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RückblickJubiläumGrußwort

Frau Prof. Stefanie von Schnurbein, Professorin für Neuere Skandinavische Literaturen, Nordeuropa-Institut, Humboldt-Universität zu Berlin:

"Mensch Kulturhus, wenn es dich nicht gäbe!

Das oder Ähnliches habe ich mir in den letzten zehn Jahren oft gedacht. Als ich vor dreizehn Jahren als frischgebackene Professorin für Skandinavistik am Nordeuropa-Institut landete, begegnete mir ein lebhaftes, inspirierendes Milieu, das sich begeistert mit Skandinavien beschäftigte – aus allen möglichen Blickwinkeln. Da war in den Jahren nach der Wende ein Institut entstanden, das sich nicht nur akademisch mit Literatur, Sprache, Kultur und Geschichte Nordeuropas beschäftigte, sondern auch eines, das sich in der ebenfalls nicht sehr alten Hauptstadt intensiv vernetzte. Und das hatte Konsequenzen. Zusammen mit den Nordischen Botschaften wurde es nämlich immer mehr zu einem Ort, an dem sich alles versammelte, was irgendwie mit dem skandinavischem Kulturleben zusammenhing. Schnell kam es dazu, dass Aufgaben, die eigentlich Kulturinstituten zukommen, von den Botschaften und dem Nordeuropa-Institut übernommen wurden. Denn bis auf Finnland leistete sich keines der nordeuropäischen Länder ein Kulturinstitut in Berlin. Ein nicht enden wollender Strom von Besuchergruppen aus Skandinavien lief bei uns ein, Anfragen von Journalisten und Veranstaltern bezüglich skandinavischer Kultur und Literatur wollten beantwortet werden. Berlin wollte populäre Lesungen, Podiumsdiskussionen, Vorträge.

Und so weiter, und so fort. Eine Riesenchance, gewiss. Doch auch eine Überforderung für unsereins, die sich ja mit Forschung, Lehre, Universitätsverwaltung und –politik zu beschäftigen hatten. Und wohl auch eine Überforderung für so manche Botschaftsangehörige. Oft lamentierten wir gemeinsam, dass man eigentlich ein skandinavisches Kulturinstitut brauche, um Aufgaben solcher Art besser zu koordinieren. Wer hätte gedacht, dass so etwas nicht von Regierungsseite der nordischen Staaten ins Leben gerufen werden sollte, sondern von einer Handvoll junger Leute, die gerade dabei waren, am Nordeuropa-Institut ihr Magisterexamen abzulegen.

Innerhalb weniger Jahre hatten diese fünf bis sieben Skandinavistinnen und Skandinavisten etwas auf die Beine gestellt, wonach wir uns jahrelang die Finger geleckt hatten. Es gab nun einen Verein, der genau dafür zuständig war, was wir so schätzten, und für so wichtig hielten, aber was uns manchmal einfach auch zu viel wurde. Entstanden war, ich zitiere aus der Satzung:

“Ein Verein zur Förderung von Kultur, Wissenschaft und Bildung in Deutschland und Nordeuropa einschließlich der Länder der Ostseeregion mit dem Schwerpunkt der Erforschung und Vermittlung der  Kulturen Nordeuropas und des Ostseeraums.“

Ein Verein, der sich kümmern wollte um „die Veranstaltung von Lesungen und Ausstellungen, die Durchführung von kulturellen Projekten in Zusammenarbeit mit Kulturschaffenden aus dem nordeuropäischen Raum/der Ostseeregion.“ Und sogar um „die Durchführung von wissenschaftlichen Forschungsprojekten in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus dem nordeuropäischen Raum/der Ostseeregion.“

Keine Frage, dass das Nordeuropa-Institut einen solchen Verein mehr als gern in seinen Räumen aufnahm. Über das letzte Jahrzehnt wurden die Aktivitäten immer vielfältiger: Stadtführungen auf den Spuren berühmter Skandinavier in Berlin - der mittlerweile zur beliebten Institution gewordene Nordische Filmklub, bei dem auch wir WissenschaftlerInnen uns über die neuesten Filme informieren. Lesungen mit bekannten und weniger bekannten Autorinnen und Autoren. Vorträge, und Feste natürlich – es sind zu viele, um sie alle zu nennen. Und schließlich die Tagungen, an denen Wissenschaft, Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit zusammenkommen. Ich denke dabei vor allem an die aktuell zur Pisastudie veranstaltete hochkarätige Konferenz „Vorbildfunktion vs. Entsorgungspädagogik“ im Jahr 2006.

Mir ist ein Ereignis der jüngeren Zeit ganz besonders im Gedächtnis geblieben, weil es so symptomatisch für die Erfolgsgeschichte des Kulturhus ist. Vor nicht allzu vielen Monaten erreichte uns am Nordeuropa-Institut eine nicht ganz unaufgeregte Kooperationsanfrage des Kulturhus: eine Delegation des Nordischen Rats plante einen Berlinbesuch und wollte sich auch über kulturelle Zusammenarbeit informieren. Dabei war der Blick auf Kulturhus als wichtige skandinavisch orientierte Kulturinstitution gefallen. Die Anfrage ging also zuerst an Kulturhus, das Nordeuropa-Institut machte die Veranstaltung mit – als dankbarer Trittbrettfahrer – und eben nicht umgekehrt. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Rechnung aufgegangen ist, dass die Idee Kulturhus Wurzeln geschlagen hat.
Was ich damit sagen will? Kulturhus hat sich in den kurzen zehn Jahren seines Bestehens als kulturelle Institution im nordisch-berliner Leben fest etabliert.

Dass seine Attraktivität gewinnt, sieht man an der Zahl der Aktiven, die von der erwähnten Handvoll mittlerweile auf fünfzehn Engagierte gestiegen ist. Man sieht es auch am Kaliber der für die nächste Zeit geplanten Veranstaltungen. Kulturhus mischt mit beim Munch-Jubiläum und arbeitet hier mit der Norwegischen Botschaft zusammen. Kulturhus plant eine Ausstellung über die dänische Stadt Aarhus in diesen Räumen. Und Kulturhus geht im kommenden Winter erstmals selbst auf Reisen – nach Jokkmokk zum Wintermarkt. Da bleibt nur zu hoffen, dass Ihr nicht mit dem Rentierschlitten verschwindet und uns in Berlin noch lange erhalten bleibt.

Im Namen des gesamten Nordeuropa-Instituts gratuliere ich also zur ersten erfolgreichen Dekade und danke Euch von Herzen für die gewinnbringende und entlastende Zusammenarbeit."

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