwa 15 neue Filme und Fernsehserien. Weil es uns schon so lange gibt, enthält unser Katalog viele Klassiker: Filme von Ingmar Bergman beispielsweise oder die Astrid-Lindgren-Verfilmungen über Pippi, Michel und all die anderen. Diese sowie die neuen Produktionen vermarkten wir an die Territorien, bei denen wir kommerzielles Potenzial sehen – dafür stellen wir klassische Werbematerialien her, zeigen die Filme auf Märkten wie diesem und arrangieren Treffen mit den jeweiligen Firmenvertreterinnen und -vertretern. Und wenn wir Glück haben, ergibt sich auch aus einer Zufallsbegegnung hier am Stand eine geschäftliche Zusammenarbeit.

 

Sie haben auf der Berlinale also viel zu tun?

Ja, so ein Festival ist immer vollgepackt mit Terminen. Wir haben hier ca. 15-20 Meetings am Tag – pro Person! Diese Besprechungen dauern jeweils etwa eine halbe Stunde, und sie erfordern eine gute Vorbereitung. Zum einen muss man natürlich seine eigenen Titel gut kennen und abrufbereit im Kopf haben, zum anderen sollte man eine Ahnung davon haben, wonach die Kundin oder der Kunde sucht. Natürlich lässt sich das auch in den ersten Minuten abfragen, aber besser ist es, direkt passende Titel präsentieren zu können. Wir versuchen also, unsere Meetings so effizient wie möglich zu gestalten, denn natürlich wollen wir, dass sie zu einem Vertragsabschluss führen – oder wenigstens zu einem guten Geschäftsverhältnis in der Zukunft. Für die Einkäuferinnen und Einkäufer dienen diese Treffen somit auch dazu, unsere Firma besser kennen zu lernen und künftig einschätzen zu können, welches Programm sie von uns erwarten können.

 

Wurden in diesem Jahr von Ihnen produzierte Filme im offiziellen Festivalprogramm gezeigt?

Nein, ausnahmsweise nicht. Meistens sind wir mit einem bis zwei Filmen in den verschiedenen Sektionen vertreten, aber in diesem Jahr war keiner dabei. Wir haben aber fünf neue Filme in mehreren Vorführungen hier auf dem EFM (European Film Market) gezeigt: einen Thriller, ein Drama, ein Kriegs-Liebesdrama und zwei Kinderfilme.

 

Haben Sie nur Filme aus den nordischen Ländern im Programm?

Ja. Die Filme, die wir in diesem Jahr gezeigt haben, kommen aus Schweden, Norwegen und Dänemark.

 

Gibt es etwas, das Sie an der Berlinale, im Vergleich zu anderen Festivals, besonders mögen – oder gerade nicht?

Normalerweise ist die Berlinale für mich – und viele meiner Kundinnen und Kunden – eher zäh, weil das Wetter häufig so furchtbar ist. Das Festival findet einfach zur falschen Jahreszeit statt! Deshalb war die diesjährige Berlinale auch die beste, die ich jemals erlebt habe: wegen der Sonne! Alle waren besser gelaunt und die Gespräche viel netter, wenn die Sonne durchs Fenster schien. Das kommt auch dem Geschäft zugute: In einer sonnigen Woche in Cannes oder Los Angeles lässt es sich einfach viel besser verhandeln. Dass diese Berlinale für uns hervorragende Verkäufe mit sich gebracht hat, hat meiner Meinung nach auch mit dem frühlingshaften Wetter zu tun.

Insgesamt ist der EFM der Berlinale aber natürlich ein wichtiger Markt für uns, und wir haben hier ideale Gegebenheiten. Wir teilen uns mit den anderen großen Weltvertrieben aus Skandinavien sowie den nationalen Filminstituten aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden einen Raum im Martin-Gropius-Bau, was sehr angenehm und wegen der engen Zusammenarbeit natürlich praktisch ist.

 

Welche Filme aus Ihrem aktuellen Programm können wir demnächst in Deutschland sehen?

Der zweite Teil der norwegischen „Karsten und Petra“-Reihe nach den Kinderbüchern von Tor Åge Bringsværd und Anne G. Holt, „Karsten og Petra på vinterferie“, wurde nach Deutschland verkauft. Und das dänische Drama „1864“ von Ole Bornedal hat ebenfalls einen deutschen Verleih gefunden. Darin wird eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der historischen Schlacht bei den Düppelner Schanzen im Deutsch-Dänischen Krieg erzählt.

 

Wir sind gespannt. Vielen Dank für das Gespräch und gute Heimreise nach Stockholm!

Das Gespräch führte Nele Kirchner

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