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Charlotte Heinzelmann
"Salta Grodan" - Schwedische Bücher in Berlin

Aber bitte auf Schwedisch! Schwedische Bücher, Hörbücher, Musik und Filme in Berlin

KULTURHUS BERLIN: Hej Lotta, warum alles auf Schwedisch und warum ausgerechnet der salzige Lakritzfrosch "salta grodan"?

Charlotte Heinzelmann: Meine Mutter ist Schwedin, mein Vater ist Deutscher, aus dem Schwarzwald, wo ich in ländlicher Umgebung zweisprachig aufgewachsen bin. Die Sommer meiner Kindheit verbrachte ich mit der Familie bei der Tante in Skåne, auch dort auf dem Lande. Die Frösche aus Salzlakritz gehören zu den vielen schönen Erinnerungen an diese Zeit, ebenso wie die schwedischen Kinderbücher. Unsere Tochter ist nun auch zweisprachig und sie liest die schwedischen Kinderbücher genau so, wie ich es als Kind gemacht habe.

Pia: Oder Mama liest mir vor!

KULTURHUS BERLIN: Und nun das Geschäft mit den schwedischen Büchern; wie fing es damit an?

Charlotte Heinzelmann: Natürlich mit Kinderbüchern und mit meinem eigenen Wunsch danach, für uns selbst welche zu bekommen und nicht bis zur nächsten Schwedenreise damit warten zu müssen! Im August 2007 fing ich in unserer Privatwohnung an. Ich habe nur angeboten und verkauft, was ich auch "auf Lager" hatte, meine Kinderbuchfavoriten, "testgelesen" von Pia und mir und mit meinen persönlichen Empfehlungen versehen. Bamse von Rune Andréasson war damals der große Spaß und das ist er bis heute geblieben. Aber schon nach zwei Monaten war das nicht mehr genug, die Kunden fragten nach mehr und anderem und nach Literatur für Erwachsene, so dass ich mein Sortiment nach und nach zu erweitern begann. Heute erhält man bei mir Bücher, Hörbücher, CDs und Filme in schwedischer Sprache.

KULTURHUS BERLIN: Wer gehört zu Deinem Kundenkreis?

Charlotte Heinzelmann: Das sind zunächst einmal Schweden, die in Berlin und Deutschland leben, und Auslandsschweden weltweit. Ich habe Kunden in Italien, Österreich, der Schweiz, den USA, usw. Dann Leute, die schwedische Freunde oder Verwandte haben und Geschenke für sie suchen und Empfehlungen brauchen, weil sie selbst kein Schwedisch können und natürlich viele Schwedenfreunde, Ferienhausbesitzer, Leute, die mit Schweden befreundet sind und ihre Schwedischkenntnisse lebendig halten wollen, die einfach "Freude am Schwedischen" haben. Schließlich Lehrbücher für Studierende oder für Schüler der Gymnasien in Deutschland, die Schwedisch als Fremdsprache anbieten und für Schwedischkurse für Fortgeschrittene, in denen nicht mehr nur nach Lehrbüchern gearbeitet wird, sondern Literatur gelesen und besprochen wird.

Auch Deutsche Buchhändler bestellen bei mir nach den Wünschen ihrer Kunden oder sie verweisen die Kunden direkt an mich. Ich helfe gerne!

KULTURHUS BERLIN: Und was wird bestellt, gekauft, gelesen? Schwedische Krimis . . .

Charlotte Heinzelmann: Så klart - Krimis haben ihre eigene Diktion und einen sich wiederholenden inneren Aufbau und Atmosphäre. Das schleift sich beim Leser bald ein. Andere Literatur setzt da schon tiefere Sprachkenntnis voraus. Noch immer läuft sehr gut der Hundertjährige, Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann von Jonas Jonasson. Interessant ist, dass bei den DVD die männlichen Kunden dominieren, aber bei Büchern ca. 70% meiner Kunden Frauen sind. Deren Geschmack geht aktuell zu etwas, dass ich "moderne Frauenromane" nennen möchte, zum Beispiel zu Karin Brunk-Holmqvist mit ihrem Humor, unter anderem in Potensgivarna, und zu Kajsa Ingemarsson von På det fjärde ska det ske von 2002 bis zu Någonstans inom oss von 2011.

KULTURHUS BERLIN: Du verweist gerne auf die "Lättläst"-Bücher.

Charlotte Heinzelmann: Das ist geradezu ideal für alle, die sich neu an schwedische Originale heranmachen! "Lättläst" wurde ursprünglich entwickelt für "svenska som andraspråk“ (Schwedisch als Fremdsprache) und für Leseschwache. Sie wurden ins vereinfachte Schwedisch umgeschrieben und werden auf verschiedenen sprachlichen Niveaus angeboten – teilweise sogar mit Hörbuch. Das macht Anfängern richtig Freude, Schwedisch zu lesen, zu verstehen und ein Gefühl für die Sprache zu bekommen!

KULTURHUS BERLIN: Wie sind die Trends bei den Kinderbüchern? Gewiss werden die "Klassiker" immer noch gelesen?!

Charlotte Heinzelmann: Jo visst! Gerade die Mütter, ob Schweden oder Deutsche, lieben Bullerbyn und Saltkråkan, weil das für viele synonym ist für "Schweden", für Urlaub in Schweden, für "Schwedische Idylle". Dazu gehören auch Pettson och Findus und Alfons Åberg. Auch die deutschen Kinder, die Schwedisch lernen, mögen die Klassiker nach wie vor. Aber in den schwedischen Kinderzimmern sind inzwischen andere Geschichten von anderen Autoren bekannter! Ich nenne mal Martin Widmark mit seinen Krimis für sechs- bis neunjährige Leser und Zuhörer, z.B. die Serien LasseMajas detektivbyrå oder Nelly Rapp. Pija Lindenbaum oder Catarina Kruusval nehmen bei den Kleineren einen hohen Stellenwert ein – sowohl als Pappbilderbuch für die Allerkleinsten oder mit lustigen Geschichten und wunderbaren Zeichnungen.

Kulturhus Berlin: Nun gibt es Salta Grodan in einem "richtigen" Laden!

Charlotte Heinzelmann: Im August 2012 habe ich mir meinen Traum von einem Schwedischen Buchladen erfüllt, in Berlin-Friedenau! Ich habe meinen Netz-Auftritt, verschicke meine Nyhetsbrev mit meinen persönlichen Empfehlungen, man kann im Netz bestellen oder in den Laden kommen. Die Bestellungen werden nach Hause geschickt oder man holt sie im Laden ab. Die Preise unterscheiden sich nicht nennenswert von denen deutscher Taschenbücher.

Im Laden biete ich auch meine feinen selbstgemachten Dinge mit und in skandinavischem Flair an und typisch schwedische Accessoires, wie den Luciatåg, Tischflaggen etc. Es macht unheimlich viel Spaß, so nah am Kunden zu sein, schwedisch mit ihm zu sprechen und meine Veranstaltungen, wie z.B. im Winter die Kaminstunde oder "bokbytardagen" zum Bücher tauschen sind immer gut besucht.

Das Interview führte Hans-Joachim Gruda im Mai 2013

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