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Munch in Szene gesetzt








Quelle: Munch 150

Mit einem groß angelegten Festprogramm feiert Norwegen seit der Eröffnung am 23. Januar 2013 das 150-jährige Geburtstagsjubiläum seines großen Künstlers Edvard Munch. Nun gibt es nach einer langjährigen Debatte auf lokaler Ebene eine finale Entscheidung zu dem Standort der neuen Wirkungsstätte des Munch-Museums: Das bereits zu Lebzeiten für den Künstler geplante Museum, welches bislang Besucher in den Stadtteil Tøyen lockte, zieht künftig in die Nachbarschaft zur Osloer Oper. Auch das Festjahr hält weiterhin viel Spannendes bereit und unterstreicht Munchs Bedeutung.

Neue Lage in bester Gesellschaft

Durchgesetzt hat sich bei der schwierigen Standortwahl schließlich das Konzept „Lambda“ des spanischen Architekturbüros Herreros Arquitectos, welches das neuartige Museum in die Gesellschaft der  hervorstechenden Oper in der Bjørvika-Bucht setzt. Entgegen den Verteidigern des bisherigen Standorts in Tøyen hat man sich Ende Mai nun auf kulturpolitischer und Bevölkerungsebene mit einer Mehrheit einigen können, dass das Museum eine neue Umgebung erhält. Somit werden die Oper sowie das Munch-Museum als zwei bedeutende Kulturinstitutionen in direkter Nachbarschaft zueinander ab 2018, dem geplanten Termin der Fertigstellung des Museumsneubaus, zahlreiche Besucher aus der ganzen Welt anziehen. Bis zur Eröffnung des neu errichteten Museums, das Munch und seiner Kunst gewidmet ist, werden jedoch noch fünf Jahre und umgerechnet etwa 225 Millionen Euro aufgewendet werden müssen.

Ein großes Fest über das ganze Jahr

Bis es so weit ist, können sich Kunstinteressierte auf mannigfaltige Art und Weise im Rahmen des Jubiläumsprogrammes Munch und seine Werke erschließen. Das Festjahr, das mit Munchs Geburtstag am 12. Dezember 2013 seinen Höhepunkt erreichen wird, bietet neben zahlreichen Ausstellungen verschiedenste Veranstaltungen für Groß und Klein, um Munch neu zu erleben. So eröffnen nicht nur sein Geburtsort Løten, sondern auch Kragerø, Moss, Oslo, Fredrikstad uvm. Möglichkeiten, sich ihm von einer vielschichtigen Perspektivität anzunähern.

Auch wer sich nicht als Kunstexperte versteht – so wie König Harald V. von Norwegen es in seiner Eröffnungsrede von sich selbst sagte –, darf sich willkommen fühlen, denn das Werk Munchs spricht existentielle Themen des menschlichen Daseins an: Ob es Melancholie, Liebe, Trauer, Neid oder Freude sind – all diese Elemente der menschlichen Gefühlswelt vermochte Munch als ein Vorreiter der modernen Malerei ausdrucksstark und einzigartig umzusetzen, und so feiert man ihn dieses Jahr gebührend.

Munch und sein Werk

Dass es nicht immer um die existenzielle Angst geht, die in Der Schrei prominent dargestellt wird, zeigen auch seine anderen Werke wie die zum  „Lebensfries“ zählenden. Hierbei vollzieht er die menschliche Entwicklung im Dialog mit der einzigartigen Natur nach, wobei sein künstlerischer Schaffensort Åsgårdstrand eine wesentliche Position einnimmt. Bilder wie Die Frau in drei Stadien (Sphinx) (1894) oder Der Tanz des Lebens (1899/1900) sprechen zum einen menschliche Bedürfnisse nach Nähe und Liebe an, aber auch die leidvollen Gefühle, die bei deren Enttäuschungen aufkommen. Zum anderen entwickelt er im „Lebensfries“, ähnlich wie später in seinen Bildern für die Aula der Osloer Universität, eine ganz eigene Sprache für den Wandel im Leben eines jeden Menschen, der sowohl von Freude als auch Leid geprägt ist.

Für Munch vollzieht sich dieser Reifeprozess der Menschen stets in ihrer natürlichen, landschaft-lichen Umgebung. So ließ er sich stark von seinen Lebensstätten wie Åsgårdstrand oder Ekely inspirieren und hatte in seinen diversen Schaffensperioden mehr als 30 Ateliers. Seine besondere Beziehung zu Berlin und Paris verlieh ihm nicht nur damals einen internationalen Ruf. Seine Bekanntheit geht heute weit über europäische Grenzen hinweg, sodass man sich im Rahmen von Munch 150 beispielsweise bis zum 6. Oktober 2013 die Ausstellung „Edvard Munch in der Staatsgalerie. Vom ersten Kuss bis in den Tod“  in der Staatsgalerie Stuttgart anschauen kann. Dort wird eine weniger bekannte Seite Munchs präsentiert, nämlich die eines äußerst experimentierfreudigen und produktiven Grafikers.

Neben seiner intensiven Beschäftigung mit dem Format der Druckgrafik interessierte sich Munch ebenso sehr für die damals neuartigen Technologien der Fotografie und des Films. Mit diesen künstlerischen Errungenschaften arbeitete er ab 1902 bzw. 1927 verstärkt, während er gleichzeitig viele Aufträge, insbesondere aus Deutschland, mit seinem expressiven Pinselduktus auf die Leinwand brachte. Selbst Zeichnungen und Notizen seiner Schaffensphasen kann man sich sowohl in digitalisierter als auch in Originalform online genauer ansehen und damit die persönliche, oft verborgene Seite dieses Ausnahmekünstlers kennenlernen.

Munch und seine Heimat

Bereits zu seinen Lebzeiten hat man ihm in Norwegen ein Denkmal setzen wollen, nämlich das nach ihm benannte Munch-Museum in Oslo. Trotz der Differenzen, die er am Anfang seiner Karriere mit Kritikern in der Heimat hatte, zog es ihn später wieder nach Norwegen. Nachdem ihn seine umtriebige Ader zuerst durch halb Europa geführt hatte, wo er vielen zeitgenössischen Künstlern aller Couleur begegnet war, ließ ihn erst die Anerkennung in seinem Vaterland innerlich zur Ruhe kommen. Dass seine nahezu magischen Bilder mit ihrem besonderen Farbspiel, dem starken Pinselstrich und dem Wechsel von Hell und Dunkel nicht nur seine damaligen Kritiker und Betrachter vor lauter emotionaler Intensität beunruhigte, sondern auch die heutigen, ist ein Zeichen, dass Munchs Kunst nach wie vor anregt und hochaktuell ist. Nicht zuletzt die hitzige Debatte um die Standortwahl steht dafür Zeuge.

Das Highlight: „Munch 150“

Wer sich gerne selbst von der Wirkung seines Werkes überzeugen möchte, kann sich in diesem Jahr auf viele weitere Aktivitäten freuen, die allesamt auf www.munch150.no aufgeführt sind. Darunter sticht besonders die Jubiläumsausstellung „Munch 150“ hervor, welche die bisher größte Auswahl seines Werkes mit 220 Gemälden und 50 Arbeiten auf Papier präsentiert. Aufgrund des großen Umfangs ist sein künstlerisches Werk an zwei Orten zu sehen: So zeigt die Nationalgalerie in Oslo sein frühes Schaffen aus den Jahren 1882 bis 1903, während sich das Munch-Museum gleichenorts den nachfolgenden Jahren bis zu seinem Tod anno 1944 widmet. Seit der Eröffnung am 2. Juni dieses Jahres begeistert die einzigartige Ausstellung ein großes Publikum und ist in ihrer Einmaligkeit ein Muss für Kunstliebhaber. Das Highlight des Festjahres kann man sich noch bis 13. Oktober 2013 anschauen – und wer weiß, vielleicht entdeckt man darin etwas ganz Eigenes an Munch für sich.

Das KULTURHUS BERLIN wird am Ende des Jahres in Zusammenarbeit mit der Königlich Norwegischen Botschaft mit einigen Veranstaltungen in Berlin zu Ehren des Ausnahmekünstlers aufwarten. Informationen zum Programm werden wir im Newsletter und unter www.kulturhusberlin.de bekannt gegeben.

Eine detaillierte Aufführung mit den diversen Veranstaltungen gibt es unter www.munch150.no.

Die Sammlung seiner schriftlichen Hinterlassenschaft ist unter www.emunch.no abrufbar.

Von Ina Juckel

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